Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0203/18880.html    Veröffentlicht: 18.03.2002 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/18880

Spieletest: Medal of Honor - Allied Assault

First-Person-Weltkriegsknallerei mit Anspruch und Atmosphäre

Zurzeit ist im Film und auch in der Spieleindustrie das Thema Zweiter Weltkrieg wieder einmal ganz weit vorne. Von EA stammt die neueste Adaption in Form des First-Person-Shooters Medal of Honor - Allied Assault, in dem man sich als amerikanischer Soldat durch die Fronten Afrikas, Norwegens, der Normandie und weiteren Kampf in Frankreich schlagen muss.

Durch die Information, dass das Spiel die Quake 3 Engine nutzt, darf man nicht erwarten, dass man nun alleine ins Schlachtengetümmel stürzen muss - computergesteuerte Kameraden begleiten Lieutenant Mike Powell je nach Missionsart bei seinen Streifzügen durch die feindlichen Linien.

Screenshot #1
Screenshot #1
Während die Missionen in Nordafrika noch mit relativ wenig Gegenwehr vonstatten gehen, ist beim Kampf in Norwegen gegen die deutsche Kriegsmarine und deren U-Bootstützpunkte schon wesentlich mehr Glück und Zielvermögen vonnöten. Glück braucht man aber in jedem Fall in der unglaublich intensiv erlebbaren Invasionsmission, die aus dem Film "Der Soldat James Ryan" stammen könnte. Zum Glück kann man an beliebigen Zeitpunkten innerhalb der Missionen zwischenspeichern, und das sollte man auch ausgiebig tun, um Frusterlebnisse so weit wie möglich in Grenzen zu halten. Manchmal ist es gerade bei Omaha Beach wie in der Realität reines Glück, ob man ein paar Zentimeter weiterkommt oder nicht.

Screenshot #2
Screenshot #2
Insgesamt besteht das Spiel aus sechs Hauptmissionen und diese sind jeweils je nach Komplexität in weitere Untermissionen aufgeteilt. In der leichtesten Schwierigkeitsstufe (von insgesamt dreien) kann man das Spiel in ungefähr acht Stunden durchspielen, während man bei den höheren Schwierigkeitsgraden je nach Können teilweise deutlich länger braucht, um eine Mission zum Abschluss zu bringen.

Screenshot #3
Screenshot #3
Neben den Standardwaffen wie Pistole, Gewehr und Maschinenpistole kann man sich im Spiel eines Scharfschützengewehrs mit Zieloptik, diversen herumstehenden aufgepflanzten deutschen MGs, eines leichten Maschinengewehrs und Eier- sowie Stielhandgranaten und eines zwar genretypischen, aber wenig realistischen Schrotgewehrs bedienen. In einer Mission darf man gar mit einem geklauten deutschen Panzer und einem Jeep mit aufgepflanztem .50er durch die Gegend fahren. Andere Fahrzeuge können nicht bestiegen werden, was dem Spielwitz aber keinen Abbruch tut.

Die Grafik ist zwar qualitativ durch den Einsatz der Quake 3 Engine an manchen Stellen etwas angestaubt, doch deren Detailreichtum und die Umgebungseffekte und die sehr gute musikalische und geräuschmäßige Untermalung sorgen insgesamt für ein sehr gutes Spielerlebnis. Gerade in den Missionen, bei denen es darauf ankommt, möglichst unerkannt zu sein, ist die Spannung bis zum Äußersten gereizt, wenn man unterwegs durch den Wald oder die mittelalterliche Stadt einen deutschen schwerbewaffneten Posten entdeckt. Damit man sich in den teilweise riesigen Karten nicht allzu sehr verläuft, ist ein Kompass eingeblendet, der durch zwei Markierungen ergänzt wurde, die immer weiter zusammenrücken, je näher man am Ziel ist.

Screenshot #4
Screenshot #4
Auch die aktiongeladenen Szenen wie beispielsweise der Häuserkampf in einer zerstörten französischen Kleinstadt mit Scharfschützen, eingegrabenen Geschützen, Panzerabwehrwaffen und Geröllbergen sowie teilweise zusammengefallenen Gebäuden sorgt dafür, dass man sich wirklich wie in einem Kriegsfilm fühlt, nur dass man die Hand diesmal nicht an der Fernbedienung, sondern am Abzug hat.

Screenshot #5
Screenshot #5
Weniger realistisch und sehr quakemäßig sind hingegen die Missionen, die in unterirdischen Anlagen spielen. Hier arten die deutschen Truppen in Monsterhorden aus, die unablässig und ohne Verstand und Rücksicht auf die eigenen Verluste immer wieder auf die gleiche stupide Art angreifen. Ansonsten agiert die Gegner-KI recht intelligent, indem beispielsweise die Soldaten in Deckung gehen und angreifen, wenn der Spieler nachlädt und sich durch die dazugehörigen Geräusche verrät. Letztlich ist das Gehabe jedoch leicht zu durchschauen und lässt sich zum eigenen Vorteil nutzen. Lediglich die gegnerischen Scharfschützen sind gerade in den Städten so gut verborgen, dass man oft nur durch Probieren (und viele Speicherpunkte) deren Position herausbekommt.

Die ausnahmslos computergesteuerten Teamkameraden, die durch ihre schiere Feuerkraft zwar manchmal von Nutzen sind, glänzen jedoch nicht gerade durch ihre Zielgenauigkeit oder ihren Taktikverstand. Hier wünscht man sich, doch manchmal eine Eingriffs- bzw. Kommandomöglichkeiten zu haben. Im Multiplayermodus, der ebenfalls mitgeliefert wird, ist dies natürlich alles ganz anders, obwohl viele Spieler schmerzlich erfahren müssen, dass Schlachten Teamsache sind und Einzelgängertum ebenso wenig von Erfolg gekrönt wird wie die Missachtung von Anweisungen von Gruppenführern.

Fazit:
Medal of Honor: Allied Assault macht Spaß. Es ist keine auf Realismus bedachte Simulation, sondern ein ausgereifter First Person Shooter, der durch das mitlaufende Team und die hervorragende Stimmung, die durch die Kombination von detailbesessener Grafik und vor allem durch eine fantastische Geräuschkulisse aufgepeppt wird. Der Schwiergkeitsgrad der einzelnen Stufen ist ausgeglichen, auch wenn die "Hard"-Variante nur mit einer gehörigen Portion Zielwasser und viel Geduld zu bestehen ist.

Für anhaltenden Spielspaß sorgt nicht nur der Multiplayermodus, bei dem natürlich eine anhaltende Motivation alleine schon daraus entwächst, dass man es mit realen Gegnern und nicht einer mehr oder weniger computerisierten Gegnerschaft zu tun hat. Durch die Grafikengine und die Struktur des Games ist natürlich auch hier wieder eine eifrige Mod-Community daran, nicht nur die Optik des Spiels zu erweitern und neue Uniformen und Karten zu erstellen, sondern praktisch das Spiel umzukrempeln und beispielsweise die Rollen umzudrehen oder gleich das ganze Szenario in den amerikanischen Bürgerkrieg zu übersetzen und das Spiel nur noch als Basis zu verwenden. Eine Anlaufstelle für diese kostenlos herunterladbaren Erweiterungen stellt beispielsweise mods.mohmatch.com/ oder das deutsche www.mohaa.de dar.  (ad)


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