Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vivo-x51-im-test-vivos-gelungener-deutschland-start-hat-eine-gimbal-kamera-2010-151594.html    Veröffentlicht: 20.10.2020 16:15    Kurz-URL: https://glm.io/151594

Vivo X51 im Test

Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera

Das Vivo X51 hat eine gute Kamera mit starker Bildstabilisierung und eine vorbildlich zurückhaltende Android-Oberfläche. Der Startpreis in Deutschland könnte aber eine Herausforderung für den Hersteller sein.

Vivo steigt offiziell in Deutschland in den Markt ein: Das erste Smartphone des chinesischen Herstellers hierzulande ist das X51, das in China bereits seit längerem als X50 Pro im Handel ist. Vivo setzt beim X51 den Fokus vor allem auf die Kamera, die mit einer im Markt ungewöhnlichen Stabilisierung wackelfreie Fotos und Videos ermöglichen soll.

Golem.de hat sich das Vivo X51 zum Marktstart genauer angeschaut. Die Bildschirmstabilisierung samt Kamera gehört zusammen mit dem Display und dem unangetasteten Android zu den positiven Überraschungen des Smartphones. Wir machen uns aber unsere Gedanken zum Einstiegspreis.

Vom Design her erinnert das Vivo X51 an ein Samsung-Smartphone: Die Ränder sind links und rechts symmetrisch abgerundet, am oberen und unteren Rand hingegen ist das Gehäuse angeschnitten. Der Rahmen ist aus Metall, die Rückseite aus mattiertem Glas. Das Telefon ist hochwertig verarbeitet und liegt gut in der Hand.

Gutes Display mit 90 Hz

Das AMOLED-Display von Samsung ist 6,56 Zoll groß und hat eine Auflösung von 2.376 x 1.080 Pixeln. Der Bildschirm unterstützt eine Bildrate von 90 Hz sowie HDR10+. Die Farbwiedergabe ist natürlich, der Blickwinkel sehr stabil. Die Auflösung reicht aus, um Inhalte in Sichtweite scharf darzustellen; bei näherer Betrachtung sind bei feinen Details leichte Pixeltreppen sichtbar. Insgesamt ist das Display des X51 aber sehr gelungen.

Drehen wir das Smartphone um, blicken wir auf das ungewöhnlich geformte Kameramodul in der linken oberen Ecke. Drei der vier Kameras sind in einem schwarzen Block untergebracht, eine weitere in einem leicht vertieften silbernen Bereich. Die Hauptkamera verwendet einen 48-Megapixel-Sensor (Sony IMX598), dazu gibt es eine Superweitwinkelkamera mit 8 Megapixeln, eine Porträtkamera mit zweifacher Vergrößerung und 13 Megapixeln und ein Periskop-Tele mit fünffacher Vergrößerung und 8 Megapixeln. Diese Ausstattung erlaubt großen Gestaltungsspielraum bei der Bildgestaltung.



Hauptkamera ist auf einem Gimbal montiert

Auffällig ist die Größe der Hauptkamera, die auf eine Funktion deutet, mit der sich Vivo von der Konkurrenz abheben kann: den elektromagnetisch gesteuerten Gimbal. Dabei handelt es sich um eine Bildstabilisierung, die auf der X-Achse um 3 Grad ausschlagen kann und auf der Y-Achse um 2 Grad. Dafür ist die Kamera in einem ballförmigen Gimbal montiert, bei dem wir allerdings die Richtung nicht manuell steuern können. Zudem deckt er bei weitem nicht einen so hohen Schwenkbereich ab wie ein echter Gimbal.

Mehr als die bei den meisten Smartphones üblichen 1 Grad pro Achse sind aber drin, und das wirkt sich auf die Qualität der Videos merkbar aus. Vergleichen wir Videoaufnahmen des X51 und des Oneplus 8T (Test), das ebenfalls eine 48-Megapixel-Kamera und einen optischen Bildstabilisator hat, so fallen beim Vivo-Smartphone die von herkömmlichen Stabilisatoren gewohnten Mikro-Erschütterungen weg. Rennen wir beispielsweise, gleicht das Oneplus 8T jede Erschütterung beim Auftreten aus - was als deutliches Zittern erkennbar ist.

Beim Vivo X51 ist dieses Zittern sehr viel weniger stark ausgeprägt, beziehungsweise mitunter gar nicht wahrzunehmen. Je fließender unsere Bewegungen sind, desto besser kann der Gimbal ihnen folgen - und umso flüssiger wirkt das Video anschließend. Das erfordert etwas Umstellung bei der Art und Weise, wie man filmt: Bei ruhigen, ausholenden Bewegungen sieht das Videomaterial besser aus.

Gimbal mag schnelle Richtungsänderungen eher weniger

Im Gegenzug bedeutet das aber auch, dass wir bei schnellen Schwenks am Ende häufig noch einen Gimbal-Ausschlag haben: Die Stabilisierung bringt sich dann wieder ins Lot, was wir am Ende des Videos an einem kleinen "Schlenker" in Gegenrichtung zu unserer Kamerafahrt merken. Wir hoffen, dass Vivo hier noch etwas an der Software machen kann - derartige Schlenker sind uns bei schnellen Bewegungen öfter aufgefallen. Möglicherweise kommt hier aber auch die kleine Gimbalkonstruktion an ihre Grenzen.

Wir halten die Stabilisierung im normalen Aufnahmemodus dennoch für besser als die des Oneplus 8T in dessen Superstabilisierungsmodus. Einen solchen gibt es auch beim Vivo X51, er sorgt bei Schwenks noch einmal für ruhigere Bilder. Bereits bei normaler Stabilisierung sind die mit dem X51 gemachten Schwenks allerdings flüssiger als die des Oneplus-Smartphones - bei allzu schnellen Bewegungen kommt der kleine Gimbal aber etwas aus dem Takt.

Standardmäßig nimmt die Hauptkamera des X51 Bilder mit 12 Megapixeln auf, für mehr Schärfe sind auch Bilder mit 48 Megapixeln möglich. Die Schärfe der 12-Megapixel-Aufnahmen ist gut: Details werden gut dargestellt, verglichen mit der Hauptkamera des Oneplus 8T ist die Kantenschärfe etwas höher. Dadurch wirken die Bilder nicht nur von der Schärfe her etwas knackiger, sondern auch vom Kontrast her.

Ausgeglichene Bilddynamik und gute Nachtaufnahmen

Die Bilddynamik ist beim X51 sehr ausgeglichen: Dunkle Stellen sind auf unseren Bildern merklich heller als beim Oneplus 8T. Die Farbdarstellung ist realistisch, sprich: Die Sättigung ist eher moderat, was das X51 von manch anderem aktuellen Top-Smartphone unterscheidet.

Nachtaufnahmen gelingen im Nachtmodus auch dank der Bildstabilisierung gut. Die Belichtung ist ausreichend hell, die Schärfe gut. Auch hier zeigt sich eine relativ hohe Kantenschärfe. Das X51 hat auch einen Sternenhimmel- und sogar einen Mond-Modus, bei dem zusammen mit dem Zweifachtele eine länger belichtete Aufnahme des Mondes erstellt wird. Dies konnten wir aufgrund der Wetterbedingungen während unseres Tests allerdings leider nicht ausprobieren. Auch die Sternenhimmelaufnahme ließ sich aufgrund der Wolkendecke nur bedingt testen: Wir konnten aber feststellen, dass es das Smartphone schafft, Sterne scharf und ohne Leuchtspuren abzubilden. Die Bilder haben zudem kein nennenswertes Rauschen.

Aufnahmen mit der Superweitwinkelkamera sind aufgrund der geringeren Pixelanzahl des Sensors in der Detailvergrößerung weniger scharf, von der Belichtung her aber auch gut. Am Rand sind einige Verzerrungen sichtbar, die wir im Vergleich zur Konkurrenz für recht ausgeprägt halten. Das X51 hat mit einem zweifachen und einem fünffachen Tele gleich zwei Möglichkeiten, Objekte für die Aufnahme heranzuholen.

Zwei Teleobjektive für Porträts und mehr

Das zweifache Tele ist dabei hauptsächlich für Porträtaufnahmen geeignet, die mit dem X51 gut gelingen. Natürlich lässt sich das Objektiv aber auch für Aufnahmen verwenden, bei denen keine Personen fotografiert werden. Erfreulicherweise hat Vivo bei dieser Kamera auf einen 13-Megapixel-Sensor gesetzt, entsprechend ordentlich ist die Schärfe.

Auch das Fünffachtele macht qualitativ sehr gute Aufnahmen, allerdings ist die Auflösung mit 8 Megapixeln etwas niedriger als beim Zweifachtele. In der Praxis dürfte das für viele Nutzer allerdings kaum einen Unterschied machen. Auffällig ist, dass das Fünffachtele vom Kontrast her etwas weicher als die anderen drei Kameras ist. Die digitale 60-fach-Vergrößerung dient wie bei Konkurrenzgeräten eher Dokumentationszwecken und ist qualitativ bescheiden.

Insgesamt betrachtet macht das Vivo X51 gute Bilder, unterscheidet sich von der Qualität der Fotos aber nicht nennenswert von anderen Konkurrenzgeräten. Der Vorteil gegenüber den Mitbewerbern liegt in der guten Videostabilisierung: Die Gimbalaufhängung sorgt für eine sanftere Stabilisierung, das typische Flimmern bei Erschütterungen wird minimiert. Zudem gelingen sehr ruhige Schwenks - wenn der Nutzer auf die Eigenheiten einer derartigen Aufhängung achtet und ruckartige, schnelle Richtungsänderungen und Stopps bei seinen Schwenks vermeidet.

Snapdragon 765G und schlankes Android

Im Inneren des X51 steckt Qualcomms Snapdragon 765G, ein 5G-fähiges SoC in 7-nm-Technologie. Vivo wählt mit dem Chipsatz den gleichen Weg wie Google mit seinem neuen Pixel 5 (Test) und verzichtet auf Qualcomms aktuelles Top-SoC Snapdragon 865+ zugunsten einer günstigeren Lösung. Der Snapdragon 765G erreicht auch im X51 etwas geringere Leistungswerte als der Snapdragon 865 oder das Plus-Modell, reicht aber auch hier für den Alltag mehr als aus.

Das Vivo X51 hat 8 GByte RAM und 256 GByte Flash-Speicher. Einen Steckplatz für Micro-SD-Karten hat das Smartphone nicht, Nutzer können zwei SIM-Karten parallel verwenden. Bluetooth läuft in der Version 5.1, ein NFC-Chip ist eingebaut.

Ausgeliefert wird das Vivo X51 mit Android 10 und der globalen Version von Vivos Benutzeroberfläche Funtouch OS 10, die vollen Zugang zu den Google-Apps bietet. Der Hersteller hat die Oberfläche für den europäischen Markt stark überarbeitet und entschlackt: Das für den chinesischen Markt vorgesehene X50 Pro steckt voller vorinstallierter Apps, das X51 hingegen verzichtet fast komplett darauf. Tatsächlich ist das X51 eines der Smartphones mit den wenigsten vorinstallierten Anwendungen, das wir bisher erlebt haben - selbst das Pixel 5 hatte mehr Apps installiert. Uns stört allerdings, dass Vivo Facebooks App-Manager installiert hat, samt Facebook.

Facebook-Framework ist leider vorinstalliert

Die Facebook-App lässt sich zwar deinstallieren, nicht aber die im System verankerten Facebook-System-Anwendungen. Für die gleiche Entscheidung auf dem Oneplus 8T musste Oneplus starke Kritik einstecken und hat mittlerweile versprochen, das Framework nicht mehr zu installieren. Davon abgesehen ist die globale Version von Funtouch OS sehr nah an Stock-Android.

Der Akku des X51 hat eine Nennladung von 4.315 mAh und lässt sich mittels des beigefügten 33-Watt-Ladegerätes schnellladen. Die Akkulaufzeit ist sehr gut: Wir können einen Full-HD-Film bei maximaler Helligkeit 16 Stunden lang angucken.

Der Fingerabdrucksensor ist direkt in das Display eingebaut und funktioniert in unserem Test zuverlässig und schnell. Enttäuschend ist der Lautsprecher des Vivo X51: Der Hersteller legt zwar viel Wert auf den eingebauten separaten Audio-Chip, für einen gut klingenden Lautsprecher (oder gar zwei) hat es aber leider nicht gereicht: Der im unteren Rahmen eingebaute Speaker klingt blechern und hat kaum wahrnehmbare Bässe.

Vivo X51: Verfügbarkeit und Fazit

Das Vivo X51 kostet 800 Euro und ist unter anderem bei Media Markt, Saturn und bei Sparhandy.de erhältlich.

Fazit

Mit dem X51 alias X50 Pro steigt Vivo mit einem starken Smartphone in den deutschen Markt ein. Vor allem die Verarbeitungsqualität, das Display, die Akkulaufzeit und die Kamera mit Gimbal-Videostabilisierung gefallen uns gut.

Die spezielle Aufhängung der Kamera sorgt dafür, dass das typische Zittern anderer optischer Bildstabilisierungen stark vermindert wird. Schwenks sind sehr stabil und wackelfrei, auch beim Fotografieren wird das Bild ruhig gehalten. Auch Nachtaufnahmen sind mit dem X51 problemlos möglich.

Die Bildqualität der Fotos insgesamt ist auf einem vergleichbaren Niveau mit dem Oneplus 8T, also durchaus im oberen Bereich der aktuellen Smartphone-Konkurrenz. Ganz an die Topmodelle von Xiaomi oder Huawei kommt das X51 aber nicht heran.

Positiv finden wir auch das leichtgewichtige Android-Betriebssystem, das weitgehend ohne Bloatware auskommt und sich gut bedienen lässt. Vivo hat bereits das Upgrade auf Android 11 angekündigt - wann dies erscheinen wird, ist aber aktuell noch unbekannt.

Ob das X51 in Deutschland gut von den Konsumenten angenommen wird, halten wir für eine schwierige Frage: Mit einem Preis von 800 Euro zu starten, ist mutig - wenngleich die Kameraausstattung und die Verarbeitung des Smartphones diesen Preis durchaus rechtfertigen. Ein Galaxy S20 beispielsweise kostet zwar gut 150 Euro weniger, hat dafür aber auch eine schwächere Kamera ohne Fünffachtele, weniger Speicher und kein 5G. Das Oneplus 8 Pro mit 256 GByte Speicher kostet hingegen gut 40 Euro mehr als das X51.

Allerdings ist Vivo in Deutschland höchstens Kennern der Smartphone-Branche ein Begriff, Ottonormalverbraucher wissen mit der Marke eher nicht viel anzufangen. Bleibt für Vivo zu hoffen, dass Interessenten bereit sind, für ein Smartphone einer ihnen wahrscheinlich unbekannten Marke 800 Euro zu bezahlen - lohnenswert ist das X51 aufgrund der Kamera allemal.  (tk)


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