Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0203/18672.html    Veröffentlicht: 08.03.2002 09:08    Kurz-URL: https://glm.io/18672

Bluetooth sicherer als Wireless LAN?

Michael Wall, Bluetooth-Experte bei Frost & Sullivan

Nachdem Bluetooth 2001 quasi schon totgesagt war, ist die Technologie nun mit den Themen Sicherheit und Interoperabilität zu neuem Leben erwacht. Dass Sicherheitsfragen an Bedeutung gewinnen, sei nur eine Frage der Zeit angesichts der Tatsache, dass Bluetooth über Handys, PDAs und Notebooks von Mitarbeitern bald in die Unternehmen einziehen wird. Zum aktuellen Interesse hat nach Michael Wall, Bluetooth-Experte bei Frost & Sullivan, beigetragen, dass das Wired Equivalent Protocol (WEP) geknackt wurde und sich bei Wireless LAN Sicherheitslücken zeigen.

"Dank ziemlich robuster Sicherheitsmerkmale ist die Situation bei Bluetooth günstiger als bei Wireless LAN", kommentierte Michael Wall, Bluetooth-Experte bei Frost & Sullivan. "Zwar bleiben einzelne Schwachpunkte, aber für die meisten Nutzer dürfte Bluetooth genügend Sicherheitsoptionen und -merkmale bieten, vor allem dann, wenn auch sonst angemessen für Datensicherheit gesorgt wird. Natürlich können bei der Übertragung hochsensibler Daten zusätzliche Maßnahmen erforderlich werden. Hierfür bieten aber Firmen wie Pocit Labs und Red-M Lösungen an."

Größere Probleme könnte die Frage der Interoperabilität bereiten, da Geräte aus der Zeit vor der Einführung der Spezifikation 1.1 verschiedenen Firmware-Spezifikationen entsprechen. In manchen Fällen kann ein Software-Download Abhilfe schaffen, andere Geräte werden sich aber nicht mehr einsetzen lassen. Freilich dürfte sich dieses Problem relativ schnell von selbst erledigen, weil vor 1.1 nur geringe Stückzahlen ausgeliefert wurden, so Wall.

Schwerer wiegt im Blick auf Interoperabilität die Vielfalt der Bluetooth-Profile. Mittlerweile gibt es über 60 dieser anwendungsspezifischen Konfigurationen von Protokollen für die verschiedenen Bluetooth-Funktionen. Theoretisch kann ein Gerät zwar sämtliche Protokolle unterstützen, aber das ist kaum praktikabel und sehr teuer. In der Praxis werden also nur die Protokolle unterstützt, die der Gerätefunktion am besten entsprechen. Damit wäre bei Anwendungen, die von einem der kommunizierenden Geräte nicht unterstützt werden, keine Interoperabilität gewährleistet, meinte Wall.

Zur Lösung des Problems ist laut Wall eine aktivere Rolle der Bluetooth-SIG und ein gemeinsames Vorgehen von Entwicklern, Herstellern und Handel erforderlich. Der Vorschlag aus dem Jahr 2000, Kompatibilität mit bestimmten Spezifikationen und Profilen durch einen Farbcode anzuzeigen, wurde nicht umgesetzt. Nun gäbe es neue Initiativen aus dem Handel für eine einheitliche Markierung, so der Analyst.

"Das Thema Interoperabilität sollte aber auch nicht dramatisiert werden", so Wall. Alle Bluetooth-Geräte werden die wichtigsten Protokolle wie TCP/IP und OBEX (object exchange) unterstützen. "Schwierigkeiten dürften nur dort auftreten, wo Geräte mit sehr unterschiedlichen Funktionen über Bluetooth kommunizieren sollen. Wenn sich Spezifikation und Profile etabliert haben, wird die Frage der Interoperabilität wieder an Bedeutung verlieren."  (ad)


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