Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0201/17864.html    Veröffentlicht: 22.01.2002 11:07    Kurz-URL: https://glm.io/17864

Test: Corels Freistellungssoftware KnockOut 2

Maskierungswerkzeug KnockOut 2 jetzt als Photoshop-Plug-In realisiert

Bereits Ende Oktober stellte Corel die neue Version KnockOut 2 für die Windows- und MacOS-Plattform in New York vor. Nun erschien hier zu Lande die deutsche Fassung der Maskierungssoftware und erweitert damit die procreate-Reihe von Corel um ein Tool für Grafikprofis, die häufig Objekte vom Hintergrund isolieren müssen.

KnockOut 2
KnockOut 2
Wer oft komplexe Elemente aus Fotos heraustrennen muss, hat häufig dasselbe Problem. Feine Details wie Haare oder halbtransparente Objekte wie Schatten und Rauch lassen sich nur sehr mühsam freistellen, was zudem viel Zeit und Nerven kostet. Mit KnockOut 2 lassen sich solche Arbeiten schneller und leichter oder teilweise überhaupt erst realisieren.

Mit einem Lasso und anderen bekannten Auswahlwerkzeugen zieht man dafür eine so genannte Innenobjekt-Auswahllinie innerhalb der Grenzen des zu maskierenden Objekts auf. Lässt es die Form des freizustellenden Objekts zu, erstellt KnockOut 2 eine zweite so genannte Außenobjetk-Auswahllinie außerhalb des Objekts automatisch auf Knopfdruck. Ansonsten muss der Anwender mit denselben Werkzeugen diese Außenlinie manuell anlegen.

Aus dem so eingeschlossenen Bereich errechnet KnockOut 2 eine Maske, die das Objekt vom Hintergrund löst. Das Ergebnis kann sofort begutachtet und mit dem Original verglichen werden. Stimmt das Resultat nicht, geht man bis zu 99 Arbeitsschritte zurück und lässt die Maske mit anderen Einstellungen neu berechnen. Um die Maske im Detail zu bearbeiten, bestimmt der Anwender unter der Lupe mit dem so genannten Reißnagel einige Farbpixel, die zusätzlich transparent werden sollen. So lassen sich sehr schnell Rauch, Insektenflügel oder schütteres Haar freistellen.

KnockOut 2: Schwierige Objekte brauchen manuelle Korrekturen
KnockOut 2: Schwierige Objekte brauchen manuelle Korrekturen
freigestellt
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Wenn das Ergebnis zusagt, gibt KnockOut das freigestellte Objekt als Ebene an die ursprüngliche Anwendung zurück, wobei die Maske nicht mit übertragen wird. Man verliert also die Informationen des Ausgangsmaterials. Hier wäre eine Umsetzung als Ebenenmaske besser gewesen, denn so könnte ohne Datenverlust die Maske noch weiter bearbeitet werden. Sollte man den Hintergrund oder die Maske für weitere Schritte brauchen, kann KnockOut die Maske als separaten Alphakanal speichern.

Weitere Neuerungen sind unter anderem eine neue Eigenschaften-Leiste, die den Status des aktuellen Werkzeugs zeigt und dessen Veränderung erlaubt. Die Retuschewerkzeuge Radierer und Pinsel gestatten nachträglich eine Bearbeitung der Maske. Dabei weisen sowohl der Retuschepinsel als auch der Radierer zu wenige Einstellmöglichkeiten auf. Zudem bleiben die Undo-Funktionen hier wirkungslos, was die Bearbeitung erschwert, wenn man sich mal "vermalt". Ärgerlich auch, dass KnockOut 2 immer wieder mit den gleichen Voreinstellungen arbeitet, also die gleiche Pinsel- und Radiergummi-Größe verwendet. Auch eine Veränderung des Arbeitshintergrundes merkt sich KnockOut 2 nicht, sondern wählt immer wieder den gleichen Hintergrund. Als weitere Neuheit lassen sich Fotos nun direkt im CMYK-Modus bearbeiten, wodurch die Umwandlung in RGB entfällt.

Gute Vorlage mit automatischem Innenobjekt - schnell und einfach
Gute Vorlage mit automatischem Innenobjekt - schnell und einfach
freigestellt
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Sehr gute Wirkung erzielt KnockOut 2 bei Fotos, die bereits gute Voraussetzungen zum Freistellen mitbringen. Dazu zählen Kontraste in der Helligkeit, Farbe oder Tiefenschärfe. Fehlen all diese Kontraste und möchte man eine Person etwa mit schwarzen Haaren vor dunklem Hintergrund freistellen, stößt auch KnockOut 2 an seine Grenzen. Außerdem sollte die Bildauflösung möglichst hoch sein. Bei komprimiertem Bildmaterial erreicht KnockOut 2 keine besonders guten Ergebnisse. Allerdings kann das Resultat immer noch besser sein als mit anderen Maskierungswerkzeugen, so dass KnockOut 2 insgesamt eine Hilfe sein kann.

Mit der aktuellen Version ist KnockOut erstmals ein Plug-In, das sich nahtlos in den Arbeitsablauf von Photoshop und dazu kompatible Bildbearbeitungssoftware wie Corels Painter7, Photo-Paint oder dem günstigeren Paintshop Pro von Jasc einfügt. Dabei erscheint es aber immer noch als eigenständiges Programm, weil man nicht in der Umgebung der Grafiksoftware bleibt, sondern KnockOut 2 die zu bearbeitende Ebene übernimmt und Photoshop ausblendet, so dass es über die Taskleiste oder dem äquivalenten Macintosh-Finder nicht mehr zu erreichen ist.

Links das Original, rechts freigestellt mit halbtransparentem Objekt
Links das Original, rechts freigestellt mit halbtransparentem Objekt
KnockOut 2 verlangt mindestens Windows 98 respektive MacOS 8.6, funktioniert aber auch mit den aktuellen Betriebssystem-Versionen Windows XP und MacOS X. Auf Letzteres wurde die Software speziell zugeschnitten und unterstützt die neue Aqua-Oberfläche. KnockOut 2 soll deutlich weniger Arbeitsspeicher als die Vorversion beanspruchen, doch ist es immerhin noch das Dreifache des zu bearbeitenden Bildes, was bei professioneller Arbeit schnell über 100 MByte Speicherbedarf bedeuten kann.

Das deutschsprachige KnockOut 2 aus der procreate-Reihe von Corel ist ab sofort für die Windows- und Mac-Plattform zum Preis von 399,- Euro erhältlich. Upgrades von einer beliebigen Vorversion von KnockOut bietet Corel zum Preis von knapp 169,- Euro an.

Fazit:
Der Hauptaufgabenbereich von KnockOut 2 liegt im Freistellen von organischen Strukturen wie Haaren, Flügeln, Rauch und Ähnlichem. Wer in Anbetracht solcher Aufgaben bislang einen Schockanfall bekam, will mit KnockOut 2 nur noch solch aufwendige Objekte freistellen. Damit die Arbeit mit KnockOut 2 aber zügig vorangehen kann, benötigt man möglichst hochauflösendes Bildmaterial, weil die Software bei unzureichender Bildqualität schnell an ihre Grenzen stößt. Stimmt die Art und Qualität der Vorlage, ist KnockOut 2 für den professionellen Anwender eine unschätzbare Hilfe. Obwohl die Bedienung intuitiv ist, hat sie leider ein paar Eigenheiten, an die man sich erst gewöhnen muss.  (ip)


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