Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/golem-on-edge-ein-sekt-auf-glasfiber-2009-151038.html    Veröffentlicht: 24.09.2020 09:04    Kurz-URL: https://glm.io/151038

Golem on Edge

Ein Sekt auf Glasfiber!

Meine Datsche bekommt bald FTTH, darauf muss angestoßen werden! Das Verständnis für Glasfaser fehlt leider bei Nachbarn wie bei Kollegen.

Feste soll man feiern, wie sie fallen, heißt es. Das gilt insbesondere in jenen kleinen Dörfern, in denen ansonsten nicht viel los ist. Das geht auch schon mal so weit, dass ich mit den Nachbarn meiner Datsche auf einen Stadtratsbeschluss anstoße, standesgemäß natürlich mit Rotkäppchen-Sekt. Die gesamte Kommune bekommt einen zu 100 Prozent geförderten Glasfaserausbau - FTTH in der Provinz. Was das bedeutet, verstehen aber noch nicht alle und der Beschluss wird teils argwöhnisch beäugt.

Dass ich mich über die Nachricht wie über die Erfüllung eines lang gehegten Kindheitstraums freue, liegt an meiner bisherigen Not. Denn noch vor nicht allzu langer Zeit war an Internetnutzung oder gar Homeoffice in meiner Datsche kaum zu denken. Nur mit einiger Mühe habe ich mir eine mehr oder weniger brauchbare Übergangslösung gebastelt.

Denn die Sache mit dem FTTH-Ausbau hat sich bereits seit längerem angedeutet. Schon vor mehreren Jahren gab es Studien über Bedarf und Möglichkeiten zum Ausbau. Doch tatsächlich geändert hatte sich lange nichts, bis der Bund und der Freistaat Sachsen endlich die notwendigen Förderprogramme auflegten. Der zuständige Stadtrat nahm die Gelegenheit glücklicherweise direkt in die Hand. In einigen Nachbarkommunen ist das unverständlicherweise bisher nicht passiert.

Auch wenn sich die Nachbarn bisher nicht viel aus dem Internet und neuer Technologie gemacht haben, verstehen sie, dass ich, meine Arbeit und überhaupt die jüngere Generation davon abhängig sind. Nach dem ein oder anderen Sekt und der ersten Freude folgen dann auch noch ein paar Fragen zu diesem neuen Internet, das dann hoffentlich bald in unseren Häusern liegen wird.

Glasfiber-Internet - die Zukunft

Die naheliegende Frage der Nachbarn ist, wie denn das Internet über Glasfiber übertragen werden kann. Daraufhin schauen wir uns in versammelter Runde kurz allesamt leicht verwirrt an - ich verstehe die Frage nicht, sie wiederum sind darüber verwundert.

Es dauert eine kleine Weile, bis ich verstehe, dass damit die etwa 1 Meter hohen, meist gelben GFK-Stäbe gemeint sind, die hier seit Jahrzehnten in jedem Garten stehen, um etwa rankenden Pflanzen wie Tomaten den notwendigen Halt zu geben. Dass diese Stäbe nun nicht reihenweise im Straßengraben verbuddelt werden, ahnten zwar auch die Nachbarn, jedoch nicht so ganz. Was denn dann?

Das ist schnell erklärt. Die Erkenntnis, dass wir hier auf dem Dorf dann eine bessere Internetverbindung bekommen, als ich in der Hauptstadt habe, sorgt für Zufriedenheit und ist Grund genug für noch ein Gläschen.

Jede Menge Kohle für die Provinz

Leicht getrübt wird mein Freudentaumel nach der frohen Kunde nur durch die wohl nicht ganz ernst gemeinte Missgunst der Kollegen. Diese bezieht sich einerseits auf das teils immer noch sehr schlechte Netz in der Stadt, was ich selbst gut nachvollziehen kann. Andererseits aber eben auch auf die mit dem FTTH-Ausbau verbundene "Steuerverschwendung", wie einer der Kollegen dies prägnant genannt hat. Das ist natürlich nur mit einem Augenzwinkern zu verstehen und dem flappsigen Umgang untereinander geschuldet.

Der Kommentar hat aber auch einen wahren Kern. Immerhin ist der Ausbau mit rund 18.000 Euro pro Haushalt durchaus teuer. Als Nutznießer der Förderung würde ich selbst den Ausbau natürlich nie als Verschwendung bezeichnen. Denn zahlen muss ich so für das FTTH-Glück eben nichts. Und dank der vermeintlichen Steuerverschwendung bleibt mir dann noch Geld für andere wichtige Sachen. Besseren Sekt zum Beispiel.

Was bisher geschah:

 (sg)


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