Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0201/17906.html    Veröffentlicht: 23.01.2002 11:09    Kurz-URL: https://glm.io/17906

Keine Gefängnisstrafe für verteiltes Rechnen

Ex-System-Administrator McOwen muss Uni 2100 US-Dollar Entschädigung zahlen

Als David McOwen, damals System-Administrator des DeKalb Technical College, 1998 auf den Schulrechnern einen Distributed-Computing-Client von distributed.net installierte, ahnte er noch nicht, dass ihn die Schulleitung Anfang 2002 dafür verklagen und 400.000 US-Dollar Schadensersatz fordern würde. McOwen hat nun ein Angebot des Staats Georgia angenommen - eine Gefängnisstrafe bleibt ihm damit ebenso erspart wie eine exorbitant hohe Schadensersatzsumme.

Anstelle der Schadensersatzsumme von 400.000 US-Dollar, welche die Anklage aus der "unautorisierten, kriminellen" Nutzung der Schulcomputer mit einem Wert von 59 US-Cent/Sekunde errechnete, muss McOwen nun eine Entschädigung von 2100 US-Dollar an die Schule entrichten. Außerdem muss er 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, die nichts mit Computern zu tun haben dürfen. Obwohl er mindestens ein Jahr auf Bewährung ist, wird er nicht als vorbestraft geführt.

"Im Grunde hätte David niemals strafrechtlich verfolgt werden dürfen, aber wir sind froh, dass der Staat sich entschlossen hat, dies zu beenden", erklärte Senior Staff Attorney Lee Tien von der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF). "Dies ist ein sehr gutes Ergebnis für David. Er hätte sehr wahrscheinlich gewonnen, wenn der Prozess vor Gericht gegangen wäre, aber Gerichtsverfahren kosten Geld und man weiß nie was passieren wird."

Laut Tien drehte sich der Prozess hauptsächlich darum, ob die Installation des Distributed.net-Client rechtmäßig war oder nicht. Laut dem Georgia "Computer Tresspass Statute" mache man sich nur strafbar, wenn die Person einen Computer oder ein Netzwerk in dem Wissen verwendet, dass die Nutzung unerlaubt ist. "Soweit ich es sagen kann, hätte der Staat es schwer gehabt, ohne Zweifel behaupten zu können, dass David wusste, dass er nicht autorisiert war, die Software zu installieren", so Tien. "Ich kann mir nicht helfen, aber ich fühle, dass der Staat mit dieser Vereinbarung sein Gesicht wahren wollte."

Da Distributed Computing bzw. "verteiltes Rechnen" mittlerweile ein wichtiges wissenschaftliches Werkzeug geworden ist, welches die ungenutzte Rechenleistung von zahlreichen vernetzten Computern nutzt und damit Großrechnerleistung erreicht, dürfte der Fall McOwen nicht der letzte dieser Art sein.

Für McOwen hat der Fall laut EFF berufliche Folgen gehabt, denn er hätte damals auf Grund der Drohungen der Schule seine Stelle aufgegeben und wäre im August 2001 auf Grund der schlechten Publicity um den Fall von Cingular Wireless entlassen worden. Unterstützung fand McOwen durch die EFF, aber auch durch FreeMcOwen.com und MachineThoughts.com. Letztere sammelten Geld für die Verteidigung.  (ck)


© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/