Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lg-oled48cx9lb-im-test-der-oled-fernseher-der-ein-120-hz-monitor-sein-will-2010-151793.html    Veröffentlicht: 29.10.2020 12:21    Kurz-URL: https://glm.io/151793

LG OLED48CX9LB im Test

Der OLED-Fernseher, der ein 120-Hz-Monitor sein will

LGs 48 Zoll großer 48CX9LB passt knapp auf den Tisch. Mit HDMI 2.1 und schnellem OLED stellt er sich als überraschend guter Monitor heraus.

Die Xbox Series X und die Playstation 5 stehen kurz vor ihrem Verkaufsstart. Beide Konsolen werden 4K-Auflösungen bei maximal 120 Hz unterstützen. Das gilt auch für Nvidias Ampere-Grafikkarten, die langsam ihren Weg in Heim-PCs finden. Möglich macht das HDMI 2.1.

Doch wie sieht es mit passenden Bildschirmen aus? Schauen wir bei traditionellen Herstellern, werden wir erst ab dem nächsten Jahr fündig. Möglicherweise ist das ein Grund, warum LG den 48 Zoll großen OLED-Fernseher 48CX9LB prominent als Anzeige für Spiele bewirbt. Ob dieses Versprechen gehalten werden kann, haben wir in unserem Test des OLED-TV untersucht. Wir finden: Viele Ansätze sprechen dafür. Allerdings gibt es einige Makel, die teils auch dem TV-Ursprung des Gerätes entstammen.

Packen wir den Bildschirm aus, merken wir direkt: Für kleine Schreibtische ist ein 48-Zoll-Fernseher eigentlich zu groß. Als reinen Fernseher für das Wohnzimmer halten wir ihn hingegen für etwas zu klein. Gut also, dass LG das Modell auch in 55 bis 77 Zoll anbietet - für mehr Geld. An der Rückseite des Monitors sind das fest verbaute Netzkabel und insgesamt vier HDMI-2.1-Ports vorhanden, außerdem ein Netzwerkkabel- (RJ-45) sowie Kabel- oder Satellitenanschluss. Zudem gibt es drei USB-2.0-Anschlüsse und einen PCMCIA-Kartenslot. Soundsysteme werden per Kopfhörerklinke oder optischem Toslink-Kabel verbunden.



Es ist schade, dass LG keine 43 Zoll großen Versionen oder noch kleinere Modelle verkauft. Dass OLED gerade in Spielen anderen Techniken wie IPS (In-Plane-Switching), VA (Vertical Alignment) und TN (Twisted Nematic) teilweise überlegen ist, stellen wir nämlich später fest. Andererseits ist es rein wirtschaftlich verständlich, wenn das Unternehmen die eigene Monitorsparte nicht mit Fernsehern kannibalisieren will.

Für unseren Test verwenden wir eine Geforce RTX 3070 von Nvidia (Test). Die Ampere-GPU sollte mit den meisten Spielen in 4K und bei 120 Hz Bildfrequenz klarkommen. Außerdem wichtig: Wie der LG-TV unterstützt die GPU HDMI 2.1. So können wir das Bild in 120 Hz und in nativen 3.840 x 2.160 Pixeln genießen. Der Fernseher meldet allerdings auch eine unterstützte Auflösung von 4.096 x 2.160 Pixel, was nicht mehr ganz dem klassischen 16:9-Format entspricht. In beiden Auflösungen sind 120 Hz und 10 Bit Farbtiefe möglich.

Der 48CX9LB kann mittels des mitgelieferten starren Standfußes oder per Vesa-Mount installiert werden. Wir finden: Von vorn betrachtet kommen die dünnen Displayrahmen und das schicke Design gut zur Geltung. Auch steht der Fernseher solide und fest auf seinem recht großen Standfuß. Ein Kritikpunkt ist allerdings der große hintere Teil des Sockels, der mehrere Zentimeter herausragt. Die Folge ist, dass wir den Gaming-Monitor-Ersatz nicht komplett an die Tischkante stellen können. Das verstärkt den Platzmangel auf der Arbeitsplatte.



Nicht ganz Plug and Play

Nach der Inbetriebnahme stellen wir wieder einmal fest, wie farbenfroh und kontrastreich OLED-Panels sind. Der LG-Monitor bildet hier keine Ausnahme. Gerade beim Anschauen von Filmen und Serien kommen die hohen Schwarzwerte der OLED-Technik zur Geltung. Das können wir etwa in der Netflix-Serie Altered Carbon feststellen, die recht dunkel und kontrastreich gefilmt ist und durch neonfarbene Elemente im Cyberpunk-Stil Farben zur Geltung bringt.



Wenn wir den TV als Monitor nutzen möchten, müssen wir allerdings einige Einstellungen vornehmen. So ganz Plug and Play ist das Gerät daher nicht. Zuerst ist wichtig, diverse automatische Farb- und Helligkeitsregler im WebOS-Menü des Fernsehers abzuschalten. Es ist nämlich äußerst ablenkend, wenn sich die Bildwiedergabe während der Arbeit sichtbar verändert.

Selbst wenn wir Funktionen wie Helligkeits-AI, dynamischen Kontrast und die automatische Helligkeitsregelung abgeschaltet haben, verhält sich unser Testmuster in Verbindung mit Windows 10 etwas merkwürdig. So dunkelt sich das Display bei homogenen großen Weißflächen stark ab. Auch wenn wir etwa das Startmenü öffnen, ist bereits ein Unterschied in Helligkeit und Farbintensität wahrnehmbar. Das gilt immer dann, wenn unbewegliche Bilder angezeigt werden. In Spielen oder beim Anschauen von Serien ist ein automatisches Abdunkeln nicht oder kaum wahrnehmbar.

Wir konnten auch nach langem Ausprobieren nicht herausfinden, woran das liegt. Möglicherweise verbaut LG einen automatischen Burn-in-Schutz, der von den davor sitzenden Personen nicht verändert werden kann. Diese Funktion wird zumindest bei einigen anderen LG-Produkten verbaut. Der von uns getestete Alienware AW5220qf ist nicht durch diese Schutzfunktion aufgefallen, wird von Dell aber auch als dedizierter Monitor vertrieben.

Wir können den Burn-in-Schutz durchaus nachvollziehen, finden es aber trotzdem schade, dass es ohne zusätzliche Tools keine Möglichkeit gibt, diesen auszuschalten oder zumindest umzustellen. Ein Umweg ist es, statt des reaktionsschnelleren Spielmodus etwa den Filmmaker-Modus zu verwenden, der Post-Processing und Filter für die Wiedergabe von Filmen abschaltet. Dieser scheint die automatische Abdunklung nicht zu nutzen. Auch können wir das Panel auf einer wesentlich geringeren OLED-Helligkeit betreiben, sodass der Effekt weniger sichtbar wird.

Wir verlieren dann allerdings den Vorteil einer geringen Input-Latenz. Die Maus- und Tastatursteuerung fühlt sich dort eher schwammig an. Schnelle Spiele sind so für uns nicht denkbar.

Durch automatisches Dimming ist gerade eine professionelle Kalibrierung des Displays schwierig. Das Problem konnten wir auch in unserem Test feststellen, als wir das Gerät auf Farbgenauigkeit und Helligkeit gemessen haben. Hier eine feste individuelle Ausleuchtung einzustellen, ist nicht einfach. Stattdessen haben wir die Software Displaycal vor einem schwarzen Hintergrundbild laufen lassen, um eine möglichst hohe Ausleuchtung zu erzielen.

Die Helligkeit des Panels ist ausreichend gut, wenn auch nicht überragend. OLED ist gerade in Games aber wirklich überzeugend.

In Spielen ist OLED überlegen

Das Display leuchtet in 8 Bit SDR etwa 320 cd/m² hell. Schalten wir auf HDR um, dann sind es 402 cd/m². Der Fernseher ist also zu HDR400 kompatibel, allerdings sieht der Effekt nicht unbedingt überragend aus. Also nutzen wir den TV eigentlich nur in SDR, da Windows 10 im HDR-Modus Farben teils merkwürdig darstellt. 320 cd/m² sind für Innenräume ausreichend.

Wir können den TV auch problemlos auf einer OLED-Helligkeit von 80 Prozent oder weniger betreiben. Das schont die Dioden und vermindert das Risiko von Burn-in-Schäden auf lange Sicht. Im Filmmaker-Modus messen wir eine Ausleuchtung von 262 cd/m², was merklich weniger ist. Allerdings können wir dort auf eine konstante Helligkeit vertrauen - das ist beim Webbrowsing oder Schreiben von Texten ein Vorteil.

Wer einen Monitor für professionelle Bildbearbeitung sucht, ist hier allerdings falsch. Der TV zeigt die für OLED typischen Schwächen bei roten Farben, ist aber auch bei grünen Werten teils nicht ganz genau. Blaue Farben stellt das Gerät allerdings gut dar. Wir messen bei eingeschaltetem Spielemodus eine Farbabdeckung von 86,6 Prozent des SRGB-Raums. Das geht für Filme und Spiele in Ordnung, reicht aber bei Fotobearbeitung nicht mehr aus - abgesehen davon, dass statischer Content wie bereits erwähnt teilweise abgedunkelt wird.

Vermutlich hat LG speziell für den Zweck der Medienbearbeitung den Filmmaker-Modus in WebOS integriert. Dieses vorkonfigurierte Profil ist in unserem Test aber merkwürdigerweise ungenauer als der Spielemodus. Hier werden 68 Prozent des SRGB-Farbraums abgedeckt, größtenteils mit Schwächen bei Blauwerten und Rottönen. Die Farbgenauigkeit Delta E bleibt mit maximal 1,98 allerdings im grünen Bereich.

OLED für Spiele

Nach ein wenig Einstellungswirrwarr können wir uns von der Überlegenheit von OLED gerade in schnellen Spielen überzeugen. Das liegt schlicht an der enorm schnellen Schaltzeit von OLEDs und dem daraus resultierenden scharfen Bild. Selbst wenn wir in Counter-Strike Global Offensive schnelle Flickshots oder 180-Grad-Bewegungen vollführen, können wir stets gegnerische Figuren klar erkennen. Das sieht nicht nur gut aus, sondern hilft auch beim Zielen ungemein. Die enorme Größe des 48-Zoll-Panels ist dabei ebenfalls ein Vorteil, wenn wir selbst durch kleine Spalten Bewegungen wahrnehmen können, da einfach alles größer angezeigt wird.

In Strategiespielen wie Age of Empires 2 gilt hingegen, wie bei anderen großen 4K-Monitoren: Es ist ein enormer strategischer Vorteil, ohne großes Scrollen das gesamte Spielfeld oder die eigene Stadt überblicken zu können. Das gilt auch für andere Strategiespiele wie Total War: Warhammer 2 oder Civilization 6.

Besonders szenische Titel wie Microsoft Flight Simulator profitieren ebenfalls von der Größe des Panels. Flüge über Städte, Wälder und Ozeane sehen so noch einmal beeindruckender aus, vorausgesetzt, die eigene Hardware kann die 4K und 120 Hz erreichen.

Dass der TV zu Nvidia G-Sync (G-Sync compatible) und AMD Freesync kompatibel ist, zeugt weiterhin von der Qualität des Fernsehers als Gaming-Monitor. Auch können wir auf Wunsch eine Motion Blur Reduction (MBR) durch Black Frame Insertion einstellen. Schon auf mittleren Stufen wird das Panel allerdings unangenehm dunkel, bis es zudem sichtbar flackert. Die MBR ist sowieso nicht notwendig, da die Dioden wie erwähnt sehr schnell schalten und Ghosting oder Schlieren so gut wie nicht sichtbar sind.

Sinnvoll ist die Instant Game Response, welche die Eingabeverzögerung des Panels spürbar verringert. Das funktioniert in eigentlich allen von uns getesteten Games gut. Eine Ausnahme bildet Doom Eternal: Bei eingeschaltetem Feature flackerte der Bildschirm in regelmäßigen Abständen. Wo es geht, würden wir die Funktion allerdings einschalten, denn dadurch fühlt sich der Fernseher wirklich wie ein PC-Monitor an und erinnert an den dedizierten OLED-Monitor AW5520qf von Alienware.

Es würde uns enorm freuen, wenn es OLED-Panels in für Schreibtische besser geeignete kleinere Formfaktoren schaffen würden. Derzeit sind eigentlich nur große Fernseher oder meist zu kleine Notebooks, Smartphones und Tablets mit solchen Displays ausgestattet. Auch scheinen 120 Hz für OLED momentan noch die maximale Grenze zu sein. Stark kompetitiv ausgerichteten Gamern könnte das auf Dauer zu wenig sein, wenn sie auf LC-Displays mit teils absurd hohen 240 oder sogar 300 Hz schauen.

Leute, die sich lieber auf die Couch und vor eine Spielekonsole setzen, bekommen allerdings endlich einmal mehr als 60 Hz geboten. Das dürfte so manche neue Freunde für höhere Bildfrequenzen generieren. Dass LG zumindest ein 48-Zoll-Gerät anbietet, dürfte eine Nische für Leute bedienen, die sich etwa Zweitgeräte extra für Playstation 5 und Xbox Series X anschaffen.

Dabei ist es wichtig, auf den Strombedarf zu achten. Der LG-Fernseher schwankt in unseren Messungen durch sein OLED-Panel etwas. In dunklen Szenen, in denen sich Pixel teils abschalten, sind es etwa 175 Watt, die aus der Steckdose kommen. In sehr hellen Szenen kann dieser Bedarf auf 220 Watt ansteigen. Wir hätten das nicht erwartet, gibt LG doch auf der eigenen Seite eine Leistungsaufnahme von 89 Watt an. Vermutlich hat der Hersteller den Fernseher auf niedrigen Helligkeitsstufen betrieben, was das Bild gerade in dunklen Spieleszenen aber weniger deutlich macht.



WebOS mit teils unnützen Einstellungen

LGs WebOS gehört dank der mit Mauscursor versehenen Fernbedienungen unserer Meinung nach zu den besseren Smart-TV-Betriebssystemen. Wichtige Applikationen wie Youtube, Netflix und Amazon Prime Video sind übersichtlich in einem Menüband angeordnet. Das OS reagiert stets schnell genug auf Eingaben und wir finden im LG-Store auch eine große Auswahl an Programmen für den Fernseher.

Etwas schade ist, dass LG, wie Samsung, standardmäßig diverse Standortdaten und andere Informationen von Kunden sammelt. In einigen Fällen soll das helfen, die eigenen Dienste wie Thinq AI zu verbessern. Diese können automatisch die Helligkeit oder das Klangprofil des Fernsehers einstellen. Wir halten das allerdings für unnötig, können wir das Bild doch einfach selbst einstellen. Auch fragen wir uns, welcher Mensch jemals zwölf verschiedene voreingestellte Bildprofile nutzen soll. Fortgeschrittene stellen sich ihr Bild selbst ein und Anfänger werden von der großen Auswahl direkt überfordert.

Gut also, dass wir das Datensammeln einfach abschalten können. Wenn wir den TV als Monitor nutzen, können wir uns den Anschluss per WLAN oder Ethernet-Kabel an das lokale Netzwerk sparen. Die Einrichtung des Fernsehers funktioniert auch ohne.

Verfügbarkeit und Fazit

Der OLED48CX9LB ist bei diversen Händlern derzeit ab etwa 1.500 Euro zu haben. Größere Versionen kosten entsprechend mehr Geld. Es steht etwa jeweils auch ein Modell in 55, 65 und 77 Zoll zur Verfügung. Diese liegen jeweils bei 1.600, 2.000 und 4.300 Euro.

Fazit

Als reiner Fernseher ist zumindest die 48-Zoll-Version des CX9LB etwas zu klein, zumindest wenn er primär für ein tolles Heimkinoerlebnis im Wohnzimmer genutzt werden soll. Vielleicht wirbt LG deshalb auch für den Fernseher als Monitor-Ersatz.

Die Spezifikationen dazu hat er auf jeden Fall: Mit 120 Hz, Freesync, G-Sync und durch einen speziellen Spielmodus mit sehr geringer Eingabeverzögerung macht es tatsächlich Freude, unsere Lieblingsgames darauf zu spielen.

Ein Vorteil ist auch das extrem schnelle OLED-Panel. Selbst bei rasanten Bewegungen in Counter-Strike: Global Offensive können wir Gegner und Objekte jederzeit bestens erkennen. Schlieren oder Ghosting sind kaum wahrnehmbar.

Die große Bilddiagonale und die Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln ist ein Vorteil in Strategiespielen, die hohe Zoomstufen unterstützen - etwa Age of Empires 2 - Definitive Edition oder Civilization 6. Da der Fernseher HDMI 2.1 unterstützt, dürfte er auch für Leute interessant sein, die sich eine der kommenden Spielekonsolen kaufen möchten.

Etwas schade: Trotz Abschalten diverser automatischer Helligkeitsfunktionen dunkelt sich das Display von selbst ab, wenn wir es mit Windows 10 benutzen. Das kann gerade beim Arbeiten in Dokumenten oder beim Webbrowsing beobachtet werden. In Games ist das hingegen weniger sichtbar.



Auch ist die maximale Helligkeit von 402 cd/m² bei eingeschaltetem HDR nicht unbedingt überragend. Daher können wir die bessere Farbtiefe auch ignorieren, auch wenn sie unterstützt wird.

Gerade als dedizierter Zockerbildschirm für die Playstation 5 oder Xbox Series X wird der LG-Monitor mit 48 Zoll sicherlich einigen Anklang finden. Das schnelle OLED-Panel weckt in uns zudem den Wunsch, es auch in für den Schreibtisch handlicheren Formaten erwerben zu können. Vielleicht müssen wir darauf nicht mehr zu lange warten.  (on)


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