Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0202/18540.html    Veröffentlicht: 28.02.2002 18:15    Kurz-URL: https://glm.io/18540

Angetestet: Dark Age of Camelot - Fantasy-Onlinerollenspiel

Atmosphärisches 3D-Onlinespiel mit Herausforderungen für Anfänger und Profis

Das von Mythic Entertainment entwickelte Fantasy-Onlinerollenspiel "Dark Age of Camelot" (DAOC) ist seit Anfang Februar 2002 auch in Deutschland erhältlich und erfreut sich großer Beliebtheit. Die Welt des EverQuest-Konkurrenten ist in der Mythologie angesiedelt - nach dem Tode von König Artus kämpfen die Spieler um die Herrschaft der Königreiche Albion, Hibernia oder Midgard.

Dark Age of Camelot
Dark Age of Camelot
Während die Spieler anfangs noch mehr mit der eigenen Entwicklung, dem Erforschen des Landes, dem Lösen von Questen oder dem Bekämpfen von mythischen Monsterhorden beschäftigt sind, warten in höheren Erfahrungsstufen die eigentlichen Aufgaben: Die Verteidigung eines der drei Heimatreiche und das Expandieren ins Grenzland. Dort treffen schließlich die in Gilden versammelten Spieler aufeinander und es entbrennen Schlachten um Burgen - zum Teil mit mehreren hundert Spielercharakteren, die versuchen einzudringen bzw. die Stellung zu halten. Auch die in anderen Systemen oft gehassten Player-Killer kommen so in bestimmten Zonen auf ihre Kosten. In DAOC sollen jedoch nicht nur kriegerische Naturen eine Chance haben, da man sich auch als Händler oder Handwerker durchs Leben schlagen kann.

Den Spielern stehen in den drei Königreichen insgesamt zwölf verschiedene humanoide Völker zur Verfügung. In Albion sind es hauptsächlich Menschen: die Bretonen, Avalonier, Sarazenen und Highländer. In Hibernia stehen Elfen, Kelten, Firbolg (Kreuzung aus Riese und Mensch) und Lurikeen (kleine Fabelwesen) zur Verfügung. In Midgard schließlich gibt es Nordmänner, Zwerge, Trolle und Kobolde, in deren Haut man schlüpfen kann. In jedem der Königreiche gibt es ähnliche Berufsklassen, die gewählt werden können, vom bodenständigen Krieger über den Heiler bis hin zum Magier. Zur Auswahl stehen auch solche Professionen, deren Handwerk eher das heimliche Agieren ist - sie können auch bei der Burgeroberung gute Dienste leisten.

Screenshot #1
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Hat man sich für eines der Reiche, eine Volksgruppe, das Aussehen, die Attribute eines Charakters und eine Startklasse entschieden, kann es losgehen. Erst nachdem man einige Erfahrungspunkte gesammelt und einen passenden Ausbilder besucht hat, kann man seinen endgültigen Beruf wählen. Jede neu erreichte Stufe beschert einem Punkte, die auf Fertigkeiten verteilt werden können. Je höher diese Fertigkeiten gehen, umso mehr Sprüche oder Aktionen stehen einem zum Agieren - beispielsweise im Kampf - zur Verfügung. Geld zum Ausrüsten und Erfahrungspunkte zum Aufsteigen werden entweder durch Aufgaben, Questen oder durch das Beseitigen von Monstern gewonnen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Beim Kämpfen hilft einem das Spiel etwas bei der Beurteilung der Chancen, damit man sich nicht mit zu heftigen - oder unterlegenen - Gegnern anlegt. Je stärker ein Gegner, umso mehr Erfahrungspunkte bringt er ein. Aus diesem Grunde schließen sich mehrere Abenteurer oft zusammen, um gemeinsam bessere Chancen gegen schwer zu besiegende Gegner zu haben. Die Gruppenzusammensetzung ist dabei von hoher Bedeutung; ohne einen Heiler sind die Überlebenschancen deutlich geringer. Beißt der eigene Held doch mal ins virtuelle Gras, so erwacht er geschwächt und mit etwas weniger Erfahrungspunkten an dem Runenstein, an den er sich das letzte Mal in einem der größeren Siedlungen gebunden hat. Ein Teil der verlorenen Erfahrungspunkte erlangt man durch Beten an der mit Grabstein verzierten Stelle, an der man das Zeitliche gesegnet hat.

Um den eigenen Charakter durch die recht belebte und gelungen gestaltete 3D-Welt von Dark Age of Camelot zu bewegen, ist eine Kombination aus Tastatur- und Maus-Steuerung vonnöten. So gibt es zahlreiche Textkommandos, die die Aktionen des eigenen Charakters steuern. Das reicht von der Gefühlsdarstellung bis hin zu Gruppen- oder Gildenbefehlen. Vieles kann auch per Makro auf einen Button bzw. eine Taste gelegt werden, so dass man sich viel Tipparbeit spart - in brenzligen Situationen sicher keine schlechte Idee. Beispielsweise kann man sich mittels eines Makros per Mausklick immer dem gerade attackierten Gegner zuwenden und diesem folgen. Für Anfänger ist das noch nicht ganz ausgereifte, aber sehr mächtig wirkende Steuersystem des Spiels nicht leicht zu verstehen, es empfiehlt sich deshalb das Handbuch und die Tastaturbelegung zu studieren.

Screenshot #3
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Wenig Tipparbeit sparen kann bzw. sollte man beim Chatten mit den Mitspielern, schließlich lebt das Rollenspiel erst durch die Kommunikation auf. Da in DAOC sowohl kampflustige Actionspieler als auch auf Atmosphäre bedachte Rollenspieler zusammentreffen, gelingt das allerdings nicht immer, was jedoch nicht dem Spiel anzurechnen ist. Mitunter könnte das Spiel durch etwas wortgewaltigere Nichtspielercharaktere verbessert werden - gerade Händler, Schmiede und sonstige vom Computer gesteuerte Anlaufstellen für den Erwerb von Ausrüstungsgegenständen sind meist verbal auf das Kaufen und Verkaufen reduziert.

Auf grafischer Seite bietet DAOC zwar nichts extravagantes, überzeugt jedoch durch gut gestaltete Kreaturen, Gebäude und ausgedehnte Landschaften. So reist man durch schneeverwehte Berge, düstere Wälder und helle Wiesen. Der Spieler kann dabei verschiedene Perspektiven zur Betrachtung der Umgebung wählen. Spaß kommt dabei auch schon auf langsameren Pentium-III-Rechnern mit Grafikkarten auf GeForce2-MX-Niveau auf. Falls der Rechner bei größerem Bildschirm-Getümmel insbesondere in Verbindung mit Kämpfen zu stark gefordert wird, ist es möglich, die Effekte abzuschalten.

Screenshot #4
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Der Hersteller Mythic Entertainment arbeitet bereits an einer neuen Grafik-Engine für das Spiel: Man darf gespannt sein, was für Änderungen diese mit sich bringt. Bei den Soundeffekten und der Musikuntermalung gibt es ebenfalls nichts zu beanstanden. Eine Sprachausgabe gibt es auf Grund des chatlastigen Spiels nicht.

Derzeit gibt es eine Hand voll Server für deutschsprachige Spieler, auf denen sich jeweils 3500 Spieler gleichzeitig tummeln können. Da seit Anfang Februar bereits über 35.000 Spiele verkauft wurden, sind die Server streckenweise überlaufen und lassen Spieler erst nach mehreren Versuchen ins Spiel. Zum Teil führt das große Interesse auch zu Netzüberlastungen, die den Spielfluss hemmen und in Kämpfen verheerend sein können. Der europäische Publisher des Spiels, das französische Unternehmen Wanadoo, hat jedoch versprochen, den Ausbau entsprechend der Registrierungen voranzutreiben. Die europäischen Server werden von GOA für Wanadoo betrieben.

Screenshot #5
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Dark Age of Camelot kostet 35,- Euro, der erste Monat ist kostenfrei. Ab dem zweiten Monat muss man monatlich 10,- Euro berappen. Wer für drei Monate im Voraus zahlt spart 3,- Euro, bei halbjährlicher Zahlung 10,- Euro. Das entspricht in etwa den Kosten, die auch bei Konkurrenten wie Everquest und Ultima Online anfallen. Allerdings hat Dark Age of Camelot den großen Vorteil, dass die Abrechnung nicht nur über Visa-, Eurocard- und Mastercard-Kreditkarten erfolgt, sondern auch das Lastschriftverfahren unterstützt wird.

Kommentar:
Mit Mythic Entertainments "Dark Age of Camelot" hat Wanadoo ein gelungenes und spielenswertes Onlinerollenspiel auf den europäischen Markt geholt. Atmosphäre, Grafik und Spielspaß können einen lange in den Bann ziehen, erfahrene Spielefans werden vor allem die Möglichkeit, eigene Gilden zu bilden und strategische Spieler-gegen-Spieler-Kämpfe in den höheren Spielstufen durchzuführen, zu schätzen wissen. Der Erfolg des Onlinespiels hat jedoch auch Schattenseiten: Die Server sind teils überlastet, was sich aber in den nächsten Wochen bessern soll.  (ck)


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