Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hohe-verbrauchswerte-umwelthilfe-fordert-ende-der-plugin-hybrid-foerderung-2009-150659.html    Veröffentlicht: 03.09.2020 14:11    Kurz-URL: https://glm.io/150659

Hohe Verbrauchswerte

Umwelthilfe fordert Ende der Plugin-Hybrid-Förderung

In diesem Jahr sind bereits mehr Plugin-Hybride als vollelektrische Autos verkauft worden. Die DUH kritisiert nach Abgasmessungen deren Förderung.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert die Bundesregierung dazu auf, die Förderung von Plugin-Hybriden sofort zu stoppen. "Durch ein absurdes Labor-Testverfahren werden niedrige Verbrauchs- und CO2-Werte versprochen. In Wirklichkeit sind die meisten Plugin-Hybride auf Extrembeschleunigung entwickelt und zeigen auf der Straße dramatisch abweichende CO2-Emissionen, weit über denen vergleichbarer reiner Verbrenner-Pkws", teilte die DUH mit. Daher solle die Regierung auf dem Autogipfel in der kommenden Woche "diese industrie- wie klimapolitisch absurde Fehlsteuerung" beenden, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Begründet wird die Forderung mit neuen Abgasmessungen.

Die staatliche Verkaufsförderung von Plugin-Hybriden ist seit Jahren umstritten. Denn viele Fahrzeuge verfügen nur über eine geringe Reichweite, so dass der rein elektrische Betrieb nur sehr eingeschränkt möglich ist. Für die Förderung spielt es hingegen keine Rolle, ob die Fahrzeuge überhaupt elektrisch betrieben werden.

Die Autohersteller können mit dem theoretisch niedrigen CO2-Wert der Hybride dennoch ihren Flottenverbrauch senken. Durch die doppelte Antriebstechnik und die Batterie sind Plugin-Hybride aber deutlich schwerer als reine Verbrenner.

Sehr hohe CO2-Werte gemessen

Selbst eine Luxuslimousine wie der Mercedes S 560 e soll als Plugin-Hybrid nur einen kombinierten Benzinverbrauch von etwa 2,5 Liter pro 100 Kilometer aufweisen und knapp 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Solche Verbrauchswerte hängen jedoch stark vom Nutzungsprofil ab. Je mehr ein Plugin-Hybrid gefahren wird, desto häufiger dürfte der Verbrennermodus genutzt werden.

Es wundert daher nicht, dass im Verbrennermodus die angegebenen Emissionswerte stark überschritten werden. Das hat auch eine Untersuchung des DUH-eigenen Emissions-Kontroll-Instituts (EKI) ergeben. "Mit 499 g CO2/km emittiert beispielsweise der als angeblich besonders umweltfreundlich steuerlich geförderte Monster-SUV Porsche Cayenne Plugin-Hybrid im Fahrmodus Sport Plus mehr als das Fünffache des seit 2020 verbindlichen EU-Flottengrenzwerts", teilt die Umwelthilfe mit. Dieser Grenzwert liegt bei 95 g CO2/km.

Flottenwerte um das Doppelte überschritten

Die Aussagekraft solcher Messungen steht jedoch auf einem anderen Blatt. Denn im genannten Fahrmodus Sport Plus wird laut Messbericht (PDF) der Akku durch den Benzinmotor aufgeladen. Das ist sicherlich nicht besonders umweltfreundlich und bei manchen Plugin-Hybriden gar nicht möglich. Aber selbst im Hybridmodus stößt der Cayenne bei leerem Akku rund 200 g CO2 pro km aus.

Dementsprechend haben die Messungen der DUH ergeben, dass bei den getesteten Fahrzeugen von Porsche, Volvo, BMW und Mercedes die Abgaswerte im Verbrennermodus den EU-Flottengrenzwert um mehr als das Doppelte überschreiten. Das hängt einem Hintergrundpapier (PDF) zufolge auch damit zusammen, dass Plugin-Hybride "überdurchschnittlich häufig große und hochmotorisierte Fahrzeuge" sind. Derzeit seien 50 Prozent aller Plugin-Hybride SUVs.

Viel mehr Plugin-Hybride im Angebot

Im Schnitt wiesen die derzeit angebotenen Plugin-Hybride durch die beiden Motoren eine Leistung von 250 Kilowatt (335 PS) auf, schreibt die DUH unter Verweis auf ein Greenpeace-Papier (PDF). Die durchschnittliche Leistung aller 2019 in Deutschland zugelassenen Pkw lag hingegen nur bei 117 Kilowatt (158 PS), was aber ebenfalls schon einen neuen Rekord darstellte.

Die Umwelthilfe kritisiert zudem, dass vor allem die deutschen Oberklasse-Hersteller deutlich mehr Plugin-Hybride als vollelektrische Modelle im Angebot hätten: "Sie bieten derzeit 43 Plugin-Modelle an, aber nur sechs Elektroautos." Dabei seien Plugin-Hybride ein "Etikettenschwindel". "Bei der Fahrzeugnutzung spielt der Elektromotor eine untergeordnete Rolle, beim Marketing des Fahrzeugs dafür umso mehr. Die Autoindustrie bewirbt Plugin-Hybride als E-Fahrzeuge und Elektroautos, wohl wissend, dass diese Begriffe mit batterieelektrischen Fahrzeugen und deren klimafreundlichem Potenzial assoziiert sind", schreibt die DUH.

Hohe Verkaufszahlen

Bei den Käufern kommen die "Pseudostromer", wie sie die DUH nennt, derzeit jedoch gut an. So seien in diesem Jahr bis einschließlich Juli bereits mehr als 68.000 Plugin-Hybride, hingegen nur rund 61.000 vollelektrische Autos neu zugelassen worden, heißt es dazu. In den vergangenen beiden Jahren lagen die Zulassungszahlen für reine Elektroautos deutlich über denen der Plugin-Hybride.

Die DUH fordert in dem Papier die Abschaffung des Umweltbonus und der Innovationsprämie für Plugin-Hybride, die mehr als 95g CO2/km im reinen Verbrennerbetrieb ausstoßen. Im reinen Elektroantrieb solle die Obergrenze bei 180 Wh/km liegen. Das solle auch für die Dienstwagenbesteuerung gelten. Zudem fordert die Umwelthilfe realistische Verbrauchsangaben für Plugin-Hybride, sowohl für den Verbrennermodus als auch für den Batterieantrieb.

Reichweite wird wichtiger

In den vergangenen Tagen haben sowohl Volkswagen als auch Mercedes-Benz neue Plugin-Modelle angekündigt. Mit 80 Kilometern Reichweite wie beim Golf oder 100 Kilometern wie bei der S-Klasse soll der rein elektrische Fahrbetrieb damit deutlich gesteigert werden. Die doppelt so großen Batterien erhöhen jedoch wiederum das Fahrzeuggewicht.

Die Reichweite ist künftig jedoch für die steuerliche Begünstigung für Dienstwagen wichtig. Um begünstigt zu werden, muss der CO2-Ausstoß unter 50 Gramm pro Kilometer liegen oder eine bestimmte elektrische Reichweite erzielt werden. Demnach muss bei Anschaffungen zwischen 2022 und 2024 die rein elektrische Reichweite 60 Kilometer betragen, während bislang 40 Kilometer ausreichten. Danach muss der Akku sogar für 80 Kilometer reichen, wenn der CO2-Ausstoß von 50 Gramm pro Fahrtkilometer überschritten wird. Dieser Wert soll dann nach dem Prüfzyklus WLTP ermittelt werden.

 (fg)


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