Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/social-media-facebook-will-forschungsprojekt-unterbinden-2010-151723.html    Veröffentlicht: 26.10.2020 12:30    Kurz-URL: https://glm.io/151723

Social Media

Facebook will Forschungsprojekt unterbinden

Mit tausenden Freiwilligen analysiert die New Yorker Universität die Wahlwerbung auf Facebook. Nun droht das Unternehmen den Forschern.

Facebook will eine Studie der New Yorker Universität (NYU) zu politischen Werbeanzeigen auf der Social-Media-Plattform unterbinden. Das Forschungsprojekt Ad Observatory sammelt über eine Browsererweiterung die Werbung, die 6.500 Freiwilligen angezeigt wird, und bereitet diese auf. Das widerspreche den Geschäftsbedingungen von Facebook, erklärte das Unternehmen.

"Scraping-Tools, egal wie gut sie gemeint sind, sind kein zulässiges Mittel, um Informationen von uns zu sammeln", schrieb Allison Hendrix, Datenschutzbeauftragte bei Facebook, an die New Yorker Universität. Sollte das Projekt nicht beendet und die gesammelten Daten gelöscht werden, könnten "zusätzliche Durchsetzungsmaßnahmen" ergriffen werden, droht Facebook.

Nachdem das Wall Street Journal über den Vorgang berichtet hatte, schränkte Facebook ein, dass das Unternehmen bis "weit nach der Wahl" am 4. November keine Einschränkungen vornehmen werde. Die demokratische Senatorin Amy Klobuchar kritisierte die Haltung des sozialen Netzwerkes, "es für Amerikaner schwieriger zu machen, Informationen über politische Anzeigen zu erhalten". Das sei mitten in einer Präsidentschaftswahl inakzeptabel.

Das Forschungsprojekt Ad Observatory bietet die Möglichkeit, politische Anzeigen zu durchsuchen und so beispielsweise zu sehen, welche Botschaften auf bestimmte Zielgruppen oder Bundesstaaten zugeschnitten sind. Auf der Hauptseite zeigt eine Grafik, wie viel Geld Trump und Biden wöchentlich für Werbung auf Facebook ausgeben. Die Daten können beispielsweise von Journalisten oder anderen Forschergruppen genutzt werden.

Facebooks Werbetransparenz wurde als "kaputt" bezeichnet

Das Projekt dürfte auch eine Reaktion auf Facebooks Transparenzinitiative sein, die mit der Ad Library selbst Werbedaten zugänglich macht - nachdem Firmen wie Cambridge Analytica die Präsidentschaftswahl 2016 über das Soziale Netzwerk beeinflusst hatten. Allerdings kritisierten mehrere Forschergruppen im Rahmen der Europawahl 2019, dass über Facebooks Ad Library keine brauchbaren Daten zu erhalten seien. Demnach konnte beispielsweise die gleiche Anfrage unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Durch Fehler und technische Limitierungen sei es unmöglich, mit den Daten zu arbeiten, kritisierte eine französische Forschergruppe. "Man könnte es einfach als kaputt bezeichnen", kommentierte die Forscherin Laura Edelson von der New Yorker Universität. Dass die Forschergruppe nun ein eigens Tool gebaut hat, wundert daher nicht.

 (mtr)


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