Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/30-jahre-imdb-die-groesste-filmdatenbank-der-welt-2011-151730.html    Veröffentlicht: 03.11.2020 09:02    Kurz-URL: https://glm.io/151730

30 Jahre IMDb

Die größte Filmdatenbank der Welt

Die Internet Movie Database, kurz: IMDb, ist das unverzichtbare Werkzeug für alle, die sich mit Filmen befassen. Mit Infos zu mehr als 6,5 Millionen Titeln ersetzt sie ganze Bibliotheken.

In ihrer Urform gab es die IMDb schon, als vom Internet noch nicht so groß die Rede war. Sie entstand im Usenet, als der britische Filmfan und Programmierer Col Needham eine erste Liste zusammenstellte, in der es um Schauspielerinnen mit schönen Augen ging.

Schon bald fanden sich andere, die ebenfalls Listen erstellten. Im Herbst des Jahres 1990 befanden sich in diesen Listen bereits mehr als 10.000 Filme und Serien, die mit Listen von Schauspielern und Schauspielerinnen verknüpft wurden. Am 17. Oktober 1990 entwickelte Needham dann eine Sammlung von Unix Shell Scripts, um diese Listen zu durchsuchen - die IMDb war geboren, hieß damals aber noch rec.arts.movies movie database.

Diese Datenbank war anders als die IMDb, wie wir sie heute kennen. 1993 wurde aber ein großer Schritt in diese Richtung getan. Denn damals tauchte sie im Internet unter dem Namen Cardiff Internet Movie Database auf, weil sie über Server der Cardiff University in Wales lief.

Zu der Zeit arbeitete man mit Hochdruck daran, die Datenbank zu erweitern. Die Benutzer waren aufgerufen, Informationen per E-Mail zu schicken, die dann von für die jeweiligen Listen verantwortlichen Managern eingepflegt wurden. Die so erhaltenen Informationen zu einzelnen Filmen wurden aufgeteilt und an die Sektionsmanager übergeben.

Die Datenbank lief damals noch über Spiegel-Server und damit mit geliehener Bandweite. Doch nach und nach wurden die Zugriffe immer größer, auch weil die Informationsdichte wuchs: Musik, Drehorte, Budget - zu fast jedem Film gab es weiterreichende Infos, ganz abgesehen von den umfangreichen Listen der an den jeweiligen Projekten beteiligten Menschen.

Amazon übernimmt

Im Jahr 1996 wurde aus der Datenbank eine echte Firma, die Internet Movie Database Ltd., gegründet von dem ursprünglichen Initiator Col Needham, der auch der Haupteigentümer war. Einnahmen erzielte man über Werbung und Partnerschaften, der große Reibach sollte jedoch erst 1998 kommen.

In dem Jahr handelte Jeff Bezos, Gründer, Eigentümer und CEO von Amazon.com einen Deal mit Needham und den anderen Eignern der IMDb aus. Die Datenbank wurde für die Summe von 55 Millionen US-Dollar an Amazon verkauft. Die Idee dahinter: Amazon konnte die IMDb zu Werbezwecken nutzen, um so den Verkauf von Videokassetten, vor allem aber der gerade auf den Markt kommenden DVDs zu forcieren.



Im Jahr 2002 kam der Bereich IMDbPro hinzu, der sich auf Vertreter der Entertainment-Branche konzentriert und gegen eine jährliche Gebühr Zugang zu weiteren Informationen, darunter auch zu den Adressen von Agenten oder Firmen gewährt. Diesen Bereich nutzt man auch als Anreiz für die User: Jene, die am meisten schicken, erhalten im folgenden Kalenderjahr als Belohnung freien Zugang zu IMDbPro.

Im Jahr 2008 gab es mit IMDb.de die erste nicht-englischsprachige Version, bei der die Titel bis heute in der deutschen Sprachfassung gezeigt werden. Andere Länderversionen kamen bald hinzu. Zudem expandierte die IMDb, indem die Firmen Withoutabox (mittlerweile geschlossen) und Box Office Mojo gekauft wurden. Erstere erlaubt unabhängigen Filmemachern die Distribution ihrer Filme, letztere ist die erste Anlaufstelle im Internet für Informationen über die Kinoeinspielergebnisse aktueller, aber auch alter Filme.

Wie Wikipedia - nur mit Approval-Prozess

Die IMDb setzte von Anfang an auf die Teilhabe der User, so wie es auch Wikipedia macht. Anders als dort erscheinen Änderungen aber nicht direkt auf der Website, sondern gehen erst durch einen Approval-Prozess. Ein Algorithmus prüft die Plausibilität, Angestellte sehen sich die Einträge unter Umständen auch an. Außerdem sollen Nutzer Fehleinträge melden - und tun das auch. Manches schlüpft dennoch durch, weswegen man im Trivia-Bereich einzelner Filme oder Serien gelegentlich sich wiederholende Info-Häppchen findet.

Die User können Filme auch bewerten. Dabei wird jedoch nicht nur ein arithmetischer Durchschnitt errechnet, sondern vor allem ein gewichteter Durchschnitt, bei dem weitere Bewertungskriterien einfließen, um einen realeren Wert zu erlangen. Die Details behält IMDb für sich, um zu verhindern, dass versucht wird, die Werte zu beeinflussen.

Aus dem Grund ist man auch dazu übergegangen, nicht mehr publik zu machen, welche Software für die IMDb benutzt wird. Früher basierte die Website auf Perl, seit Jahren ist jedoch nicht mehr bekannt, worauf die Seite aufgebaut ist.

Größte Filmdatenbank der Welt

Die IMDb ist im Laufe von drei Jahrzehnten immens angewachsen und hat sich diversifiziert. Es gibt einen eigenen Streaming-Service, der werbefinanziert ist. Außerdem hat man den IMDbPro-Bereich ausgebaut.



Die schiere Menge an Informationen ist beeindruckend. Es finden sich Einträge zu mehr als 550.000 Filmen, fast 200.000 Serien mit fast fünf Millionen Episoden, mehr als 100.000 Fernsehfilmen und sogar Videospielen - hier sind es immerhin mehr als 25.000.

Die IMDb hat mehr als 83 Millionen registrierte Benutzer. Monatlich hat die Seite zwischen 400 und 500 Millionen Zugriffe.

 (peo)


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