Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0206/20415.html    Veröffentlicht: 20.06.2002 14:34    Kurz-URL: https://glm.io/20415

Spieletest: Final Fantasy X - Fantasy-Knaller für die PS 2

Optisch opulentes 3D-Rollenspiel für Strategiefans

Mit Final Fantasy X hat der japanische Spielehersteller Square Software bereits Anfang des Jahres in Japan und den USA den ersten PlayStation-2-Titel seiner überaus erfolgreichen Fantasy-Rollenspiel-Serie veröffentlicht. Das international bereits über sieben Millionen Mal verkaufte Spiel ist seit kurzem auch in Deutschland erhältlich - Sony hofft damit neue PlayStation-2-Käufer zu gewinnen.

Final Fantasy X
Final Fantasy X
Wie von Final Fantasy gewohnt, dreht sich auch im zehnten Teil der Serie alles um Mystik, Geister, den Streit zwischen Gut und Böse und Kämpfe epischen Ausmaßes. Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle von Tidus, einem jungen und erfolgreichen Blitzballspieler aus der voll technisierten Stadt Zanerkand. Bei Blitzball handelt es sich um ein futuristisches Unterwasser-Ballspiel. Bei einem dieser Spiele wird Tidus' Heimatstadt plötzlich von einer unbesiegbaren Kreatur namens Sin angegriffen und zerstört.

Screenshot #1
Screenshot #1
Geschützt durch einen Freund seines zehn Jahre früher verschwundenen Vaters wird Tidus durch Sin tausend Jahre in die Zukunft katapultiert - in eine durch Sin terrorisierte Welt voller Magie und Mysterien. Auf der Suche nach einem Weg zurück nach Zanerkand - oder was davon übrig ist - lernt er neue Freunde kennen, erfährt Neues über seinen Vater und wird einer der Leibwächter der Beschwörerin Yuna. Gemeinsam mit Yuna und ihren restlichen illustren Beschützern gehen sie keine geringe Aufgabe an: Die Befreiung der Welt von Sin und dessen Zerstörungswut.

Screenshot #2
Screenshot #2
Gleich zu Beginn des Spiels hat der Spieler die Wahl, die Charakterentwicklung komplett selbst in die Hand zu nehmen oder - was für Final-Fantasy-X-Erstspieler empfehlenswert ist - das Spiel dafür sorgen zu lassen, dass Tidus und seine Gruppe sich ausgewogen entwickeln. Auf einer Art Spielbrett, dem "Sphärobrett", kann man sich mittels durch Erfahrung gewonnenen Punkten fortbewegen, mittels erbeuteten "Sphäroiden" Fähigkeiten freischalten und so die Entwicklung des Charakters steuern. Erfahrung erhält man durch erfolgreiche Kämpfe, die besiegten Gegner - meist sehr fantasievolle Kreaturen - hinterlassen Gegenstände und bringen Geld ein. Gegenstände können bei Händlern auch verkauft und andere erstanden werden.

Screenshot #3
Screenshot #3
Das Durchwandern und Durchkämpfen der Welt erfolgt - wie üblich bei Final Fantasy - aus der Beobachter-Perspektive. Dabei sind die Kämpfe rundenbasiert und erfordern taktisches Vorgehen. Insbesondere muss man darauf achten, welche drei Mitglieder der bis zu sieben Mitglieder starken Heldengruppe mit welchen Tricks, Waffen- oder Magiefähigkeiten gegen welche Gegner antreten. Ohne die Anpassung der Strategie ist man insbesondere in späteren Kämpfen sehr schnell am Ende. Wichtig ist beim Spiel, dass alle Charaktere weiterentwickelt werden, denn gerade Yuna ist mit ihren Beschwörungsfähigkeiten die Schlüsselfigur im Spiel. Ihre Bestias - riesige dämonenartige heilige Kreaturen - gilt es ebenso durch Kampferfahrung zu verbessern, denn sie werden später genügend zu tun haben.

Speichern kann man in Final Fantasy X nur an "Speicher-Sphäroiden", die ab und an in der Gegend herumstehen - nervig wird das nur, wenn man zwischendrin das Spiel abbrechen will. Diese Speicher-Sphäroiden erlauben im Spielverlauf auch einen zwischenzeitlichen Wechsel ins Blitzball-Stadion. Als Spiel-im-Spiel erlaubt dieses die Teilnahme an der Blitzball-Liga mit einem eigenen Team. Ein weiteres Mini-Spiel bietet sich durch die für Final-Fantasy-Fans schon seit längerem bekannten Wettreiten auf Riesenvögeln, den "Chocobos". Final Fantasy X bietet also wie die Vorgänger viele Möglichkeiten, abseits der mystischen Geschichte seinen Spaß zu haben.

Screenshot #4
Screenshot #4
Grafik, Soundeffekte und Musik - abgesehen von den zu oft wiederholten Kampfmelodien - von Final Fantasy X erzeugen eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Dabei gelingt der Übergang zwischen Spiel sowie in Echtzeit berechneten und vorgerenderten Zwischensequenzen so gut, dass man mitunter gar nicht merkt, ob man nun wieder die Kontrolle über die Spielfigur hat. Nur selten ruckelt das Bild etwas bei der Echtzeit-3D-Grafik, wenn detaillierte Gesichter dargestellt werden. Bemerkenswert sind sowohl die liebevolle Gestaltung der 3D-Charaktere und ihrer Welt, die Zwischensequenzen als auch die grafischen Effekte während der Kämpfe. Weniger schön sind die häufigen Ladepausen, die Spieler für einige Sekunden mit einem schwarzen Bildschirm konfrontieren.

Screenshot #5
Screenshot #5
Wichtige Konversationen sind immer mit Sprachausgabe versehen - hier gibt es allerdings auch Kritik: Während alle Texte im Spiel vom japanischen Original ins Deutsche übersetzt wurden, stammt die sehr flapsige, aber gelungene Sprachausgabe aus dem englischsprachigen Final Fantasy X. Da teils recht deutliche Unterschiede in der Übersetzung existieren und im US-Spiel auch einige andere Wörter für wichtige Dinge benutzt werden, sorgt das beim lesenden und gleichzeitig zuhörenden Zuschauer mitunter für ordentliche Verwirrung. Hier wäre eine komplette Übersetzung mit deutschsprachigen Synchronsprechern das Ideal gewesen.

Fazit:
Der Erfolg von Final Fantasy X in Japan und den USA ist kein Wunder: Das Spiel glänzt mit schöner Grafik, einer abwechslungsreichen Story, einer guten Atmosphäre, einem stimmigen Gameplay und - trotz recht linearem Spielverlauf - genügend Herausforderungen für erfahrene Rollen- und Strategiespieler. Anfänger müssen sich allerdings erst etwas einarbeiten und die im Spiel gebotenen Tutorials ausgiebig nutzen, bevor sie auch gegen heftigere Gegner bestehen. Trotz einiger Mankos - wie etwa nervige Wartezeiten beim Nachladen oder die fehlende Übersetzung der englischen Sprachausgabe - ändert es nichts daran, dass das Spiel sein Geld auf jeden Fall wert ist - was nicht nur für Final-Fantasy-Fans gilt. Ob man sich deshalb allerdings gleich eine PlayStation 2 kaufen muss, sei dahingestellt.  (ck)


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