Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0111/16933.html    Veröffentlicht: 15.11.2001 10:55    Kurz-URL: https://glm.io/16933

Die Xbox ist da

Spielekonsole von Microsoft ab sofort in den USA erhältlich

Der schon seit langem beschworene Dreikampf zwischen Sony, Nintendo und Microsoft geht in den USA jetzt in die heiße Phase: Ab heute kann man die Xbox in den Vereinigten Staaten offiziell erwerben. Ob Microsoft mit diesem Gerät allerdings wirklich an der Vormachstellung der japanischen Konkurrenten kratzen kann, bleibt abzuwarten.

Natürlich gab man sich allergrößte Mühe, die Markteinführung so spektakulär wie möglich zu gestalten: In New York wurde der Times Square mit unzähligen, blinkenden Xbox-Logos verziert, mehrere spektakuläre Promotions-Veranstaltungen wie etwa ein 48-Stunden-Spielemarathon sollten zudem die Nachfrage nach dem neuen Gerät schüren. In Deutschland muss man zwar noch bis März nächsten Jahres auf die Konsole warten, ein Blick auf die technischen Details und die zum Start erhältlichen Spiele lohnt aber bereits jetzt:

Die Technik
Die Spiele
Die Zukunft



Die Technik
Die technischen Spezifikationen der Xbox wurden seit der Ankündigung der Konsole mehrmals verändert, erst in den letzten Monaten kristallisierte sich die finale Ausstattung heraus, die nun auch zum Kauf bereitsteht. Herzstück des Gerätes ist ein mit 733 MHz getakteter Intel-Prozessor - rein von der Rechenleistung her verfügt Microsoft somit über eine schnellere CPU als die Konkurrenten Nintendo und Sony.

Der mit 250 MHz getaktete Grafikchip von NVidia vermag Ähnliches zu leisten wie die aktuelle GeForce-3-Generation im PC, zudem verfügt die Konsole über einen 64 Mbyte großen Arbeitsspeicher mit einer Bandbreite von 6,4 GByte pro Sekunde. Die Ethernet-Schnittstelle soll in Zukunft Online-Spiele über eine schnelle Breitband-Verbindung ermöglichen, die knapp 10 Gbyte große Festplatte erlaubt hingegen das Anlegen von Spielständen, ohne dass Memory-Cards dazugekauft werden müssen.

Zwar ist die Xbox mit einem DVD-Laufwerk ausgestattet, von Hause aus wird sie allerdings nicht in der Lage sein, Spielfilme abzuspielen - dafür muss zusätzlich eine knapp 100 DM teure Fernbedienung erworben werden. Vier Controller-Ports erlauben den Anschluss mehrerer Gamepads oder anderer Eingabegeräte wie etwa Lenkräder, in der Grundausstattung ist allerdings nur ein Pad enthalten.

Das Pad verfügt über zwei Analog-Sticks, einen eingebauten Rüttelmechanismus, sechs drucksensitive Tasten und zwei Trigger. Zudem können über einen eingebauten Slot Memory-Cards und andere Peripherie-Gerät angeschlossen werden.

Die Spiele

Knapp 20 Spiele sollen zum Verkaufsstart der Xbox erhältlich sein - deutlich mehr als die fünf bis sieben Titel, die Nintendo zum US-Launch des Gamecube am 18. November zu bieten hat. Allerdings dürfte die Qualität und Einzigartigkeit der Titel weitaus entscheidender sein als die Masse, und wie so oft beim Start einer Konsole sind die Highlights für die Xbox noch recht rar gesät.

Halo
Halo
Die größten Hoffnungen sind dabei natürlich mit dem schon seit Monaten ausführlich angekündigten Halo verbunden. Das Science-Fiction-Actionspiel, in dem man es mit einer Reihe unterschiedlicher Aliens und anderen Gegnern zu tun bekommt, konnte im Vorfeld vor allem durch die beeindruckenden Grafiken von sich reden machen. Zu Fuß, in unterschiedlichen Fahrzeugen und ausgestattet mit einer Reihe verschiedener Waffen stellt man sich der Aufgabe, den Covenant zu vernichten und so die Menschheit zu retten.

Halo
Halo
Microsoft hatte sich den Unmut der Spieler zugezogen als bekannt wurde, dass die geplante PC-Version von Halo nicht wie zunächst angekündigt zeitgleich mit der Xbox-Variante, sondern erst deutlich später in den Handel kommen wird. Bei einem Blick auf Halo wird allerdings auch schnell deutlich, wieso Microsoft diese Entscheidung getroffen hat: Zwar sieht Halo wirklich gut aus und scheint auch spielerisch überzeugen zu können, derartige Optiken sind aber auch auf dem PC, etwa mit einer GeForce 3, problemlos realisierbar. Zudem ist anzunehmen, dass man bei dem an Ego-Shooter angelehnten Gameplay die Steuerung per Maus und Tatstatur komfortabler möglich gewesen wäre als es nun mit dem Gamepad der Fall ist. Wäre die PC-Version zeitgleich erschienen, hätten sich wohl nicht wenige Spieler gegen die Xbox-Variante und somit auch gegen die Konsole entschieden.

Oddworld
Oddworld
Oddworld: Munch's Odysee hingegen bietet Konsolen-Entertainment in Reinform: Die Fortsetzung der schon auf der PlayStation zu Ruhm gelangten Jump&Run-Reihe brilliert nun auch auf der Xbox mit einer Reihe innovativer Ideen und kunterbunter Optik. Hinzu kommen noch eine Reihe weiterer unterhaltsamer aber wenig spektakulärer Spiele wie etwa der Football-Titel NFL Fever 2002 oder das futuristische Rennspiel Project Gotham Racing.

Die Zukunft:
Die Xbox wird in den USA zum Preis von 299,- US-Dollar verkauft und ist damit genauso teuer wie die PlayStation 2 bei ihrer Markteinführung, liegt allerdings 100,- US-Dollar über dem fast zeitgleich erscheinenden Gamecube. Dennoch dürfte der Verkaufspreis in den USA nicht eine derart entscheidende Rolle spielen wie etwa in Deutschland, wo die Konsole zum für viele unverständlich hohen Preis von 479,- Euro (knapp 940,- DM) über die Theke gehen soll.

Bill Gates mit Xbox
Bill Gates mit Xbox
Microsoft wird aber auch in den USA mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen haben: Im Gegensatz zu Nintendo und Sony kann sich der Redmonder Gigant nicht auf eine bereits existierende, treue Fangemeinde verlassen, die gleich zu Beginn für gute Abverkäufe sorgt. Microsoft bewegt sich hier auf einem für das Unternehmen völlig neuen Markt und wird die sicheren Anfangsverluste auch bereits einkalkuliert haben. Die zuletzt von Analysten geäußerten Vermutungen, Microsoft würde eine Milliarde US-Dollar Verlust machen, bevor der Break-Even erreicht sei, scheinen durchaus realistisch zu sein.

Die technischen Details der Xbox sind zweifellos beeindruckend, die gute Technik allein verkauft allerdings noch keine Geräte - das musste etwa ein Hersteller wie Sega bereits schmerzlich feststellen. Um Kunden dazu zu bewegen, sich neben ihren anderen Systemen auch noch die Xbox zuzulegen oder gleich von vorneherein nur auf das Microsoft-Gerät zu setzen, sind einzigartige Spiele nötig, und die lassen noch auf sich warten, auch wenn etwa mit Halo oder Oddworld: Munch's Odysee bereits gelungene Titel im Angebot sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Konsole in der Grundausstattung im Gegensatz zur PlayStation 2 nicht in der Lage ist, DVDs abzuspielen. Die zusätzlichen Kosten, die für das DVD-Kit anfallen, werden eventuell einige Käufer abschrecken. Und zu guter Letzt muss auch noch darauf hingewiesen werden, dass die USA für Microsoft noch der einfachste Markt sind: In Japan zweifelt man derzeit noch, ob es Microsoft gelingen wird, die landesspezifischen Interessen mit Spielen zu befriedigen. In Europa, wo die Konsole am 14. März erscheinen soll, steht dem Erfolg möglicherweise der schon angesprochene sehr hohe Verkaufspreis entgegen. Erste weitere Informationen wird man erst dann haben, wenn fest steht, wie viel Geräte Microsoft gerade auch im Vergleich zu Nintendo bis Weihnachten in den USA absetzen konnte.  (tw)


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