Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0203/18765.html    Veröffentlicht: 13.03.2002 11:00    Kurz-URL: https://glm.io/18765

Test: Xbox - Konsole jetzt auch in Deutschland erhältlich

Erster Teil unseres Xbox-Specials

Einmal mehr mussten sich europäische Spielefans deutlich länger gedulden als die amerikanischen und japanischen Zocker, um in den Genuss eines neuen Entertainment-Systems zu kommen. Ab dem 14. März ist die Xbox von Microsoft nun aber auch hier zu Lande erhältlich. Ob der Kauf lohnt, verrät unser Test.

Als das erste Mal bekannt wurde, dass sich das Redmonder Unternehmen nun auch auf dem Gebiet der Spielekonsolen versuchen will, reichten die Reaktionen von freudiger Erwartung bis hin zu ungläubigem Kopfschütteln. Das Videospielsegment gilt schließlich nicht umsonst als einer der schwierigsten und am härtesten umkämpften Märkte, was durch den Rückzug des einstigen Giganten Sega aus der Hardware-Produktion ein Mal mehr offensichtlich wurde. Kaum eine Frage wurde in den letzten Monaten nun leidenschaftlicher diskutiert als die, ob Microsoft den Platzhirschen Nintendo und Sony ernsthaft Konkurrenz machen könnte.

In den USA jedenfalls ging die Rechnung bisher auf: Die dort für 299,- US-Dollar erhältliche Konsole konnte beim Verkaufsstart den etwa zeitgleich erschienenen GameCube von Nintendo, was Verkaufszahlen angeht, hinter sich lassen, und auch die Spieleverkäufe waren mehr als beachtlich, im Schnitt wurden mit jeder Konsole beinahe 3,5 Spiele verkauft, die höchste bisher je zum Launch einer Konsole erreichte Titelzahl. In Japan hingegen - wo man ausländischen Videospielsystemen ganz offensichtlich eher skeptisch gegenübersteht - war der Verkaufsstart nicht ganz so erfolgreich, zumal sich auch Meldungen über eventuelle Fehlfunktionen, wie ein Zerkratzen der eingelegten DVDs, in den letzten Tagen häuften.

In den nächsten Tagen wird sich nun zeigen, wie der europäische Markt auf die Einführung der ersten Konsole aus dem Hause Bill Gates reagiert. Wer als erfahrener Konsolenspieler die Xbox erwirbt, wird sich dabei schon rein äußerlich auf eine neue Erfahrung einstellen müssen - das Gerät ist nicht nur deutlich größer als die Konkurrenz aus dem Hause Nintendo und Sony, sondern auf Grund der enthaltenen Hardware auch um einiges schwerer.

Herzstück des Gerätes ist ein mit 733 MHz getakteter Intel-Prozessor - rein von der Rechenleistung her verfügt Microsoft somit über eine schnellere CPU als die Konkurrenten Nintendo und Sony.

Der mit 250 MHz getaktete Grafikchip von Nvidia vermag Ähnliches zu leisten wie die aktuelle GeForce-3-Generation im PC, zudem verfügt die Konsole über einen 64 MByte großen Arbeitsspeicher mit einer Bandbreite von 6,4 GByte pro Sekunde. Die Ethernet-Schnittstelle soll in Zukunft Online-Spiele über eine schnelle Breitband-Verbindung ermöglichen, die knapp 10 Gbyte große Festplatte erlaubt hingegen das Anlegen von Spielständen, ohne dass Memory-Cards dazugekauft werden müssen.

Zwar ist die Xbox mit einem DVD-Laufwerk ausgestattet, von Hause aus ist sie im Gegensatz zur PlayStation 2 allerdings nicht in der Lage, Spielfilme abzuspielen - dafür muss zusätzlich eine knapp 50 Euro teure Fernbedienung erworben werden. Vier Controller-Ports erlauben den Anschluss mehrerer Gamepads oder anderer Eingabegeräte wie etwa Lenkräder, in der Grundausstattung ist allerdings nur ein Pad enthalten.

Das Pad allerdings gehört mit zum Besten, was bisher an Steuergeräten auf den Markt gekommen ist. Zwar liegt es durch seine doch beachtliche Größe und das nicht zu unterschätzende Gewicht ein wenig schwer in der Hand, die vielfältigen Steuerungsmöglichkeiten mit Hilfe von zwei Analog- und einem Digital-Stick, sechs drucksensitive Tasten und zwei Trigger lassen aber auch komplexeste Manöver nach einiger Einarbeitungszeit zu. Witzig ist zudem, dass auch die Sticks selber noch einmal drucksensitiv sind, in einem Spiel wie Halo etwa kann man somit mit dem Steuerkreuz nicht nur die Richtung, sondern druch Drücken des Sticks nach unten auch die Zoomweite bestimmen. Über zwei an der Rückseite des Pads befindliche Slots können zusätzliche Erweiterungen wie etwa Memory-Cards angeschlossen werden.

Die Xbox ist beim Betrieb angenehm leise - im Vergleich etwa zur PlayStation 2 verhält sich das Laufwerk deutlich ruhiger. Dafür vernimmt man allerdings hin und wieder das bisher nur vom PC bekannte Zugriffsgeräusch auf die Festplatte, das aber ebenfalls derart leise ist, dass es kaum störend auffällt. Die Festplatte bietet mit mehr als 50.000 Speicherblöcken immens viel Platz für das Anlegen von Spielständen, das nervige und bei aktiven Spielern ständig auf Grund von Überfüllung nötige Löschen von Spielständen auf der Memory-Card gehört hier also der Vergangenheit an. Natürlich sind trotzdem auch bereits zum Verkaufsstart der Konsole Memory-Cards erhältlich, wer also etwa Spielstände von der eigenen Konsole zu einem anderen Gerät transportieren will, kann dies auch problemlos tun.

Rein von der technischen Seite kann die Xbox also überzeugen, die solide Verarbeitung tut ein Übriges dazu, den positiven Gesamteindruck zu stärken. Allerdings wird zumindest zu Beginn der Markteinführung davon auszugehen sein, dass die Verkaufszahlen überschaubar bleiben - der Verkaufspreis von 479,- Euro dürfte nämlich viele spielebegeisterte User abschrecken, zumal die - zugegeben technisch deutlich schwächere - PlayStation 2 für etwa 299,- Euro erhältlich ist. Im morgigen zweiten Teil unserer Xbox-Serie wird sich Boris Schneider-Johne, PR Manager PC Games und Xbox bei Microsoft Deutschland, unter anderem zum von vielen Usern heftig kritisierten Verkaufspreis äußern.

Zudem ist natürlich die Hardware nur die eine Seite der Medaille - die technisch beste Konsole nützt nur wenig, wenn nicht entsprechende Spiele da sind, die die Fähigkeiten der Hardware auch auszunutzen wissen. Microsoft kann zum Start der Xbox auf ein Line-Up von fast 20 Titeln verweisen, darunter mit Spannung erwartete Titel wie der Ego-Shooter Halo oder das Prügelspiel Dead Or Alive 3. Im dritten Teil des Xbox-Specials am Freitag wird ein Test der ersten Xbox-Software darüber informieren, was von den ersten Spielen zu halten ist.  (tw)


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