Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/prestigefrage-chinesische-regierung-bevorzugt-schliessung-von-tiktok-in-usa-2009-150827.html    Veröffentlicht: 12.09.2020 12:56    Kurz-URL: https://glm.io/150827

Prestigefrage

Chinesische Regierung bevorzugt Schließung von Tiktok in USA

Wenn Tiktok verkauft würde, sähe es so aus, als hätten Bytedance und China dem Druck der US-Regierung nachgegeben.

Der Konflikt um Tiktok verschärft sich. Bevor Bytedance das US-Geschäft der Video-App abgibt, soll sie dort lieber geschlossen werden. Einen Verkauf an ein US-Unternehmen lehnt die chinesische Regierung aus Prestigegründen ab.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump sieht in Tiktok eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA und hat ein Verbot der beliebten App angekündigt. Alternativ soll Bytedance sein US-Geschäft verkaufen. Zu den Interessenten gehören die Softwarekonzerne Microsoft und Oracle

Die Ausfuhr von KI wurde eingeschränkt

Die Regierung in Peking ist jedoch gegen einen Verkauf, sie bevorzugt eine Abschaltung der App in den USA. Ein Verkauf würde sich für Bytedance zwar lohnen - das Unternehmen verlangt für sein US-Geschäft immerhin 30 Milliarden US-Dollar. Doch ein Verkauf wäre dennoch schädlich, glauben die Offiziellen. Weil er auf Druck der US-Regierung erfolge, lasse er Bytedance und China schwach erscheinen. Das berichtet die britische Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei Quellen mit Insiderwissen.

Bytedance teilte Reuters in einer Stellungnahme mit, es habe keine Einflussnahme seitens der Behörden gegeben, dass das Unternehmen sein Geschäft in den USA oder anderswo aufgibt. Die Regierung in Peking hat aber bereits Maßnahmen ergriffen, um einen Verkauf von Tiktok zu erschweren: Sie hat Ende August Regeln erlassen, nach denen bestimmte KI-Anwendungen nur noch mit offizieller Genehmigung ins Ausland verkauft werden dürfen.

Könnte die Regierung einen Tiktok-Verkauf verhindern?

Das System von Tiktok funktioniert nur mit Algorithmen, die unter diese Regelung fallen. Damit das Angebot auch weiterhin in den USA nutzbar wäre, müssten die Algorithmen und die Software aber an den Käufer übergehen. In letzter Konsequenz könnte die chinesische Regierung also den Verkauf möglicherweise verhindern. Die Regierung hat betont, dass die Regeln nicht auf bestimmte Unternehmen abzielten. Sie hat aber keine Zweifel gelassen, dass sie sie durchsetzen wird.

Bei einer regelmäßig stattfindenden Pressekonferenz in Peking am 11. September kritisierte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums das Vorgehen der US-Regierung in der Angelegenheit. Sie missbrauche Konzept der nationalen Sicherheit. Er forderte die US-Regierung auf, ausländische Unternehmen nicht weiter zu unterdrücken.

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