Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vergabe-glasfasernetz-der-bahn-kommt-nicht-voran-2010-151690.html    Veröffentlicht: 23.10.2020 11:31    Kurz-URL: https://glm.io/151690

Vergabe

Glasfasernetz der Bahn kommt nicht voran

Das Vergabeverfahren für den Glasfaserausbau der Deutschen Bahn steht still. Doch ihre Broadband-Gesellschaft findet bereits 18 Kunden für die Nutzung des bestehenden Netzes.

Der Ausbau des Glasfasernetzes entlang von Bahnstrecken kommt nicht voran. "Die DB bereitet die Ausschreibung zum Ausbau des Glasfasernetzes vor", teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) auf Anfrage mit. Der Vergabeprozess habe allerdings noch nicht begonnen. Entsprechend wurde in diesem Jahr noch kein Glasfaser-Kilometer zugebaut. Nach wie vor sind demnach 18.500 km des rund 33.000 km langen Bahnnetzes mit Glasfaser ausgerüstet.

Das stößt auf Kritik der Opposition im Bundestag. "Die Bahn hätte das vorhandene Streckennetz schon viel früher für die Verlegung von Glasfaseranschlüssen nutzen und damit Millionen Haushalte und Firmen versorgen können", teilte der Linke-Bundestagsabgeordnete Victor Perli mit. "Es drohen jahrelange Verzögerungen, wenn es Gerichtsprozesse aufgrund des Vergabeverfahrens gibt."

Für den kompletten Ausbau hatte sich das Unternehmen One Fiber Interconnect angeboten, deren Chef Klaus Kremper einst Chef der Güterverkehrssparte der Bahn war. Kremper stellte sein Konzept im Juni dem Haushaltsausschuss in Anwesenheit von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor. Der Ausbau soll laut Kremper 1,8 Milliarden Euro kosten und nach fünf Jahren abgeschlossen sein. Strategischer Partner der One Fiber ist das Energie- und Telekommunikationsunternehmen EWE aus Oldenburg. Die Bahn will mit DB Broadband jedoch lieber selbst ausbauen, weshalb sich ein Rechtsstreit entwickelt.

Glasfaser: Bahn will One Fiber Interconnect nicht

Die Bahn nutzt derzeit nur einen kleinen Teil des Glasfasernetzes entlang ihrer Strecken selbst. Doch der Eigenbedarf dürfte bald leicht steigen. Schließlich will der Konzern bis 2035 sämtliche Stellwerke digital umgerüstet haben. Viele davon müssen derzeit noch mit der Hand bedient werden. Außerdem sollen Bahnhöfe und Strecken zunehmend mit der digitalen Leit- und Steuerungstechnik ETCS (European Train Control System) ausgestattet werden. Züge sollten mit der neuen Technik pünktlicher unterwegs sein.

Im vergangenen Jahr schuf der Konzern die Broadband-Gesellschaft, die unter anderem unbeleuchtete Glasfaser (Dark Fiber) an Dritte vermietet. 18 Kunden hätten dafür bereits gewonnen werden können, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Perli. Dazu gehören Stadtwerke und Telekommunikationsunternehmen.

Die Gesellschaft vermietet aber auch die passive Infrastruktur, also vorhandene Kabelschächte, in denen bislang noch keine Glasfaser verlegt ist. Das Geld soll auch in den Ausbau neuer Infrastruktur investiert werden. Wie viel das bislang ist, geht aus der Antwort der Bundesregierung indes nicht hervor.  (asa)


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