Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0110/16657.html    Veröffentlicht: 31.10.2001 09:43    Kurz-URL: https://glm.io/16657

Musikfan klagt wegen CD-Kopierschutz gegen BMG

Verletzung von § 263 StGB, § 263a StGB und § 53 Abs. 1 UrhG?

Die Bertelsmann Music Group (BMG) vertreibt derzeit einige Musik-CDs, die mit einem Kopierschutz versehen sind, der das digitale Kopieren von CDs verhindern soll. Nun hat ein Mann aus Nordrhein-Westfalen den Musikkonzern angezeigt, weil dieser seiner Meinung nach nicht auf der Verpackung der CD darauf hingewiesen habe, dass sich die CD-Compilation "Just the Best" nicht auf PC-CD-Laufwerken abspielen, geschweige denn mit CD-Brennern eine Kopie anfertigen lässt.

Nach Ansicht des Mannes habe sich BMG deshalb des Betrugs, Computerbetrugs und der Verletzung des Urheberrechts schuldig gemacht. Betrug sei es, weil der CD die Kennzeichnung fehle, dass das Speichermedium nicht auf PCs abspielbar sei.

Er gehe davon aus, dass eine Audio-CD auch auf dem Computer nutzbar sei - es sei völlig unüblich, das dies nicht möglich sei. Er fühlt sich demnach arglistig getäuscht. Zudem sei es ihm nach dem deutschen Urheberrecht erlaubt, Privatkopien der von ihm erworbenen Datenträger anzufertigen - doch von diesem "Recht" könne er durch den Kopierschutz keinen Gebrauch machen.

Den Computerbetrug begründet er mit einer vorsätzlichen Veränderung bzw. Fälschung der Daten auf der CD, so dass diese von den gebräuchlichen Standards abweicht. Hierzu werden Daten auf der CD softwaremäßig gefälscht, so dass vorsätzlich erzeugte Fehler auf der CD vorhanden sind.

Hintergrund:

Manche mit einem Kopierschutz versehenen Audio-CDs tragen den Vermerk, dass sie nicht auf einem PC abspielbar sind. Einige Plattenlabels scheuen sich aber, kopiergeschützte CDs mit einem solchen Hinweis zu versehen. Die Branche will mit dem Kopierschutz vor allem das einfache Kopieren am PC verhindern.

Die meisten großen Plattenfirmen, aber auch kleinere Labels werden laut Süddeutscher Zeitung alle neuen CDs mit einem entsprechenden Kopierschutz auf den Markt bringen. Lediglich Sony Music hält sich derzeit noch zurück. Die neuen CDs von Zomba Records enthalten hingegen nach Angaben der Zeitung schon seit Anfang Juli einen Kopierschutz. Nach einer Studie der GfK wurden von April 2000 bis März 2001 133 Millionen CD-Rs/CD-RWs mit Musik bespielt - weitaus mehr als der Absatz bespielter Tonträger im ersten Halbjahr 2001. 14,6 Prozent der 13,7 Millionen Nutzer von CD-Brennern gaben an, weniger Tonträger gekauft zu haben.  (ad)


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