Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0205/19736.html    Veröffentlicht: 10.05.2002 09:36    Kurz-URL: https://glm.io/19736

Vivendi: "Counter Strike kein blutrünstiges Ballerspiel"

Stefan Nußbaum, Geschäftsführer VUI, zur Gewaltspiel-Diskussion

Nach den Vorfällen in Erfurt ist einmal mehr die Diskussion um die Wirkung von virtuellen Action-Spielen entbrannt, vor allem der PC-Titel Counter Strike steht seit Tagen im Kreuzfeuer der Kritik. Stefan Nussbaum, der Geschäftsführer des Counter-Strike-Publishers Vivendi Universal Interactive, hat sich nun mit einer Stellungnahme in die Diskussion eingeschaltet.

"'Computerspiele sind nicht die Ursache von Gewalt!' Das hat eine Studie der Kölner Fachhochschule für Sozialpädagogik erst kürzlich ergeben - und diese Studie ist immerhin im Auftrag des Bundesforschungsministeriums entstanden. Die Branche wurde dennoch von vielen Seiten wegen 'Counter Strike' u.a. heftig kritisiert. Von 'Killerindustrie' war die Rede, in der 'Blutgeld' verdient wird. Gegen diese Vorwürfe wehren wir uns aber vehement. Die Berichterstattung ist vielfach sehr polemisch und außerdem sachlich oft falsch", so Nußbaum.

Nußbaum weiter: "Natürlich ist 'Counter Strike' ein Action-Spiel, bei dem es ordentlich zur Sache geht - genau deswegen wird es ja gespielt. Aber gerade bei 'Counter Strike' soll man ja nicht - wie behauptet - auf alles schießen, was sich bewegt. 'Counter Strike' ist vielmehr ein Spiel, bei dem Teamgeist gebraucht wird. Und man kann jede Mission auch völlig gewaltfrei lösen. Den Vorwurf, 'Counter Strike' sei ein blutrünstiges Ballerspiel, quasi ein Training für gewaltbereite Psychopathen, weisen wir entschieden zurück. Nicht zuletzt, weil er der Spieler-Community gegenüber völlig unfair ist. 'Counter Strike' wird auf der ganzen Welt per Internet gespielt. Spieler aus aller Herren Länder spielen zusammen, um die Maps zu lösen. Allen diesen begeisterten Computerspiele-Fans vorzuwerfen, sie seien potenzielle Mörder, ist einfach ungerecht. Die Fans sind gestandene Persönlichkeiten aus allen Altersgruppen und Berufsschichten: Vom 19-jährigen Studenten bis hin zum Rechtsanwalt. Der E-Sport-Gedanke steht im Mittelpunkt beim 'Counter Strike' spielen".

Vom aktuell diskutierten Verbot derartiger Spiele hält Nußbaum wenig: "Weiterhin weisen wir bezüglich der aktuellen Diskussion über ein generelles Verbot von Computerspielen für Jugendliche und Erwachsene darauf hin, dass sich Verbote im Umgang mit derartigen Problematiken bisher noch nie bewährt haben. Vielleicht sollte man sich an dieser Stelle auch fragen, welche Auswirkungen ein derartiges Verbot haben würde. Unsere Branche setzt sich schon seit Jahren mit der Thematik auseinander. Neben staatlichen Institutionen wie der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS), die die Jugendgefährdung der entsprechenden Spiele prüft, durchlaufen alle unsere Produkte die Kontrolle der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle). Das heißt, alle Spiele erhalten eine entsprechende Altersempfehlung."  (tw)


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