Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0203/19062.html    Veröffentlicht: 27.03.2002 17:06    Kurz-URL: https://glm.io/19062

AmigaOS 4.0 - Amiga und Hyperion nennen neue Details

Vorbereitung auf AmigaOS 5.0 läuft bereits

Nachdem mit dem AmigaOne.5 bzw. AmigaOneG3-SE die Hardware des neuen PowerPC-basierten Amiga-Rechners feststeht, hat nun Amiga-Präsident und -CEO Bill McEwen weitere Details zum passenden AmigaOS 4.0 verkündet. Das Betriebssystem wird vom Amiga-Partner Hyperion Entertainment und einigen bekannten Amiga-Größen auf dem Amiga 4000 entwickelt und bereits auf die neuen AmigaOneG3-SE-Boards von Eyetech angepasst.

AmigaOS 4.0 soll nicht nur auf dem AmigaOneG3-SE, sondern auch auf anderer "passender" PowerPC-Hardware laufen. Ob das neben PPC-Beschleunigerkarten (z.B. Blizzard PPC, Cyberstrom PPCm Shark PPC oder Pegasos) für alte Amigas auch für Apple-Macintosh-Rechner gilt, wurde nicht gesagt. Anfangs wird zumindest der AmigaOneG3-SE noch nicht zu allen für die 68k-Architektur geschriebenen AmigaOS-Programmen kompatibel sein, wenn nicht eine Steckkarte mit den entsprechenden Amiga-Custom-Chips installiert ist. Das Betriebssystem selbst benötigt diese Chips jedoch nicht mehr. AmigaOS 4.0 soll dabei den Grundstein für das voll PPC-basierende AmigaOS 5.0 legen.

AmigaOS 4.0 bringt eine Hardware-Abstraktions-Schicht, virtuellen Speicher, eine neue Schnittstelle für Programm-Bibliotheken, Resource Tracking/Management, optionalen Speicherschutz und WarpOS-Abwärtskompatibilität mit. Für den Netzwerkeinsatz soll AmigaOS 4.0 Funktionen wie einen integrierten DHCP-Client, Internet Superserver (inetd), IP Filtering und Networking Address Translation (NAT), PPP-Dialup-Verbindungen, PPP over Ethernet (wichtig für DSL) und Verschlüsselung per SSL Version 2 bieten. AmigaOS 4.0 bleibt weiterhin kompatibel zur Amiga-Standard-Schnittstelle bsdsocket.

Neben an die PPC-Architektur angepassten Datentypen wird mit AmigaOS 4.0 auch eine neue Version des Amiga-Dateisystems eingeführt: Das Amiga File System 2 (FFS2) soll eine voll abwärtskompatible Version des alten Fast File System sein und Medien mit mehr als 4 GByte sowie Datei- und Verzeichnisnamen mit bis zu 102 Buchstaben verwalten. Bei CD-ROMs werden beispielsweise Joliet- und RockRidge-Formate unterstützt. Auch von MacOS formatierte Datenträger (HFS-/HFS+-Dateisysteme) sollen verarbeitet werden. Neben IDE- werden auch SCSI-Laufwerke unterstützt, eine spezielle Software soll dabei die Verwaltung von Fest- und Wechsellaufwerken vereinfachen.

Für Grafik- und Spielefans dürfte die Ankündigung etwas enttäuschend sein, dass bis jetzt lediglich Treiber für veraltete Permedia-2-, Permedia-3- und Voodoo-3-Grafikkarten sowie Matrox G450/G550 und ATI-Radeon-Grafikkarten existieren. Von einer Unterstützung für Kyro- oder GeForce-Grafikkarten ist noch nichts zu lesen, es würden jedoch Treiber für weitere Grafikchips folgen, verspricht McEwen. Damit Anwendungen und Spiele die 3D-Funktionen der Grafikchips bzw. -karten ausnutzen können, hat Hyperion zum einen die aus Warp3D-entstandene schlanke Spezial-API "Amiga3D" ersonnen. Damit auch das plattformübergreifende OpenGL 1.3 unterstützt wird, setzt man auf einen Mesa-4.0-Aufsatz für Amiga3D. Allerdings ist Mesa nur von der Syntax her kompatibel zu OpenGL, eine hundertprozentige Kompatibilität gibt es laut dem Mesa-Programmiererteam nicht.

Das AmigaOneG3-SE-Board setzt zwar lediglich auf einen gewöhnlichen AC97-Stereo-Soundchip, kann jedoch von audiophilen Amiga-Nutzern über PCI-Steckplätze mit herkömmlichen Soundkarten verwendet werden. AmigaOS 4.0 bringt laut McEwen beispielsweise Treiber für Creatives Sound Blaster 128 und Sound Blaster Live mit. Andere Soundkarten - die vielleicht für Musiker interessanter sind - wurden noch nicht namentlich genannt, auch nicht Creatives Sound Blaster Audigy. Neben PC-Soundkarten sollen auch Amiga-Soundkarten unterstützt werden.

USB-Unterstützung sollte ursprünglich erst in der Version 4.2 eingeführt werden, was eine Nutzung des AmigaOne allerdings erschwert hätte. Zumindest USB-Mäuse und -Tastaturen sollen mit der Einführung von AmigaOS 4.0 und des AmigaOne unterstützt werden. Wenn alles glatt geht, sollen weitere Gerätetypen folgen, so McEwen; den Anfang sollen dabei Scanner machen.
Die augenfälligste Neuerung im Vergleich zu Vorgänger-Versionen soll die komplett überarbeitete Benutzeroberfläche von AmigaOS 4.0 sein. Dies soll sowohl die Softwareebene als auch das grafische Design umfassen, reicht also von neuen Klassen über durchgängige Drag-&-Drop-Bedienung bis hin zu moderner aussehenden Icons und kantengeglätteten Schriftarten (True Type und Open Type Fonts). Für Kommandozeilen-Fans soll AmigaOS 4.0 eine fehlerfreiere und verbesserte Version des CLI (Command Line Interface) bringen.

So ganz scheint es mit dem angestrebten Zeitplan dann allerdings doch wieder nicht hinzuhauen und man darf sich fragen, wie McEwens Aussagen in der seit langem wartenden Amiga-Gemeinschaft ankommen werden: "Obwohl wir den veränderten Terminplan für die AmigaOne-Boards willkommen heißen, hat es dazu geführt, dass für AmigaOS 4.2 geplante Arbeit im AmigaOS-4.0-Zeitplan gelandet ist, insbesondere die Entkopplung des AA-Chipsatzes. Gepaart mit der Notwendigkeit zur Neuumsetzung von bestimmten Funktionen, die Haage und Partner in AmigaOS 3.5 und 3.9 integriert haben, könnte dies das endgültige Lieferdatum für Endkunden verzögern; eine momentane Überprüfung soll dies klären." Mit anderen Worten: Die für den Sommer erwartete Markteinführung steht auf Messers Schneide.

McEwen betont, dass man der Amiga-Gemeinschaft viel schulde. Durch den Erfolg von AmigaDE habe man Umsätze generieren und die Mittel anheben können, um die lange vorbereiteten Pläne für die Zukunft von AmigaDE und dem AmigaOS in die Realität umzusetzen. Ob McEwen mit seinen Worten "Wir danken Euch allen für die Unterstützung und: auf die Zukunft" jedoch noch viel Begeisterung ernten wird, ist fraglich.  (ck)


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