Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0201/17879.html    Veröffentlicht: 22.01.2002 10:16    Kurz-URL: https://glm.io/17879

KaZaA.com verkauft - Client-Downloads wieder möglich

Sharman erwirbt KaZaA und verschärft Nutzungsbedingungen

Das australische Unternehmen Sharman Networks Limited hat nach eigenen Angaben Teile des Betriebsvermögens der niederländischen Firma KaZaA übernommen, darunter die Website KaZaA.com. Die Übernahmedetails wurden nicht mitgeteilt.

Erst in der letzten Woche hatte KaZaA BV den Download der Filesharing-Software KaZaA Media Desktop unterbunden, um potenzielle Schadenersatzansprüche seitens der klagenden niederländischen Verwertungsgesellschaft für Musik und Texte zu minimieren.

Seit gestern steht die Software auf KaZaA.com wieder zum Download bereit - auf einer deutlich geschrumpften Website in Verbindung mit neuen Nutzungsbedingungen. Diese verbieten hauptsächlich die Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Materialien und erlauben KaZaA, über die Transaktionen seiner Mitglieder Buch zu führen und die Daten auf Anforderung von Gerichten oder Rechteinhabern, die sich in diesen verletzt sehen, Auskunft zu geben. Außerdem wird schon einmal vorsorglich darauf hingewiesen, dass bestimmte Funktionen des Media Desktop in Zukunft Geld kosten könnten und dann im Voraus abgerechnet würden. Welche Funktionen dies sind und ob hier versucht wird, ein Napster-Abo-Modell zu imitieren, wurde noch nicht bekannt.

Der von KaZaA vertriebene Media Desktop stellt eine Peer-to-Peer-File-Sharing-Software dar, die neben den üblichen Such- und Downloadfunktionen erlaubt, die heruntergeladenen Werke zu sortieren und abzuspielen. KaZaA setzt die Peer-to- Peer-Technologie "P2P Stack" des niederländischen Softwareanbieters FastTrack ein, ebenso wie die Filesharing-Gemeinschaften Consumer Empowerment, Grokster und MusicCity, deren Nutzer damit auch über die verschiedenen Filesharing-Angebote hinweg tauschen können. Gegen Consumer Empowerment, Grokster und MusicCity reichten 29 der größten Medienunternehmen eine Sammelklage ein.

KaZaA BV will mit dem verbleibendem Betriebsvermögen an bislang nicht weiter beschriebenen Projekten weiterarbeiten.

Kommentar:
Nachdem es den Download der Clientsoftware wieder gibt und der Eigentümer gewechselt hat, bleibt die Frage, was man, wenn man sich an die Regeln hält, mit der Software überhaupt noch tauschen darf, als höchstens die eigenen Urlaubsfotos und -Videos sowie selbst aufgenommene und frei komponierte Musikstücke. Ob der Betreiber tatsächlich glaubt, dass sich alle an die proklamierten Regeln halten, darf bezweifelt werden und eher als Schutzschild gegenüber den Gerichten dienen, die in Filesharinganbietern in der Vergangenheit oft Komplizen von Urheberrechtsverletzern gesehen haben. Ob es sich die Anwender von KaZaa jedoch gefallen lassen wollen, im Falle des Falles verpfiffen zu werden, darf spätestens nach den ersten Haussuchungen und Anklagen bezweifelt werden.  (ad)


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