Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0207/20773.html    Veröffentlicht: 17.07.2002 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/20773

Spieletest: Port Royale - Patrizier meets Pirates

Ascaron veröffentlicht historische Handelssimulation

Die Veröffentlichung von Port Royale geriet zu einer sehr zwiespältigen Angelegenheit: Top-Wertungen in der Presse auf der einen Seite, unzählige Beschwerden der Spieler auf Grund technischer Mängel auf der anderen Seite. Selten war ein spielerisch offensichtlich so gelungenes Programm so problembehaftet wie dieser Titel. Mit dem neuen Patch ist der Titel nun weitaus spielbarer, allerdings immer noch nicht frei von Fehlern.

Die Beschwerdeliste unzufriedener Käufer war mehr als lang: Ständige Abstürze und Hänger unter anderem unter Windows 98, Kompatibilitätsprobleme mit Kyro II und ATI-Grafikkarten sowie zahlreiche spielerische Ungereimtheiten wie nicht verständliche Kollisionen sorgten für Unmut, wurden allerdings zwar nicht vollständig, aber doch größtenteils mit dem kürzlich erschienenen Patch 1.15 behoben. Zudem versprach Entwickler Ascaron als "Wiedergutmachung" die Veröffentlichung eines kostenlosen Add-Ons - ganz offensichtlich nahm man sich die herbe Kritik doch deutlich zu Herzen.

Screenshot #1
Screenshot #1
Hat man den neuen Patch installiert, kann man sich dann allerdings auf die wahren Qualitäten des Programms konzentrieren - und die sind wirklich enorm. Das beginnt schon beim sehr schönen, stimmungsvollen Intro und setzt sich auch beim fast schon zu ausführlichen und dementsprechend sehr langen Tutorial fort. Andererseits sollten Personen mit wenig Zeit sowieso die Finger von Port Royale lassen. Das Spiel kann nicht mal eben zwischendurch gespielt werden, sondern verlangt einiges an Einarbeitungszeit.

Screenshot #2
Screenshot #2
Wer die Patrizier-Spiele kennt, wird sich auch in Port Royale schnell zurechtfinden, auch wenn der Wirtschaftsteil hier im direkten Vergleich zu Gunsten von mehr Action- und Adventure-Elementen eingeschränkt wurde. Zunächst gilt es, das erste eigene Schiff mit Waren zu beladen und diese möglichst gewinnbringend in einer der umliegenden Städte zu verkaufen. Die Einnahmen lassen sich dann verwenden, um Schritt für Schritt die eigene Flotte auszubauen und so mit immer mehr Gütern zu handeln und sich in der Umgebung einen Namen zu machen.

Screenshot #3
Screenshot #3
Wer sich seine Vorliebe für den Spieleklassiker Pirates bewahrt hat, müsste ebenfalls Gefallen an Port Royale finden - die Piraten spielen hier eine nicht zu unterschätzende Rolle. So muss man auf den Seewegen und sämtlichen neu erschlossenen Handelsrouten ständig einen Überfall einplanen und sollte dementsprechend über Kanonen und eine gute Panzerung verfügen. Wer sich direkt auf ein Gefecht mit den Gesetzlosen einlässt, wird ohne ausreichende Bewaffnung nicht lange bestehen können.

Screenshot #4
Screenshot #4
Natürlich kann man aber auch selber die Freuden des Plünderns kennen lernen, wer andere Schiffe kapern möchte, hat die freie Wahl, dies zu tun. Auch Städte können - sowohl von der See als auch über den Landweg - eingenommen werden. Segelt man im Auftrag einer Nation, ist es dem eigenen Ansehen sogar förderlich, "feindliche" Schiffe zu kapern und zu versenken, in den in diesem Szenario ständig herrschenden Kriegszeiten galt dies schließlich auch als Sieg für das eigene Land. Schön dabei ist, dass Ascaron um historische Korrektheit bemüht war und viele reale Geschehnisse den Spielverlauf aufwerten und die eigenen Geschichtskenntnisse auffrischen und ergänzen.

Screenshot #5
Screenshot #5
Grafisch ist Port Royale für ein Spiel dieses Genres wirklich gelungen - vor allem die Seeschlachten gefallen, aber auch das karibische Szenario an sich ist äußerst stimmungsvoll gestaltet, was durch die passende Musik nochmals verstärkt wird. Ein Multiplayer-Modus gehört übrigens auch zum Programmumfang - wer Waren mit Freunden handeln will oder ihre Schiffe versenken möchte, hat also ebenfalls die Möglichkeit dazu.

Fazit:
Abgesehen von den teils wirklich gravierenden Mängeln der ersten Programm-Version garantiert Port Royale stundenlangen Spielspaß. Die Mischung aus Patrizier und Pirates, die stimmungsvolle Präsentation und das historische Karibik-Szenario lassen die Motivation auch nach Wochen kaum absinken.  (tw)


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