Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0207/20818.html    Veröffentlicht: 18.07.2002 11:00    Kurz-URL: https://glm.io/20818

ATI kündigt vier neue Grafikchips an (Update 2)

Radeon 9000/9000 Pro, Radeon 9500 und Radeon 9700 kommen im August/September

ATI hat heute gleich vier neue Grafikchips bzw. Grafikkarten angekündigt, die teils bestehende Produkte ersetzen oder diese ergänzen. Während Radeon 8500 LE und Radeon 8500 durch ihren Nachfolger Radeon 9000 respektive Radeon 9000 Pro ersetzt werden, wird die Radeon 9700 das neue Flaggschiff von ATIs Consumer-Grafikkartenlinie, von dem Ende des Jahres in Form der Radeon 9500 noch eine günstigere Version erscheinen wird.

Radeon 9000
Radeon 9000
Mit der Radeon 9000 und Radeon 9000 Pro will ATI DirectX-8.1-kompatible Karten in deutlich niedrigerem Preisbereich anbieten, als dies bisher mit Radeon 8500 LE und Radeon 8500 der Fall war. Möglich ist dies durch höhere Integration: So finden sich nun zwei 400 MHz RAMDACs (Vorgänger hatten nur einen RAMDAC), ein 165-MHz-TDMS-Transmitter (für DVI-I) und ein TV-Encoder (für TV-Out) direkt in den Grafikchips. Neu ist das Feature "Fullstream" zum qualitativen Aufwerten, genauer gesagt zum Deblocking von MPEG2 und anderen blockbasierten Videostreams, welches die Treiber vom Pixelshader erledigen lassen. Ob dies auch für Radeon 8500 nachgereicht wird bzw. möglich ist, konnte ATI noch nicht beantworten.

Der neue Grafikkern (Codename "RV250"), der wie gehabt einen Pixel Shader Version 1.4 und Vertex Shader Version 1.1 bietet, soll in seiner Architektur der Renderpipelines dem Radeon 9700 (Codename "R300") nahe kommen. So hat der Radeon-9000-(Pro-)Kern zwar wie der Radeon 8500 vier Pipelines, aber physikalisch nur noch eine Textureinheit pro Pipeline (Radeon 8500 hat zwei Textureinheiten pro Pipeline), was laut ATI im Vergleich zum Radeon 8500(LE) die Leistung in füllratenlimitierten Grafikanwendungen bzw. Spielen drückt. Dafür sollen die restlichen Veränderungen eine höhere Geometrieleistung einbringen.

Die Radeon 9000 wird wie die Radeon 8500 LE einen Chiptakt von 250 MHz, aber nur einen Speichertakt von 200 MHz haben. Bei der Radeon 9000 Pro werden es je 275 MHz sein, was wiederum der Taktrate der Radeon 8500 entspricht. Die Speicherausstattung wird je nach Anbieter bei 64 oder 128 MByte DDR-SDRAM liegen; werden 64 MByte eingesetzt, soll ATI zufolge die Radeon 9000 rund 130,- US-Dollar und die Radeon 9000 Pro rund 150,- US-Dollar kosten. Die neuen Bezeichnungen sollen laut ATI ein ähnliches Debakel wie bei der Unterscheidung der Radeon 8500 LE vermeiden, bei der Hersteller mitunter den wichtigen da auf geringere Leistung hinweisenden Zusatz LE nicht mehr unterschlagen können. Dafür bricht ATI aber selber mit seiner bei den Radeon-7x00- und Radeon-8x00-Karten eingeführten Nomenklatur und sorgt seinerseits für Verwirrung. Eigentlich warb ATI damals gegenüber der Presse mit der Transparenz, dass schon an der ersten Ziffer die Kompatibilität zur DirectX-Version 7 oder 8 zu erkennen sei.

In Deutschland wird ATIs Partner Guillemot/Hercules einer der ersten Lieferanten für die neuen Grafikkarten sein; der europäische Hersteller hat bereits die AGP-4X-Grafikkarten 3D Prophet 3000 128 MB (Radeon 9000 mit 250 MHz, 128 MByte DDR-SDRAM mit 200 MHz; VGA, TV-Out und DVI-I) für 150,- US-Dollar und 3D Prophet 9000 Pro 128 MB (Radeon 9000 Pro mit 275 MHz, 128 MByte DDR-SDRAM mit 275 MHz; VGA, TV-Out und DVI-I) für 200,- US-Dollar sowie die PCI-Grafikkarte 3D Prophet 9000 PCI (Radeon 9000 mit 250 MHz, 64 MByte 200-MHz-DDR-SDRAM; VGA, TV-Out und DVI-I) für 130,- US-Dollar angekündigt. Alle drei sollen etwa Mitte August erhältlich sein. Guillemot will weiterhin seine Radeon-8500-LE-Karten anbieten, die dann in der Retail-Version ab 1. August für rund 150,- Euro angeboten werden sollen - die Bulk-Versionen werden noch günstiger sein. Beide sollen damit preislich einen Tick bis merklich unter der Radeon 9000 liegen.

Nachtrag: In einem ersten Test erreichte ein Radeon-9000-Pro-Referenzboard auf einem 2-GHz-Pentium-4-Windows-XP-Testsystem allerdings unter 3D Mark 2001 SE Build 330 unter 1.024 x 786 Bildpunkten nur 7.067 3DMark. Auf dem gleichen PC erreichten eine Matrox Parhelia 7.090 3DMark, eine ATI Radeon 8500 schaffte 8.447 3DMark und ein GeForce4-Ti-4600-Referenzboard erzielte 9.070 3DMark. Bei RTCW sieht es ähnlich aus. Das entspricht nicht gerade dem Erwarteten - die weggestrichene Textureinheit scheint im negativen Sinne mehr auszumachen als die versprochene höhere Geometrieleistung, so dass es sich mehr um einen niedrig gepreisten GeForce4-MX-Killer als um einen Radeon-8500-Nachfolger handelt, wie es die Bezeichnung vermuten ließe. Zudem brachten die von ATI mitgelieferten Treiber in Verbindung mit Windows XP ein unangenehmes Problem mit sich: In den 3D-Modi wechselte die Bildwiderholfrequenz immer auf 60 Hz (in den Tests war Vsync deaktiviert, dies fiel dort also nicht ins Gewicht); derzeit versuchen Microsoft und ATI das nicht ganz neue Problem zu lokalisieren und zu lösen. Interessanterweise berichtete Guillemot Deutschland gegenüber Golem.de, dass die eigenen Boards bei internen Tests etwa gleich schnell und teils auch merklich schneller als die Radeon 8500 sind. Dies würde zumindest darauf hindeuten, dass in dem von uns getesteten ATI-Board oder dem Treiber der Wurm drin ist. Auf einen ausführlichen Test werden wir deshalb verzichten, bis Licht in die Sache "gerendert" wurde. Nachtrag Ende

Radeon 9700
Radeon 9700
Im September wird voraussichtlich ATIs erster DirectX-9- und zudem AGP-8X-kompatibler Grafikchip Radeon 9700 erhältlich sein, der unter dem Codenamen R300 bereits von sich reden machte. Hier spricht ATI nun - wie auch 3DLabs bei seinen P10-Grafikchips - von einer VPU (Visual Processing Unit) und nutzt nicht mehr die von NVidia geprägte Bezeichnung GPU (Graphics Processing Unit), um auf die höhere Leistung und Flexibilität hinzuweisen. Mit 107 Millionen Transistoren (Radeon 8500 hat rund 60 Millionen), 256-Bit-Speicherinterface (ähnlich Matrox Parhelia 512) für bis zu 20 GByte Speicherbandbreite/s, optimierter Rendering-Architektur ("Hyper-Z-III"), 8 anstelle von 4 Pixel-Pipelines, die gemäß DirectX 9 bis zu 16 Texturen pro Durchgang zuweisen können, 8 Pixel Shader Engines Version 2.0 und 4 Vertex Shader Engines Version 2.0 soll der Chip einen Polygondurchsatz von 136 Millionen Dreiecken/s, einer Transform-Rate von 325 Millionen Dreiecken/s und eine Füllrate von 2,6 Gigapixel/s erreichen. Beim Radeon 9700 handelt es sich um den ersten Radeon-Chip vom ArtX-Team, das bereits den "Gekko" getauften Grafikchip des Nintendo Gamecube entwickelt hat.

Der Radeon 9700 wird die von Matrox ersonnene DirectX-9-Funktion Displacement Mapping unterstützen, das realistische 3D-Oberflächenstrukturen bei geringem Ressourcen-Bedarf ermöglicht, aber dafür Probleme mit Stencil-Buffer-Schatten mit sich bringt. Einige wichtige Spieleentwickler haben bereits ihre Unterstützung für Displacement Mapping zugesagt, andere halten sich mit Lobpreisungen hingegen vornehm zurück.

Während ATI bereits beim Grafikchip Radeon 9000(Pro) das Videodeblocking per Software vom Pixelshader erledigen lässt, werden beim Radeon 9700 alle Videowiedergabe-Berechnungen vom leistungsfähigen Pixelshader erledigt. Diese als Videoshader bezeichnete Technik spart nicht nur Fläche auf dem VPU-Die, sondern soll auch mehr Möglichkeiten bieten. So lassen sich Filter nachträglich ändern oder neue hinzufügen. Allerdings wird man abwarten müssen, ob ATI diese Funktion nur unter Windows oder auch unter Linux anbieten wird.

Laut ATI sollen Radeon-9700-Grafikkarten erst mit 128 MByte DDR-SDRAM auf den Markt kommen, spätere Versionen oder Modelle sollen jedoch dessen potenziell leistungsfähigeren Nachfolger DDRII nutzen. Die Leistung des Radeon 9700 soll - so ATI - konkurrierende Chips um bis das Doppelte übertrumpfen. Allerdings sollte man diese Aussage mit Vorsicht genießen, denn noch hat Platzhirsch NVidia seinen GeForce-4-Ti-Nachfolger - der vermutlich unter der Bezeichnung GeForce5 in diesem Jahr erscheinen wird - nicht vorgestellt. Um die Stromversorgung von Radeon-9700-Grafikkarten auch bei deren voller Auslastung und somit auch die Systemstabilität sicherstellen zu können, hat ATI wie auch 3Dfx bei den Voodoo-5500-Grafikkarten eine externe Stromversorgung (Anschluss ans Gehäusenetzteil) vorgesehen, obwohl die Stromversorgung über den AGP-Bus ausreichen sollte, so ATI. Taktraten für die ab September erhältliche ATI-Radeon-9700-Grafikkarte nannte der Hersteller noch nicht, der Preis soll bei rund 400,- US-Dollar liegen.

Guillemot/Hercules will ebenfalls im September mit einer eigenen Radeon-9700-Grafikkarte auf den Markt kommen. Das 3D Prophet 9700 getaufte Produkt soll mit beachtlichen 256 MByte DDR-SDRAM aufwarten. Ein Preis und Taktraten wurden nicht genannt.

Da der bereits ab September erhältliche Radeon 9700 als High-End-Consumer-Produkt recht teuer ist, hat ATI für Ende des Jahres mit dem Radeon 9500 noch eine abgespeckte Version des Radeon 9700 angekündigt, der DirectX-9-Funktionen in niedrigere Preisdimensionen bringen soll. Der Preis soll voraussichtlich bei rund 300,- US-Dollar liegen. Technische Details hat ATI allerdings noch nicht verraten.

Nachtrag:
ATI hat mittlerweile eine Liste mit Herstellern veröffentlicht, die Grafikkarten mit Radeon 9000, 9000 Pro und Radeon 9700 anbieten wollen: Connect3D, Creative Labs Asien, CP Technology, Gigabyte Technology, Guillemot/Hercules, Hightech Information Systems (HIS), Sapphire Technology, Super Grace Electronics, Tyan und Unitech Electronics.  (ck)


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