Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0201/17634.html    Veröffentlicht: 08.01.2002 09:15    Kurz-URL: https://glm.io/17634

Studie: Videokonferenzen für Firmen immer interessanter

Europamarkt für Videokonferenzsystem-Endgeräte beleuchtet

Nach den Terroranschlägen des 11. September in den USA überdenken viele Unternehmen ihre Reisepolitik und ersetzen persönliche Treffen zunehmend durch Kommunikation mit Hilfe elektronischer Medien. Damit eröffnen sich dem Markt für Videokonferenzsysteme neue Perspektiven. Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan geht in einer neuen Analyse davon aus, dass die Umsätze mit Gruppen- und Desktopsystemen in Europa kräftig steigen: Im Jahr 2000 noch auf 164,1 Millionen US-Dollar beziffert, soll der Marktwert bis 2007 bereits bei 518,9 Millionen US-Dollar liegen.

Als weitere wichtige Wachstumsfaktoren werden Verbesserungen im technischen Bereich, die stark vereinfachte Handhabung der Geräte sowie sinkende Preise genannt. Dass auch die Hersteller von den guten Aussichten ihrer Branche überzeugt sind, zeigte sich erst kürzlich auf der TeleCon, der internationalen Fachmesse für Tele- und Videokonferenztechnik in Anaheim, USA.

Der ganz große Boom wird allerdings noch ein wenig auf sich warten lassen: "Videoconferencing über IP (Internet Protocol)" lautet das Schlagwort. Melville Wallace, Research Analyst bei Frost & Sullivan, rechnet damit, dass Videokonferenzen ab 2004 über IP-Netze laufen und sich damit zur Standardanwendung entwickeln werden. "In der Zwischenzeit dürfen die Anbieter allerdings ihre ISDN-basierten Systeme nicht vernachlässigen, denn noch beherrscht ISDN den Markt", warnte Wallace.

Als weitere Schlüsseltrends identifiziert die Studie die zunehmende Dominanz der Set-Top-Boxen gegenüber Stand-alone-Codecs und Rollabout-Systemen, die zunehmende Qualität der Anwendungen und Preisrückgänge in allen Produktmärkten.

Die Nachfrage konzentriert sich derzeit hauptsächlich auf größere Firmen, und dort werden die Systeme fast ausschließlich in der Führungsebene genutzt. Bis zum Ende des Prognosezeitraums im Jahr 2007 wird sich diese Situation jedoch verändert haben, da sich immer mehr kleine und mittlere Unternehmen für entsprechende Anwendungen interessieren. Gleichzeitig werden sich Videokonferenzen im Firmenalltag durchsetzen und dabei auch in niedrigere Hierarchiestufen vordringen.

Was die Ländermärkte betrifft, ist in Großbritannien, Frankreich und Deutschland mit der größten Nachfrage zu rechnen. In Osteuropa wird sich das Wachstum im Zusammenhang mit der verstärkten Migration in Richtung IP-basierter Videokonferenzprodukte entwickeln.

Im Hinblick auf die Wettbewerbssituation hat sich in den letzten 18 Monaten einiges getan: Übernahmen, Zusammenschlüsse, Umstrukturierungen und die Einführung neuer Markennamen haben das Marktbild drastisch verändert. Erwähnenswert ist hier vor allem die Übernahme von PictureTel durch Polycom, durch die der Konzern inzwischen mit Abstand den größten Marktanteil in Europa für sich beanspruchen kann. Branchenbeobachter warten gespannt ab, wie sich der Zusammenschluss der beiden vormaligen Erzrivalen noch weiter auf den Gesamtmarkt auswirken wird. Zu den nennenswerten Aktivitäten zählt laut Frost & Sullivan außerdem die Übernahme von Accord durch Polycom, die zur Bildung des ersten Unternehmens führte, das End-zu-End-Lösungen anbieten kann. Dies deutet möglicherweise auf eine fortschreitende Marktreife hin und verdeutlicht gleichzeitig die Notwendigkeit zur Kooperation. Neben Polycom und PictureTel hielt im Jahr 2000 Tandberg einen signifikanten Marktanteil. Auch 2001 hat Tandberg mit starken Quartalszuwächsen demonstriert, dass die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage durchaus auch Chancen birgt. Als weitere wichtige Akteure nennt die Studie VCON, Sony, Aethra und VTEL.

Wer sich zukünftig im Markt behaupten will, muss laut Frost & Sullivan schnell reagieren und langfristig denken. "Fallstudien und Mundpropaganda werden dazu beitragen, dass sich die Technologie durchsetzt", meinte Wallace. "Das günstige Geschäftsklima wird die Nutzer dazu ermutigen, sich über verschiedene Alternativen zu informieren und die Systeme auch zu testen. Es wird also darum gehen, potenzielle Neukunden zu überzeugen und enttäuschten Altkunden die modernsten Systeme vorzustellen." Doch bestehe derzeit ein gewisses Risiko, dass im Bemühen der Anbieter um technische Fortschritte und innovative Produktmerkmale die Kunden auf der Strecke bleiben. Ein intelligentes Marketing sei daher absolut erfolgsentscheidend, schließt die Studie, die den Titel "Frost & Sullivan's Analysis Of The European Enterprise Videoconferencing Endpoints Market" trägt und für 5.000,- Euro bei Frost & Sullivan erhältlich ist.  (ad)


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Links zum Artikel:
Frost & Sullivan (.com): http://www.frost.com

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