Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/schenker-xmg-apex-15-im-test-der-weltschnellste-plastikbomber-2009-150653.html    Veröffentlicht: 08.09.2020 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/150653

Schenker XMG Apex 15 im Test

Der weltschnellste Plastikbomber

Im Schenker XMG Apex 15 steckt ein Ryzen 9 3950X mit gleich 16 Kernen im Eco-Mode. Wie schlägt der sich gegen die Desktop-CPU?

Besonders schnelle Notebooks, also mobile Workstations oder Desktop Replacements, gibt es schon sehr lange. Derartige Geräte bedienen relevante Nischen für etwa Konstruktionsanwendungen vor Ort oder das schnelle Testen von Code oder von Serveranwendungen.

Gesockelte Prozessoren in einem Notebook sind ebenfalls nicht neu, das, was Schenker anbietet, jedoch schon: Im aufrüstbaren XMG Apex 15 rechnet nämlich das AM4-Topmodell, der Ryzen 9 3950X (Test) mit 16 Kernen - ein Novum, selbst für ein Desktop Replacement.

Technische Basis des XMG Apex 15 ist ein bekanntes Clevo-Barebone: Das NH57AF1-Modell misst 361 x 258 x 32,5 mm bei 2,6 kg - für ein solches Notebook durchaus kompakt. Auch wenn die Basiseinheit aus Kunststoff besteht, so fällt sie doch äußerst stabil aus, die Tastatur gibt einzig bei sehr viel Druck nach. Der Deckel hingegen ist kaum verwindungssteif, dafür aber selbst mit dem Daumen zu öffnen.

Der Laptop weist einen HDMI-2.0b- und einen Mini-Displayport 1.4 (mit G-Sync-Unterstützung) auf, hinzu kommt eine USB-3.2-Gen2-Type-C-Buchse für Daten oder einen weiteren Bildschirm (DP-Alt-Mode). Mehrere USB-Type-A, ein Micro-SD-Kartenleser, ein RJ-45 für Gigabit-Ethernet, zwei 3,5-mm-Audioklinken, Kopfhörer sowie Mikrofon und eine Öse für ein Kensington-Schloss runden die Anschlüsse ab.

Zumindest Rechtshänder dürften sich allerdings über den weit vorne positionierten USB-Port ärgern, eine verkabelte Maus muss daher links eingesteckt werden. Hintergrund ist der rechts hinten positionierte Lüfterauslass, der sich als dritter zu den beiden nach hinten orientierten gesellt. Zudem fragen wir uns, warum Schenker statt des Micro-SD-Kartenlesers keinen regulären verbaut hat, denn Platz wäre genug.

Bei der Tastatur setzt Schenker auf ein in 15 Farben vierstufig hintergrundbeleuchtetes Chiclet-Design. Dank normal großer Pfeiltasten und einem Ziffernblock eignet sich das XMG Apex 15 gut zum Coden, wenngleich das Tippgefühl trotz mittelhartem Anschlag längst nicht an beispielsweise Lenovos Thinkpad-Workstations heranreicht.

Auch das Clickpad ist nur durchschnittlich, dafür gefallen uns grundsätzlich die beiden dedizierten Maustasten - auch wenn der Druckpunkt besser ausfallen könnte. Der Fingerabdrucksensor unterstützt Windows Hello.

Schauen wir uns an, welches Display und welche Hardware im XMG Apex 15 verbaut sind und wie der Ryzen 9 3950X als Laptop-Version abschneidet.

Auch der Akku ist wechselbar

Beim Panel setzt Schenker auf ein Modell von Panda, es nutzt IPS-Technik und löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln bei 144 Hz auf. Die maximale durchschnittliche Helligkeit liegt bei 327 Candela pro Quadratmeter, was aufgrund der matten Ausführung bei mäßiger Sonneneinstrahlung noch im Außeneinsatz ausreicht. Der sRGB-Farbraum wird zu 95 Prozent abgedeckt, der Adobe-Farbraum zu 70 Prozent und der DCI-P3-Farbraum zu 74 Prozent.

Unten am XMG Apex 15 befindet sich eine Bodenplatte, die mit neun Schrauben fixiert ist. Darunter verbirgt sich die gesockelte Ryzen-CPU in einem Sockel AM4, dazu ein B450-Chip und zwei SO-DIMM-Slots für DDR4-3200-Arbeitsspeicher. Hinzu kommen zwei M.2-2280-Steckplätze für NVMe/Sata-SSDs und ein 2,5-Zoll-Schacht für HDDs/SSD.

Der 62-Wattstunden-Akku ist verschraubt und lässt sich daher ebenfalls leicht wechseln. Geladen wird er per externem 230-Watt-Netzteil, wobei die Laufzeit kaum über eine Stunde hinausreicht. Bei 200 cd/m² erreichen wir selbst im Futuremark Powermark, welcher leichtes Webbrowsing simuliert, nur niedrige 1:07 Stunden. Im Akkubetrieb sinkt die CPU/GPU-Leistung zudem drastisch.

Für den Ryzen 9 3950X verwendet Schenker die hochwertige Thermal Grizzly Kryonaut als Wärmeleitpaste, ungeachtet dessen erreicht die CPU unter Blender-Vollast bis zu 91 Grad Celsius (Tdie). Der Prozessor lässt sich per vorinstalliertem Control Center 3.0 in vier Modi betreiben: Lautlos, Stromspar, Unterhaltung und Leistung.

Zumindest in Letzterem werden die beiden Lüfter des XMG Apex 15 sehr laut, die anderen sind gut hörbar bis kaum vernehmlich. Das liegt am sogenannten Package Power Target.

16 Eco-Kerne sind äußerst stark

Je nachdem, welcher Modus ausgewählt ist, ändert sich intern die gestattete maximale Leistungsaufnahme des Ryzen 9 3950X. Als echter Desktop-Chip mit nominell 105 Watt darf der Chip bis zu 142 Watt PPT (Package Power Target) nutzen, als Eco-Version sind es 65 Watt und damit 88 Watt PPT. Diesen Modus hat Schenker als Standard integriert - die drei anderen sind mit 65 Watt PPT, mit 45 Watt PPT und mit 32 Watt PPT hinterlegt.

Wir haben mit Blender und dem Faststone Image Viewer getestet, wie sich die vier Modi des XMG Apex 15 verglichen mit der Desktopversion auswirken. Blender rendert auf allen 16 Kernen respektive 32 Threads, der Faststone Image Viewer hingegen wandelt nur fünf Fotos in einem Rutsch um - ist also ziemlich moderat parallelisiert.

An den Desktop-3950X mit 142 Watt PPT kommt der Mobile-3950X mit 88 Watt PPT bei Multithreading nicht heran, er schlägt in Blender allerdings den 12-kernigen Ryzen 9 3900X mit 142 Watt PPT. Bei 65 Watt PPT reicht es noch, um den Ryzen 7 3800X zu überholen. Bei 45 Watt PPT und 32 Watt PPT aber bricht die Performance völlig ein.

Neben dem Ryzen steckt im XMG Apex 15 eine Geforce RTX 2060 Refresh oder eine Geforce RTX 2070 Refresh, welche GDDR6-Videospeicher mit weniger Spannung nutzen. Die GPUs eignen sich für Raster- und Raytracing-Spiele, aber auch für Anwendungen: Die RT-Cores beschleunigen Optix in Blender, zudem Adobes Dimension, Luxions Keyshot und Glare Technologies' Indigo.

Die Tensor-Cores wiederum sorgen für mehr Geschwindigkeit bei etwa dem Color Grading in Blackmagics Davinci Resolve oder bei Adobes Lightroom CC Classic (Enhance Details) und in Adobes Premiere Pro (Auto Reframe). Für Letzteres lässt sich der GPU-Encoder (NVENC) überdies zum schnelleren Export verwenden.

XMG Apex 15: Verfügbarkeit und Fazit

Schenker verkauft das XMG Apex 15 über den eigenen Webshop-Konfigurator: Die Basisversion mit einem sechskernigen Ryzen 5 3600 samt 8 GByte DDR4-2666, einer Geforce RTX 2060 Refresh und einer 250-GByte-Sata-SSD kostet rund 1.400 Euro.

Unser Modell mit 16-kernigem Ryzen 9 3950X mit 64 GByte DDR4-3200, einer Geforce RTX 2070 Refresh und einer 1-TByte-NVMe-SSD liegt bei knapp 2.600 Euro. Davon ausgehend lassen sich eine zweite M.2- und eine 2,5-Zoll-SSD nachrüsten, Windows 10 Home oder Pro wird optional vorinstalliert.

Fazit

Das XMG Apex 15 ist der weltschnellste Plastikbomber: Kein anderes 15-Zoll-Notebook hat eine so hohe CPU-Leistung wie das Desktop Replacement von Schenker. Allerdings sollte der voreingestellte Leistungsmodus des 16-kernigen Ryzen 9 3950X nicht angefasst werden, sonst ist er nicht schneller als etwa ein achtkerniger Core i9-10980HK, wie er in allerhand anderen Laptops verbaut wird.

Hinsichtlich der restlichen Ausstattung, egal ob das matte 1080p-Display mit 144 Hz oder die externen wie internen Anschlüsse, sticht das XMG Apex 15 nicht aus der Masse heraus. Aufrüstbarer Speicher und bis zu drei SSDs gibt es jedoch bei kaum einem anderen 15-Zoll-Notebook.

Einzig Eurocom bietet mit dem Nightsky ARX15 das gleiche Barebone samt dem Ryzen 9 3950X an - bei gleicher Ausstattung kostet es aber 1.200 Euro mehr als das XMG Apex 15. Wer maximale Prozessor-Performance in portabler Form benötigt, sollte dem Schenker-Laptop also eine Chance geben.

Wem ein 16-kerniger Ryzen 9 3950X allerdings nicht ansatzweise ausreicht, dem legen wir den A-X2P von Media Workstations nahe: Hier gibt's bis zu zwei Epyc 7742 mit zusammen 128 Kernen samt 2 TByte RAM und zwei Tesla GV100 sowie 20 TByte Speicherplatz. Mit 25 kg und einem Kaufpreis von fast 30.000 Euro hat die Koffer-Workstation allerdings wenig mit einem Notebook gemein.

 (ms)


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