Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0208/21360.html    Veröffentlicht: 26.08.2002 09:24    Kurz-URL: https://glm.io/21360

Kommerzielle Musik-Download-Dienste enttäuschen

Digitale Misstöne: Musikindustrie stoppt sich selbst

Lange hat die Musikindustrie über Internet-Piraterie geklagt, jetzt bietet sie endlich legale Download-Dienste an. Doch kaum eingeführt, gibt es schon wieder Klagen: Die Dienste seien zu umständlich und zu teuer, meinen viele Anwender. Gleichzeitig nehmen die deutschen Labels missliebige Konkurrenz aus dem Ausland unter Beschuss, wie das Computermagazin c't in der aktuellen Ausgabe 18/02 berichtet.

Bereits einen Tag, nachdem Universal Music Germany mit seinem Musik-Download-Angebot Popfile.de an den Start gegangen war, fiel die komfortabelste Zahlungsvariante gleich wieder weg. Über eine Festnetz-Telefonnummer konnte man sich unkompliziert einen Freischalt-Code für die gewünschte Musik holen, abgerechnet wurde über die Telefonrechnung, so die c't. Stattdessen bleiben jetzt nur der Anruf einer teuren 0190-Nummer und eine Variante, bei der man erst nach vier Tagen Zugang erhält. Außerdem wird die Musik in einem speziellen MP3-Format übertragen, das sich erst nach einer Konvertierung in Microsofts WMA-Format abspielen lässt. "Den hohen Erwartungen wird das aktuelle Angebot damit bei weitem nicht gerecht", urteilte dann auch c't-Redakteur Gerald Himmelein.

Außerhalb Deutschlands finden sich allerdings Alternativen. Für zehn Dollar im Monat können sich Nutzer unbegrenzt Musik von EMusic.com herunterladen. Das Angebot umfasst zwar keine Chart-Hits, bietet aber über 200.000 Songs aus den Stilrichtungen Jazz, Funk, Hip Hop und Weltmusik.

Beim spanischen Anbieter weblisten.com können die Nutzer für 20 Euro im Monat oder 70 und 75 Cent pro Song sogar Chart-Musik auf ihren Rechner holen. In Spanien zahlt der Anbieter nach eigenen Angaben ganz reguläre Abgaben an die Verwertungsgesellschaften. Doch die deutsche Musikindustrie geht dagegen an, weil sie das Angebot nach hiesigem Recht für illegal hält.

Angesichts der beginnenden Aufbruchstimmung der Musikindustrie zu neuen Online-Ufern hält c't-Experte Gerald Himmelein solche Grabenkämpfe für kontraproduktiv: "Wenn man die Legalität der ersten Bezahldienste gleich wieder in Frage stellt, wird die potenzielle Online-Kundschaft wohl weiternapstern."  (ad)


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