Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0201/17689.html    Veröffentlicht: 09.01.2002 14:54    Kurz-URL: https://glm.io/17689

Zeitung: Philips hält CD-Kopierschutz für Totgeburt

Philips: Kopiergeschützte CDs verstoßen eindeutig gegen CD-Standard

In einem Zeitungsbericht der Financial Times Deutschland äußert sich Philips, der Erfinder der Audio-CD, skeptisch zu dem jüngst von der Musikindustrie eingeführten CD-Kopierschutz. Philips geht davon aus, dass ein solcher Kopierschutz keine Zukunft habe, da sich bereits jetzt zahlreiche Kundenbeschwerden beim Abspielen entsprechender CDs häufen würden.

Gegenüber der Financial Times Deutschland (FTD) betont Philips, dass man als Inhaber der weltweiten CD-Patente sogar die Hersteller von kopiergeschützten CDs verklagen könne. Denn solche Musik-Scheiben verstoßen eindeutig gegen den CD-Standard, so Philips. Der Philips-Sprecher Klaus Petri spitzt das gegenüber der FTD folgendermaßen zu: "Das sind Silberscheiben mit Musik drauf, die CDs ähneln, aber keine sind." Philips hält eine Klage dennoch für überflüssig. "Der Konsument wird die Sache selbst in die Hand nehmen, so dass der Markt das schneller regeln kann als die Gerichte", so der Philips-Sprecher weiter.

Die Musikindustrie schätzt, dass bereits mehrere Millionen kopiergeschützter Audio-CDs auf dem Markt seien. Mit dem Kopierschutz will die Musikindustrie das Brennen von Audio-CDs verhindern, worin die Musikbranche den Grund für einen Umsatzrückgang von über zehn Prozent im vergangenen Jahr sieht. Der Kopierschutz auf den Audio-CDs soll das Abspielen auf dem Heim-PC verhindern, verursacht in der Praxis aber auch vielfach Probleme auf normalen HiFi-CD-Playern und besonders bei mobilen Audio-Geräten und DVD-Playern. Hierin sieht Philips das große Problem: "Man hat mit diesen CDs nicht mehr die Sicherheit, dass sie auf allen Geräten abgespielt werden können", kritisiert Klaus Petri. Daher müsste der Kopierschutz eigentlich Wiedergabeschutz heißen.

Der Kopierschutz trifft nach Ansicht von Philips ohnehin die Falschen. Denn Freaks wüssten schon jetzt, mit welchen Mitteln ein Kopierschutz zu umgehen sei, so dass es den normalen Verbraucher trifft, der seine gekaufte Musik-CD einfach nur abspielen will. Gegenüber der FTD fasst der Philips-Sprecher das so zusammen: "Das führt zu der völlig absurden Situation, dass eigentlich erst kopiert werden muss, damit die Musik überall abspielbar ist."

Klaus Petri geht davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis in Deutschland der Protest gegen derart veränderte Audio-CDs ansteige, dass diese aus dem Verkehr gezogen würden. In Großbritannien scheiterte kürzlich der Versuch, Musik-CDs mit einem Kopierschutz zu versehen. Wie Philips berichtet, haben sich die Händler geweigert, kopiergeschützte CDs zu verkaufen, weil es massenhaft Reklamationen gegeben habe.  (ip)


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