Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0207/20959.html    Veröffentlicht: 26.07.2002 21:36    Kurz-URL: https://glm.io/20959

US-Industrie könnte Filesharing-Nutzer bald legal angreifen

"Peer to Peer Piracy Prevention Act" soll Industrie den Gegenangriff ermöglichen

Vier US-amerikanische Kongressabgeordnete, darunter auch der DMCA-Befürworter Howard L. Berman, haben eine Gesetzesvorlage veröffentlicht, mit der Peer-to-Peer-Raubkopiernetzwerke bekämpft werden sollen. Der "Peer to Peer Piracy Prevention Act" getaufte Gesetzesvorschlag soll der Industrie die Möglichkeit geben, sich auch mit normalerweise verbotenen technischen Mitteln aktiv gegen Raubkopierer zu wehren - so soll das gezielte Angriffe auf Peer-to-Peer-Netzwerke bzw. deren Teilnehmer erlaubt werden.

"Den Gesetzesentwurf den meine Kollegen und ich heute vorgestellt haben wird dem Markt die Freiheit geben, Techniken zu entwickeln, die P2P-Piraterie vereiteln ohne die P2P-Netzwerke selbst zu behindern. Dies ermöglicht er indem er Urheberrechts-Inhabern unter bestimmten beschränkten Bedingungen erlaubt, technische Werkzeuge zu nutzen um die P2P-Piraterie zu konterkarieren ohne Angst vor rechtlichen Konsequenzen haben zu müssen", so Berman.

Dies umfasse das "Sperren, Stören, Blockieren, Ablenken und sonstige Beeinträchtigen" der Verbreitung von jeglichem urheberrechtlich geschützten Material auf öffentlich zugängigen Peer-to-Peer Filesharing-Netzwerken. Ohne gerichtliche Autorisation dürfen die Daten auf den Rechnern der Filetrader allerdings weder verändert noch zerstört werden. Möglich werden also etwa Denial of Service (DoS) Attacken und ähnliches, was auch nach US-Gesetzen noch verboten ist.

Da der Gesetzesvorschlag in den USA erwartungsgemäß schon für aufgeregte Diskussionen sorgt, wiegelte Berman bereits ab, dass der "Peer to Peer Piracy Prevention Act" es Urheberrechts-Inhabern nicht erlaube, Viren in P2P-Netzwerke zu schleusen, sich in persönliche Dateien von P2P-Nutzern zu hacken oder wahllos rechtmäßigen Dateitausch zu blockieren. "Zudem erlaubt unser Gesetz es Urheberrechts-Inhabern nicht, das Eigentum von Mittelsleuten zu schädigen, ISPs eingeschlossen, oder dem eigentlichen P2P-Piraten mehr als einen Bagatellschaden zuzufügen", so Berman.

Wer das Gesetz missbrauche, so es denn vom Kongress angenommen wird, und dessen Rahmenbedingungen übertrete, werde laut Berman mit den bestehenden Gesetzen hart bestraft. Betroffene "Filesharer" sollen dann gerichtlich gegen den Schuldigen vorgehen können, auch von staatlicher Seite könne man dann gegen ein schwarzes Schaf aktiv werden.

Berman bezeichnet sich selbst als großen Fan von P2P-Netzwerken und der Technik dahinter: "Ich denke diese Netzwerke haben ein großartiges Potenzial für alle Arten von legalen Anwendungen, die legale Distribution kopiergeschützten Materials eingeschlossen." Allerdings solle es nicht im Ermessen eines Raubkopierers sondern in dem des jeweiligen Schöpfers liegen, ob sie ihre Arbeiten über ein P2P-Netzwerk verteilen. Berman betonte, dass Künstler, Filmproduzenten und andere Urheberrechts-Inhaber durch P2P-Netzwerke mit massivem Raubkopieraktivitäten konfrontiert seien und dafür keine Kompensation erhalten. "P2P Piraterie muss erledigt werden, und zwar sofort".

Abschließend erklärte Berman in einer Mitteilung zur Gesetzesvorlage: "Kein Gesetz kann das Problem von Peer-to-Peer-Piraterie ausmerzen. Aber die Beseitigung von unbeabsichtigten legalen Beschränkungen für Techniken, die helfen könnten mit den Problemen fertig zu werden, ist ein wichtiger Teil der Lösung." Ebenfalls am Peer to Peer Piracy Prevention Act beteiligt sind die Abgeordneten Howard Coble, Lamar Smith und Robert Wexler.

Aus der Industrie gibt es schon erste Zustimmung zum Peer to Peer Piracy Prevention Act, allen voran geht die Musikindustrie-Organisation RIAA, deren Vorsitzende und CEO Hilary Rosen sich erfreut über den Vorschlag zeigte, der eine "innovative Herangehensweise" an das gravierende Problem der Internet-Piraterie mit sich bringen würde. "Wir freuen uns darauf, mit dem Kongressabgeordneten Berman, Chairman Coble und den anderen Kongressmitgliedern an dieser wichtigen Initiative zu arbeiten", so Rosen in einer kurzen RIAA-Pressemitteilung.

Auch ohne das Gesetz hat die Industrie bereits Wege ersonnen, sich direkt gegen Raubkopien in P2P-Filsharing-Netzwerken zu wehren: So sollen bereits gefälschte Dateien eingeschleust werden, die dem Empfänger lediglich Datenmüll bescheren. Doch wie üblich gibt es auch hier bereits die ersten Tools, die kaputte oder veränderte Dateien entlarven. Zudem wird bereits auf diversen US-Sites berichte, dass Internet Service Provider (ISP) versuchen Filesharing-Tools zu blocken, etwa durch Sperren von deren üblicherweise genutzten Ports.  (ck)


© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/