Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0109/15777.html    Veröffentlicht: 10.09.2001 11:13    Kurz-URL: https://glm.io/15777

Intel und VIA steigen in den Ring

Kontrahenten versuchen die Auslieferung ihrer Pentium-4-Chipsätze zu verhindern

Am Freitag, dem 7. September hat Intel beim Bezirksgericht Delaware Klage gegen VIA Technologies und dessen Tochter S3 Graphics eingereicht, da es für VIAs neuen Pentium-4-Chipsatz Apollo P4X266 noch keine Lizenzvereinbarungen gebe und dieser demnach Intel-Patente verletzt. VIA hat heute mit einem Antrag auf einstweilige Verfügung gegen Intel-Produkte und weitere Klagen geantwortet.

Laut Intel verletzen VIA und S3 Graphics insgesamt fünf Patente mit dem Pentium-4-Chipsatz Apollo P4X266, der im Gegensatz zu Intels neuem Chipsatz i845 (Brookdale) nicht nur SDRAM, sondern auch das schnellere DDR-SDRAM unterstützt. Mit anderen Herstellern wie ALi und SiS sind bereits erfolgreich Lizenzvereinbarungen bez. Pentium-4-Chipsätzen abgeschlossen worden. Lediglich mit VIA konnte man sich bei Verhandlungen nicht über einen Preis einigen, so dass VIA auf fertigen Chips sitzt.

Nun hat VIA zum Gegenschlag ausgeholt, um seinerseits Intel an der Auslieferung des bereits seit kurzem in PCs zu findendem Chipsatz i845 zu hindern. Auf Grund von "Verletzungen von VIA-Patenten durch Intel-Prozessoren und Chipsätze" versucht das Unternehmen nun in den USA und Taiwan einstweilige Verfügungen zum Lieferstopp von Intel-Produkten zu erwirken. Entsprechende Anträge seien bereits eingereicht, heißt es in einer Pressemitteilung.

"Intel hat keine Lizenz von VIA für den P4-Prozessor oder den i845-Chipsatz erhalten. Die erhobenen Anklagen sollen die Verletzung von VIA-Produkten durch diese Produkte verhindern", so Richard Brown, Director of Marketing, VIA Technologies.

Man habe zudem Beschwerde gegen "illegales, wettbewerbswidriges Verhalten" seitens Intel bei der Taiwan Fair Trade Commission eingelegt, so VIA. Intel habe den Versuch unternommen, die reibungslose Markteinführung von VIAs Pentium-4-Chipsatz zu verhindern. Außerdem eröffnet VIA heute in Taiwan einen weiteren Prozess gegen Intel, allerdings mehr auf Grund von begangenen Kindereien: Intel-Mitarbeiter sollen auf der taiwanesischen Fachmesse Computex im Juni 2001 Werbe-Luftballons zerstochen und Fähnchen abgerissen habe, die VIA in einer Halle platziert hatte. VIA zufolge habe Intel dafür bereits von der Messeleitung eine Rüge bekommen, nun geht das Ganze jedoch vor Gericht, da Schadensersatz geleistet werden soll.

Ob die gegenseitigen Klagen und einstweiligen Verfügungen die Lizenzverhandlungen zwischen beiden Unternehmen beschleunigen werden, bleibt abzuwarten.  (ck)


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