Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0110/16590.html    Veröffentlicht: 26.10.2001 13:31    Kurz-URL: https://glm.io/16590

Spieletest: AquaNox - Hit oder Luftblase?

Action-Spiel von Massive seit kurzem erhältlich

Kein anderes aus Deutschland kommendes Spiel beschäftigte Presse und Spieler in letzter Zeit wohl so sehr wie das von Massive entwickelte und von Fishtank Interactive veröffentlichte AquaNox. In zahlreichen Previews wurde der Titel bereits mit Vorschusslorbeeren in rauen Mengen überschüttet - ein wenig zu früh, wie die fertige Version jetzt zeigt.

Denn Massive gelingt es leider, die anfängliche Euphorie, die nach all den Vorankündigungen und den unzähligen Verschiebungen des Titels beinahe bis ins Unermessliche gesteigert wurde, schnell wieder auf ein sehr niedriges Maß zurückzuholen. Schuld daran ist die einfallslose und unschöne Präsentation außerhalb des Kampfplatzes, die angesichts der vorab gezeigten Grafik-Demos doch für verwundertes Augenreiben sorgt.

Screenshot #1
Screenshot #1
Die Hintergrundgeschichte wird nicht, wie man es hätte erwarten können, in aus der Game-Engine erzeugten Zwischensequenzen erzählt, sondern schlicht und ergreifend mit etwas affektierter Sprachausgabe vorgetragen - der Bildschirm zeigt dabei nur statische Gesichter der jeweils redenden Charaktere. Das wäre halb so schlimm, wenn diese Sequenzen nur selten den Spielfluss unterbrechen würden, leider verbringt man aber einen Großteil der Spielzeit mit dem Anhören unendlich lang erscheinender Gespräche, die man, zu allem Überfluss, oftmals inhaltlich noch nicht einmal versteht.

Screenshot #2
Screenshot #2
Die Story strotzt nämlich derart vor verwirrenden Details und zusammenhanglos erscheinenden Vorkommnissen, dass man es schon bald aufgibt zu versuchen, die Zusammenhänge zu verstehen. Wer den Vorgänger Schleichfahrt nicht kennt, wird zudem einige inhaltliche Anspielungen von Hauptcharakter Emerald Dead Eye Flint und den anderen, die Wasseroberfläche im Jahr 2667 bevölkernden Personen nicht verstehen und somit noch weniger Zugang zur Story finden.

Screenshot #3
Screenshot #3
Nach all der Kritik muss allerdings fairerweise gesagt werden, dass das eigentliche Gameplay action-hungrige Seeleute kaum enttäuschen dürfte: In bester Ego-Shooter-Manier ballert man sich durch wunderschöne Unterwasser-Landschaften, unzählige grandiose und auf GeForce-Karten optimierte Effekte wie Explosionen zählen zum grafisch Beeindruckendsten, was das Action-Genre bisher zu bieten hatte. Die eigens von Massive entwickelte krass-Engine vermag hier wirklich Großes zu leisten. Allerdings sollte auch der eigene Rechner zu Großem in der Lage sein - eine Hightech-Ausstattung mit schneller GeForce-Grafikkarte, viel RAM und einem aktuellen Pentium IV oder Athlon-System ist Voraussetzung für eine flüssige Grafikpracht. AquaNox wurde speziell auf GeForce3- bzw. DirectX-8-Grafikkarten getrimmt, weswegen NVidia das Spiel auch als GeForce3-Referenzspiel lobt.

Screenshot #4
Screenshot #4
Neben dem etwas enttäuschenden Einzelspieler-Modus, der an der schon erwähnten Langatmigkeit der Story leidet, können sich vor allem die Mehrspieler-Optionen hervortun. Zwar sind die Modi wie Dogfight, Deathmatch oder Capture The Flag hinlänglich bekannt, allerdings durfte man sie bisher noch nie in derart faszinierender Umgebung und ausgestattet mit aufrüstbaren Schiffen mit diversen Bewaffnungsmöglichkeiten erleben. Als Steuerinstrument empfiehlt sich die Kombination aus Maus und Tastatur, um die vollständige Bewegungsfreiheit auch optimal in den Griff zu bekommen.

Fazit:
Die Tatsache, dass AquaNox nicht für vollkommene Begeisterung sorgt, ist vor allem auf die lange Entwicklungszeit und damit verbunden auf die hohen Erwartungen an Massive zurückzuführen - die vielen Jahre Arbeit am Spiel hätten auch außerhalb des Action-Getümmels für eine vorzeigbare Präsentation sorgen sollen. So bleibt unterm Strich ein vorzügliches Unterwasser-Actionspiel mit ausgezeichneter 3D-Grafik und einfacher Bedienbarkeit, aber gleichzeitig auch deutlichen Mängeln in der Story.  (tw)


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Links zum Artikel:
Fishtank Interactive: http://www.fishtankgames.de
Massive Development: http://www.massive.de

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