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Nach Akku-Explosion

Experte warnt vor Laden von E-Bike-Akkus in der Wohnung

Immer wieder kommt es zu gefährlichen Bränden und Explosionen durch E-Bike- und E-Scooter-Akkus. Nicht immer passiert das beim Laden der Batterie.

Nach einem Akkubrand mit zwei Verletzten und hohem Sachschaden warnen Brandexperten vor dem Laden von E-Bikes innerhalb der Wohnung. "Viele sehen die Gefahr nicht oder sind sich der Gefahr nicht bewusst", sagte der Kreisbrandmeister des Landkreises Ravensburg, Oliver Surbeck, der Nachrichtenagentur dpa. Am 16. November 2020 war in einer Wohnung in Bad Waldsee der Akku eines Pedelecs explodiert. Ein 38 Jahre alter Bewohner und seine 41 Jahre alte Frau wurden leicht verletzt. Ein Brand war die Folge, ein Fenster ging zu Bruch, eine Tür wurde aus dem Schloss gerissen und ein Rollladen nach außen gedrückt.

Zu solchen Vorfällen kommt es nach Auskunft von Surbeck immer wieder. Wenn beim Laden in der Wohnung etwas passiere, müsse die Feuerwehr jedoch nicht nur den Brand bekämpfen, sondern oft auch Menschen retten. E-Bikes oder Pedelecs sollten daher in der Garage oder im Keller geladen werden.

Allerdings können beschädigte Akkus auch dann eine Gefahr darstellen, wenn sie nicht aufgeladen werden. Das war wenige Tage zuvor im nordrhein-westfälischen Lengerich der Fall. Einem Bericht des WDR zufolge hatte ein Ehepaar am 6. November 2020 zunächst einen dumpfen Knall aus dem Esszimmer gehört und festgestellt, dass der E-Bike-Akku Ursache für das Geräusch gewesen war. Der Akku war den Angaben der Bewohner zufolge nicht an ein Ladegerät angeschlossen.

Heftige Druckwelle bei Explosion

Nachdem der Akku zu qualmen begonnen hatte, legte ihn der Mann in die Badewanne und verließ mit seiner Frau vorsichtshalber die Wohnung. Kurz danach kam es zur Explosion. Durch die Druckwelle wurde die Tür samt Rahmen aus der Wand gerissen und flog auf den Flur. Das Paar erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung.

Während die Polizei in Ravensburg den Schaden mit 25.000 Euro bezifferte, soll er in Lengerich bei 200.000 Euro liegen. Die Wohnung sei nicht mehr bewohnbar.

Nach Angaben von Kreisbrandmeister Surbeck kann es auch schwierig sein, den Akku in der Tiefgarage zu laden. In der Garagenverordnung des Landes Baden-Württemberg sei das nicht sauber geregelt. Vor dem Gebrauch der akkubetriebenen Geräte sollten die Menschen auf jeden Fall nachschauen, ob das Gerät beschädigt sei, etwa durch einen Sturz. Es sei auch wichtig, die Gebrauchsanweisung zu lesen und ernst zu nehmen.



Hoverboards und E-Scooter ebenfalls betroffen

Zu Akkubränden kommt es immer wieder. So brannte 2017 ein Parkhaus in Hannover, weil zuvor in einem Fahrradladen im Haus ein Elektrofahrradakku in Brand geraten war. Bei einem Wohnungsbrand durch einen E-Scooter-Akku in München wurden im September 2019 zehn Personen verletzt.

Die Akkus in einigen Hoverboards scheinen ebenfalls instabil zu sein. Häuser in Australien, New York und Kalifornien gerieten dadurch bereits in Brand, in Texas und Washington gab es Vorfälle in Einkaufszentren. In Großbritannien brannten Weihnachten in einigen Wohnzimmern nicht nur Kerzen.

Mittlerweile gibt es daher als Brandschutzmaßnahme Sicherheitsbeutel für Pedelec-Akkus. Eine massive Rauchentwicklung können die Beutel auch nicht verhindern, wohl aber offene Flammen, wie der Hersteller demonstriert>.

 (fg)


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