Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kernel-linux-community-diskutiert-undervolting-treiber-fuer-intel-2010-151686.html    Veröffentlicht: 23.10.2020 10:09    Kurz-URL: https://glm.io/151686

Kernel

Linux-Community diskutiert Undervolting-Treiber für Intel

Unter Linux gibt es derzeit keine offizielle Möglichkeit zum Undervolting. Das könnte sich nun ändern, nur fehlt die Dokumentation von Intel.

Der Linux-Kernel könnte künftig eine Art offiziellen Treiber zum sogenannten Undervolting auf Intel-CPUs bekommen. Das geht aus einer Diskussion der Kernel-Community hervor, über die das Magazin Phoronix berichtete. Unter Windows gibt es mit Intels Extreme Tuning Utility (XTU) bereits ein offiziell abgesegnetes Werkzeug dafür, unter Linux jedoch noch nicht. Durch das Undervolting lässt sich die CPU-Spannung reduzieren, was zu einer niedrigeren Leistungsaufnahme und somit längeren Akkulaufzeit führt. Auch einige Laptop-Hersteller bieten entsprechende Werkzeuge an.

Zum Undervolting unter Linux kann ein Userspace-Werkzeug genutzt werden, das unabhängig von Intel und den Kernel-Entwicklern erstellt wird. Um die Funktion zu nutzen, schreibt das Werkzeug bestimmte Werte in sogenannte MSR (Model-Specific Register). Diese Nutzung ist aber nicht offiziell abgesegnet, weshalb der Linux-Kernel Warnungen auswirft. Der für seine Arbeiten an dem Wireguard-VPN bekannte Entwickler Jason Donenfeld wollte dies ändern und stieß damit die Diskussion um einen Undervolting-Treiber für Linux an.

So sind sich die Beteiligten einig, dass der direkte Zugriff auf die MSR aus dem Userspace heraus prinzipiell keine gute Idee sei. Diese Art der Nutzung der Hardware sollte unter Linux einem Kernel-Treiber vorbehalten sein, weshalb Linux standardmäßig Warnungen auswirft. Die erste Idee von Donenfeld bestand darin, in dem konkreten Fall die Warnung zu unterdrücken, indem der Kernel über diese Nutzung informiert wird.

Die Community diskutierte daraufhin verschiedene Möglichkeiten und Szenarien zur konkreten und vor allem korrekten Implementierung zum Undervolting. Zu beachten ist etwa, dass das Undervolting in der Vergangenheit erfolgreich für Sicherheitslücken ausgenutzt wurde. Darüber hinaus setzt der bisherige Ansatz auf das Reverse Engineering der Werte für die Funktion, was Schäden an der Hardware nach sich ziehen könnte.

Besser wäre wohl eine in die bestehenden Treiber integrierte Funktion. Wie der Intel-Angestellte Srinivas Pandruvada jedoch schreibt, gibt es das Problem, dass es dazu keine öffentliche Dokumentation von Intel gibt. Ob und inwiefern dies von Seiten Intels geändert werden könnte, ist derzeit noch offen. Möglicherweise entscheidet sich die Community aber für die Umsetzung des Kernel-Treibers mit den Werten aus dem Reverse Engineering. Immerhin wird dies regelmäßig auch für andere Treiber so umgesetzt.

 (sg)


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