Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0203/18866.html    Veröffentlicht: 16.03.2002 11:51    Kurz-URL: https://glm.io/18866

AMDs Hammer - 40 % schneller als Athlon XP?

Fertiger ClawHammer auf der CeBIT 2002 hinter geschlossenen Türen gezeigt

Auf der CeBIT 2002 zeigt AMD abseits der Öffentlichkeit der Presse seinen kommenden Prozessor Hammer mit fertigem 1er-Stepping. Über Taktraten wollte der Hersteller zwar noch nicht reden, betonte aber, dass der gegen Ende des Jahres erscheinende ClawHammer den Athlon XP bei gleicher Taktrate um 20 bis 40 Prozent überflügeln würde.

Bei 32-Bit-Applikationen soll der für anspruchsvolle Endanwender gedachte ClawHammer etwa 20 bis 25 Prozent schneller sein als der Athlon XP. Wenn 64-Bit-Software (x86-64) genutzt werde, würde der Vorsprung um weitere 15 Prozent auf 35 bis 40 Prozent steigen, da dann die erweiterten Befehlssätze voll genutzt werden können.

Im Gegensatz zum Athlon XP integriert der ClawHammer die Speicherverwaltung nicht im Chipsatz, sondern direkt auf dem Prozessor und nutzt eine HyperTransport-Pipeline zur Kommunikation mit der Southbridge. Da der ClawHammer noch mehr Instruktionen pro Taktzyklus ausführt als der Athlon XP, will AMD sein Quantispeed-Rating beibehalten. Die Taktfrequenz wird laut AMD-Sprecher Jan Gütter immer unwichtiger und verpasst dem Taktratenkönig Intel damit einen Seitenhieb.

Die Hitzeentwicklung des Prozessors soll dabei "nicht schlimmer", sondern eher geringer sein als die des Athlon XP. Insbesondere durch die Fertigung in 0,13-Mikron- und Silicon-on-Insulator-Bauweise soll sich die Hitzeentwicklung in Grenzen halten - temperatursenkende Stromsparmechanismen wird es auch im ClawHammer nicht geben, dafür aber wenigstens eine Temperatursonde im Chip, die bei fatalen Hitzewallungen die Notbremse ziehen und so den Hammer vor Schäden bewahren soll.

Während der ClawHammer für Desktop-Rechner mit einem Prozessor gedacht ist, werden seine im ersten Halbjahr 2003 erscheinenden Brüder ClawHammer DP und SledgeHammer MP in Servern/Workstations mit zwei respektive acht Prozessoren ihre Arbeit verrichten. Der SledgeHammer MP bietet eine deutlich höhere Bandbreite, da er im Gegensatz zum ClawHammer/ClawHammer DP nicht über einen, sondern gleich drei HyperTransport-Schnittstellen zu anderen Komponenten verfügt. Darüber hinaus spricht er den Speicher über eine 128-Bit- anstatt eine 64-Bit-Schnittstelle an. Etwas später wird dann doch noch ein Hammer-Prozessor mit Stromspartechnik folgen, da er für den Einsatz in Notebooks gedacht ist.

Preislich soll ClawHammer anfangs merklich über dem Athlon XP liegen, auf lange Sicht werden die Preise jedoch sinken und die Hammer-Architektur den Vorgänger ablösen. Der Athlon XP hat jedoch noch lange nicht ausgespielt, denn die Vorteile des x86-64-Bit-Code bleiben der Hammer-Architektur unter dem 32-Bit-Betriebssystem Windows XP verwehrt; nur unter einem 64-Bit-Betriebssystem wie der speziellen x86-64-Bit-Version der SuSE Linux Distribution kann AMDs Hammer gleichzeitig 32- und 64-Bit-Code in getrennten Programmen ausführen. Man darf gespannt sein, ob Microsoft eine spezielle Windows-Version für Hammer anbieten wird, um nicht hinter Linux zurückzufallen.

Kommentar: Intel dürften AMDs dröhnende Hammerschläge einige Sorgen bereiten, wird doch das Schlaginstrument sowohl für den Consumer- als auch den Profi-Markt geschmiedet. Bis zum Ende des Jahres ist es allerdings noch eine Weile hin, so dass man gespannt sein darf, ob Intel nicht seinerseits etwas in der Hinterhand hat. Bei AMD sieht man das gelassen, denn wenn Intel nun ebenfalls mit einem 64-Bit-Prozessor auf den Markt käme, der kompatibel zur x86-PC-Plattform ist, sähe man sich in der gewählten Strategie bestätigt. Auf der CeBIT 2002 hat AMD auf Grund des innovativen Konzepts bereits den Chip CeBIT-Oskar in der Kategorie Hardware für den Hammer gewinnen können.  (ck)


© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/