Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bundesrechtsanwaltskammer-bea-webseite-zeitweise-angreifbar-2009-151153.html    Veröffentlicht: 28.09.2020 17:10    Kurz-URL: https://glm.io/151153

Bundesrechtsanwaltskammer

BeA-Webseite zeitweise angreifbar

Die Webseite zum Anwaltspostfach BeA ist zurzeit offline - zwischendurch war eine ungeschützte Wordpress-Installation erreichbar.

Seit Montagmittag gibt es auf der Webseite des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs (BeA) eine Reihe von Problemen. Zurzeit ist dort nur eine Fehlermeldung zu sehen. Zwischenzeitlich war eine Wordpress-Installation erreichbar, was von Angreifern relativ einfach für eine Remote Code Execution ausgenutzt werden könnte.

Das BeA ist ein Kommunikationssystem für Rechtsanwälte und Gerichte, das wegen zahlreicher Sicherheitspannen in der Kritik ist. Auch Golem.de deckte mehrfach Sicherheitsprobleme beim BeA auf.

Webseite seit Mittag nicht erreichbar

Die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) betreibt eine Informationsseite zum BeA unter bea.brak.de. Heute Mittag war dort zeitweise eine leere Standard-Wordpress-Seite zu sehen, einige Zeit später nur noch ein Datenbankfehler. Daraufhin fand sich dort eine ungeschützte Wordpress-Installation.

Inzwischen sieht man auf der Seite eine Fehlermeldung, auf der auch die Versionen des Apache-Webservers (2.4.26) sowie die verwendete PHP- (5.6.31) und OpenSSL-Version (1.0.2k) zu sehen sind: lange veraltete und nicht mehr unterstütze Versionen.

Ungeschützte Wordpress-Installation ermöglicht Remote Code Execution

Am gefährlichsten ist bei all dem die ungeschützte Wordpress-Installation. Ein Angreifer, der zu diesem Zeitpunkt die BeA-Seite aufgerufen hätte, hätte die Installation selbst durchführen können und wäre in der entsprechenden Wordpress-Instanz Administrator. Durch die Installation eines Plugins lässt sich so auch Code auf dem Server ausführen.

Ebenso ist es möglich, die Installation damit anschließend wieder rückgängig zu machen, so dass ein solcher Angriff auch nicht unbedingt auffällt. Ein Angreifer könnte somit auch eine Hintertür platzieren, die kaum auffällt.

Hierbei handelt es sich zwar nur um die Informationswebseite zum BeA, nicht um das BeA selbst. Doch auch auf der eigentlichen BeA-Seite gibt es technische Probleme. Wenn man die Domain über HTTP aufruft wird man auf eine unsinnige URL ("https:///") weitergeleitet, was im Browser ebenfalls zu einer Fehlermeldung führt.

Wir haben die Bundesrechtsanwaltskammer um eine Stellungnahme gebeten. "Die Nichterreichbarkeit der Seite ist uns bekannt, wir arbeiten an dem technischen Problem", schreibt uns die Pressestelle der Anwaltskammer dazu. Auf eine spätere Nachfrage, in der wir auf das Wordpress-Sicherheitsproblem verweisen, haben wir bislang keine Antwort erhalten.  (hab)


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