Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/spaceballs-moege-der-saft-mit-euch-sein-2011-151748.html    Veröffentlicht: 09.11.2020 09:04    Kurz-URL: https://glm.io/151748

Spaceballs

Möge der Saft mit euch sein

Vor 33 Jahren kam Spaceballs in die Kinos. Ein Jubiläum, so krumm und schräg wie der Film selbst, der nicht nur Star Wars, sondern das ganze Genre durch den Kakao zog.

Die Quellenlage ist nicht eindeutig. Entweder hatte Mel Brooks selbst die Idee, sich mit einer Parodie an Star Wars zu versuchen, oder 20th-Century-Fox-Boss Alan Ladd jr. trug sie ihm an.

Wie auch immer es war: Im Jahr 1986 begannen die Dreharbeiten zu Brooks' bis dato teuerstem Film. 22,7 Millionen US-Dollar standen ihm zur Verfügung, fünf davon waren alleine für die Effekte und die Post-Produktion eingeplant. Für die Spezialeffekte zeichnete George Lucas' Firma Industrial Light & Magic verantwortlich.

Ob Brooks sich auf diese Art den Segen des Star-Wars-Maestros sicherte? Mitnichten, aber Geld hilft ja bekanntlich immer.

Brooks ist aber auch Star-Wars-Fan und so sprach er im Vorfeld der Produktion mit George Lucas, der sehr genau darauf achtete, was rund um sein Star-Wars-Imperium passierte.

Lucas war von dem Projekt angetan. Nachdem er den Film gesehen hatte, sagte er zu Brooks: "Wenn man den ganzen Humor herausnimmt, funktioniert der Film auch als Abenteuer." Was im Grunde wohl auch ein Selbstlob war, da die Geschichte von Spaceballs stark von der des ersten Star-Wars-Films inspiriert ist.

Spaceballs - Das T-Shirt. Spaceballs - Das Lunchpaket. Spaceballs - Der Flammenwerfer ...

In einer Sache musste Brooks allerdings ein Zugeständnis machen. Lucas mochte die Idee einer Parodie, aber er bestand darauf, dass es kein Merchandise zum Film geben sollte. Die einzige erlaubte Ausnahme: Spaceballs: The Book, geschrieben von Autor R.L. Stine, der später mit seinen Grusel-Romanen der Gänsehaut-Reihe für Kids erfolgreich wurde.

Zu der Zeit machte Lucas mit dem Verkauf von Star-Wars-Merchandise noch Millionen. Ähnlich gelagerte Figuren und Krimskrams sollte es da nicht geben. Die Sorge war aber unbegründet. Denn im Kino war Spaceballs nicht der große Hit, das wurde er erst später durch Heimkino und Fernsehen.



Brooks nutzte Merchandise jedoch auf seine eigene Art: nämlich, um sich über das Prinzip der totalen Vermarktung eines Films lustig zu machen. In einer Szene stellt der von Brooks gespielte Yogurth das Merchandise zum Film vor und übertreibt auf ganzer Linie. Selbst ein Sequel wird angekündigt: Spaceballs 2 - Auf der Suche nach noch mehr Geld.

''Ich bin ein Möter. Halb Mensch, halb Köter. Und mein bester Freund.''

Spaceballs erzählt davon, wie die bösen Spaceballs unter dem Kommando von Präsident Skroob dem friedlichen Planeten, auf dem Prinzessin Vespa zuhause ist, die gute Luft absaugen wollen. Weil der Spaceballs-Planet ein öder Dreckhaufen mit mieser Luft ist. Der Verkaufsschlager dort: Perriair - geile Luft aus Dosen!

Doch es gibt einen Schutzschild, den man nicht umgehen kann. Der König muss den Code dafür freigeben, weswegen die Spaceballs hinter der vor ihrer Hochzeit geflohenen Vespa her sind. Die erhält Hilfe von dem Weltraumganoven Lone Starr und seinem Kumpel Waldi.

Die zwei sind nun also mit Vespa und ihrer treuen Droiden-Zofe Dotti Matrix unterwegs, während Lord Helmchen mit seinen Truppen hinter ihnen her ist. Der kleine Lord spielt nämlich nicht nur gern mit Puppen, er würde auch gerne mit Prinzessin Vespa spielen!

Das Drehbuch wurde von Mel Brooks zusammen mit Thomas Meehan und Ronny Graham geschrieben. Sie taten sich an Star Wars gütlich. Für fast alle großen Figuren der Saga gibt es hier eine Entsprechung.

Prinzessin mit Kopfhörern

Lone Starr und Waldi sind der Ersatz für Han Solo und Chewbacca, Vespa hat sogar Kopfhörer, die wie Prinzessin Leias aufgerollte Haare aussehen, Dotti Matrix ist C-3PO (mit einer Prise Maria aus Fritz Langs Metropolis), Präsident Skroob ist der Imperator, Lord Helmchen Darth Vader, Yogurth ist fast so klein wie Yoda und Pizzamampf ist die appetitlichere Version von Jabba the Hutt. Er ist so gut, dass er sich sogar selbst auffrisst!

Was fehlt, ist ein Pendant zu R2-D2, vor allem aber zu Luke Skywalker. Denn Brooks entschied, in Lone Starr auch Elemente des Farmersjungen von Tatooine einzubauen. Ohnehin hatte er mit der Heldenfigur die größten Probleme, weil er in dieser Komödie der straight guy ist.



Lone Starr reagiert auf das Komische, er selbst ist aber eigentlich nie komisch. Wie ungreifbar die Figur für Brooks war, zeigt auch, dass er nicht so recht wusste, wie er sie besetzen wollte. Zwei Kandidaten, denen ein Angebot gemacht wurde, lehnten ab. Beide sind sowohl schauspielerisch als auch vom Typ sehr unterschiedlich: Tom Hanks und Tom Cruise.

Geworden ist es am Ende Bill Pullman, der zu der Zeit praktisch völlig unbekannt war. Dem Hollywood-Reporter erzählte Pullman: "Ich glaube, Mel hatte Schwierigkeiten damit, Lone Starr zu schreiben. Das war die Figur, die ihm am wenigsten lag, weil sie keine eigene Stimme und nichts Einzigartiges hat. Wir haben also hart an der Umsetzung gearbeitet und ich musste besser werden, weil ich nie zuvor in einem Film wie diesem mitgewirkt hatte."

''Haben Sie was gesehen?'' - ''Nein, ich hab' nicht gesehen, dass Sie wieder mal mit Ihren Puppen spielen, Sir.''

Die meisten Rollen waren mit Newcomern besetzt, John Candy als Möter war jedoch schon ein gestandener Komiker. Für die Rolle von Pizzamampf holte man Dom DeLuise, der ihm aber nur die Stimme lieh. In dem Kostüm, das mit echtem, geschmolzenem Käse übergossen war und dem Stuntman Verbrennungen zweiten und dritten Grades beibrachte, wollte er nicht stecken.

In Dotti Matrix steckte Lorene Yarnell, ihr erging es aber wie Dave Prowse als Darth Vader: Jemand anderes sprach die Rolle - in diesem Fall Joan Rivers.

Der größte Star des Films war wohl Rick Moranis, der durch Ghostbusters und Der kleine Horrorladen bekannt wurde. Er spielte Lord Helmchen. Die Idee, die Stimme tiefer zu drücken, wenn er die Maske aufhat, kam von ihm - er nahm damit vorweg, was Adam Driver als Kylo Ren in den neuen Star-Wars-Filmen machen sollte.

Moranis improvisierte gerne. Brooks unterstützte das, weil er immer bereit war, eine Szene auf den Kopf zu stellen, wenn sich Comedy-Gold ergab. Zum Beispiel in der Szene, in der Lord Helmchen mit den Actionfiguren spielt.

Mehr als 30 Jahre später erinnert sich Moranis: "Ich weiß noch, dass ich mich an dem Tag nicht so gut fühlte. Ich glaube, ich hatte Fieber und war nicht voll auf der Höhe, aber irgendwie kam ich auf die Idee, meinen Text mit den Figuren zu improvisieren."



Die vierte Wand

Brooks nahm jeden Gag mit - egal wie schräg, kindisch oder meta er war. Tatsächlich war er sich auch nicht zu schade, immer wieder die vierte Wand zu durchbrechen.

Der Zuschauer wird so zum Teil des Films - etwa, wenn im Kampf von Lone Starr gegen Lord Helmchen ein Kameramann niedergestreckt wird. Mehr aber noch, als Lord Helmchen die VHS-Kassette von Spaceballs einwirft, um herauszufinden, was als nächstes passiert. Kameramann Nick McLean meinte dazu nur: "Er war bereit, alles zu tun."

"Was ist denn das für 'ne eigenartige Szene? Wann ist die denn in dem Film überhaupt zu sehen?"
"Jetzt gerade. Das sehen Sie jetzt gerade, Sir. Alles was jetzt gerade abläuft, passiert jetzt."
"Ja, und die Vergangenheit?"
"Die ist vorbei."
"Seit wann?"
"Seit jetzt. Wir sind jetzt im Jetzt."
"Zurück in die Vergangenheit."
"Und wann?"
"Na jetzt."
"Jetzt?"
"Jetzt."
"Das geht nicht."
"Wieso nicht?"
"Es ist vorbei."
"Seit wann?"
"Seit jetzt."
"Wann wird das damals eigentlich jetzt?"
"Schon bald."

Von der Kritik zerlegt

Als Spaceballs im Jahr 1987 in die Kinos kam, war international die Kritik nicht gerade gut zu ihm, dem Publikum war es egal - sofern es überhaupt kam. Hierzulande war zumindest Der Spiegel gnädig: "Liebenswerter Klamauk, gespickt mit Persiflagen auf populäre Sciencefiction-Versatzstücke."

In den USA machte der Film nur 38 Millionen US-Dollar. Als er jedoch auf VHS herauskam, entwickelte er sich zum gigantischen Erfolg. Noch 1993 sagte Brooks, dass er immer noch die meisten Tantiemen zu Spaceballs bekomme.

Science-Fiction-Fans verliebten sich schon damals in diese herrliche Persiflage, die sich nicht nur Star Wars herauspickt, sondern auch Planet der Affen, Alien (sogar mit einem Gastauftritt von John Hurt, dem wieder einmal das Monster aus der Brust herausspringt), Star Trek und einige andere Filme.

Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Bestrebungen, ein Sequel zu machen. Mel Brooks dachte sogar darüber nach, den zweiten Teil zu umgehen und mit Spaceballs 3 - Auf der Suche nach Teil 2 die Trilogie abzuschließen. Letzten Endes wäre ein solches Projekt aber aufgrund der benötigten Effekte immer teurer geworden.

So gab es im Jahr 2008 nur Spaceballs - The Animated Series, die die Prequel-Saga auf die Schippe nimmt, aber darunter leidet, dass die Animation mau ist und von der ursprünglichen Besetzung nur Daphne Zuniga als Prinzessin Vespa zu hören ist.



33 Jahre später ist Spaceballs noch immer die beste Science-Fiction-Komödie aller Zeiten, die im Zuge neuer Star-Wars-Filme im Laufe der Jahre auch ein neues Publikum gefunden hat.

Und eines solltet ihr nie vergessen:

WENN IHR DAS LESEN KÖNNT, BRAUCHT IHR KEINE BRILLE.

Weiterführende Literatur: Patrick McGilligan: Funny Man Mel Brooks und James Robert Parish: It's Good to Be King - The Seriously Funny Life of Mel Brooks

 (peo)


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