Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/remarkable-2-im-test-besser-gehen-digitale-notizen-nicht-2008-150497.html    Veröffentlicht: 27.08.2020 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/150497

Remarkable 2 im Test

Besser gehen digitale Notizen nicht

Die zweite Version des E-Ink-Notizbuchs wirkt wesentlich edler als die erste, was vor allem am schlanken Aluminiumgehäuse liegt. Für digitale handschriftliche Notizen bleibt Remarkable der Maßstab.

Handschriftliche Notizen haben gegenüber der Texteingabe mit Tastatur viele Vorteile: Häufig sind sie schneller angefertigt, zudem können Zeichnungen und andere Markierungen leichter eingebunden werden. Auch im Zeitalter der Smartphones und Tablets ist die Handschrift nicht ausgestorben - im Gegenteil: Apple setzt weiterhin auf das iPad Pro mit dem Apple Pencil, auch Samsung gibt seine Note-Reihe nicht auf.

Remarkable bleibt beim neuen Remarkable 2 bei seinem Sonderweg: Dank eines E-Ink-Displays mit matter Oberfläche und spezieller Stifte fühlen sich handschriftliche Eingaben an, als würden wir sie auf Papier schreiben. Die Aufzeichnungen lassen sich anschließend per OCR leicht in getippten Text umwandeln - eine Brücke zur digitalen Weiterverarbeitung. Das Remarkable 2 zeigt in unserem Test eindrücklich, dass es im Bereich papierrealistischer digitaler Notizen unschlagbar ist.

Das Remarkable 2 wirkt verglichen mit dem Vorgänger wesentlich hochwertiger. Das Kunststoffgehäuse mit Aluminiumplatte auf der Rückseite ist einem Metallgehäuse mit Glasrückseite gewichen, das nur noch 4,7 mm dünn ist. Bereits das erste Remarkable-Tablet war mit 6,4 mm dünn, das neue Modell hingegen toppt das noch einmal. Trotz der geringen Dicke ist das Remarkable 2 stabil und liegt gut in der Hand.

Schlankes Gehäuse ohne Menüknöpfe

Auf die drei Bedienungsknöpfe des ersten Modells unterhalb des 10,3 Zoll großen E-Ink-Displays hat der Hersteller beim Remarkable 2 verzichtet - stattdessen wird das Tablet komplett über den Bildschirm bedient. Das stellt im Alltag keinen Nachteil dar, das Gehäuse wirkt dadurch aufgeräumter. Auf der Rückseite sind vier kleine Gumminoppen angebracht, die verhindern, dass das Tablet bei der Nutzung verrutscht.

Der Einschalter ist in der linken oberen Ecke des Gehäuses verbaut. Nach dem ersten Einschalten des Remarkable 2 müssen wir unsere Kontendaten angeben oder ein neues anlegen. Ohne Benutzerkonto lässt sich das Gerät nicht verwenden. Dies ist einer umfangreichen Synchronisation der Daten auf dem Remarkable 2 geschuldet - dazu später mehr. Nach der Einrichtung schauen wir auf den vom ersten Remarkable gewohnten Startbildschirm mit der Übersicht unserer bisherigen Aufzeichnungen. Sie werden automatisch mit unserem neuen Modell synchronisiert, wir können also im Grunde da weitermachen, wo wir mit dem alten aufgehört haben.

Wie beim ersten Remarkable verwenden wir für handschriftliche Eingaben auch beim neuen Modell wieder einen speziellen Stift. Dieser wirkt hochwertiger als beim ersten Modell und lässt sich seitlich am Tablet magnetisch befestigen - das war beim Remarkable 1 nicht möglich und ist im Alltag sehr praktisch. Der Stift verwendet wieder spezielle Spitzen, die sich wie ein Bleistift abnutzen - allerdings nicht ganz so schnell. Dem Stift liegen zehn Spitzen bei, die eine Weile halten sollten.

Spezielle Stifte für Schreibgefühl wie auf Papier

Der Stift des Remarkable 2 hat 4.096 Druckstufen und erkennt, wenn man ihn schräg hält. So können wir beispielsweise mit der Bleistifteinstellung schraffieren. Uns stehen insgesamt sieben Stifteingaben zur Verfügung, die sich alle im Schriftbild und bei der Reaktion während der Eingabe unterscheiden: Kugelschreiber, Fineliner, Bleistift, Druckbleistift, Pinsel und Textmarker.

Das Schreibgefühl ist wie beim Vorgängermodell ziemlich einzigartig und kommt dem Gefühl, das wir beim Schreiben auf Papier haben, wieder sehr nahe. Dank der matten Displayoberfläche und der speziellen Spitze des Stiftes entsteht beim Schreiben ein leicht schleifendes Gefühl, das sich so anfühlt, als würden wir mit einem Bleistift oder einem dünnen Fasermaler auf einem Blatt Papier schreiben. Rutschen wir bei einem iPad mit dem Apple Pencil förmlich über das spiegelglatte Display, gibt es beim Remarkable 2 einen leichten Widerstand - wie bei Papier eben auch.

Besonders längere Aufzeichnungen fühlen sich daher sehr natürlich an und sind für uns ermüdungsfrei. Für alle Eingabemöglichkeiten - bis auf den Textmarker - stehen und drei Einstellungen für die Dicke des Stifts zur Verfügung. Außerdem können wir Text in Schwarz, Grau oder Weiß eingeben. Farben kann auch die zweite Version des Remarkable nicht darstellen. Das haben wir im Alltag allerdings nicht vermisst, auch nicht beim Textmarker. Mit diesem können wir Text grau hinterlegen.

Neuer Marker Plus für einfaches Radieren

Um mit dem Standardstift zu radieren, müssen wir die entsprechende Funktion in der Einstellungsleiste der Benutzeroberfläche aktivieren. Einfacher geht das Radieren mit dem Marker Plus, einem neuen, zweiten Stift von Remarkable. Dieser hat am Ende einen druckempfindlichen Aufsatz montiert, der als Radierer fungiert: Wir müssen also wie bei einem Bleistift den Stift nur umdrehen und können losradieren. Ansonsten entspricht der Marker Plus in den Funktionen dem normalen Eingabestift.

Praktisch finden wir bei unseren Aufzeichnungen wieder die Möglichkeit, bereits eingegebenen Text zu markieren und zu verschieben. So lassen sich in Aufzeichnungen nachträglich noch Inhalte einfügen - das ist auf Papier so nicht möglich. Hilfreich sind auch die auswählbaren Hintergrunde: Wir können nicht nur auf Blankopapier schreiben, sondern verschiedene linierte oder karierte Hintergrunde wählen.

Auch Tagesplaner oder perspektivische Vorlagen zum Zeichnen sind auswählbar. Diese können im Nachhinein wieder entfernt werden, ohne die Eingaben zu löschen. Mit dem nötigen Talent lässt es sich auf dem Remarkable 2 auch sehr gut zeichnen, besonders mit dem gut auf Schrägstellung und Druck reagierenden Bleistift.

Wie beim ersten Remarkable können wir unsere Aufzeichnungen in verschiedenen Notizbüchern organisieren. Wir können die Notizen schlicht auf dem Remarkable 2 verwenden, oder aber mit einem PC synchronisieren und dort nutzen. Auch beim neuen Modell ist es leider noch nicht möglich, das Tablet als externes Speichergerät einfach an einen PC anzuschließen und die Dateien auszutauschen. Stattdessen müssen wir die Online-Synchronisation verwenden, für die wir ein Programm auf dem Computer installieren müssen. Alternativ ist auch eine Übertragung per Kabel möglich, diese hat aber immer noch Betastatus und verwendet eine interne Webseite als Filebrowser - eine Nutzung ohne Cloud ist damit aber in unserem Test problemlos möglich.

Remarkable wird die Synchronisation wohl aus Komfortgründen eingerichtet haben, wir finden es aber unpraktisch, auf einem Rechner immer erst ein Programm installieren zu müssen - oder bei Kabelnutzung eine IP-Adresse in den Browser einzugeben. Ist die Verbindung zwischen PC und Remarkable 2 hergestellt, können wir unsere Dateien einfach auf den Rechner kopieren oder PDF- und EPUB-Dateien auf das Tablet ziehen.

Handschriftumwandlung funktioniert überraschend gut

Handschriftlich eingegebene Texte können wir nicht nur im Originalformat auf einem anderen Gerät nutzen, sondern auch als getippten Text. Dafür hat das Remarkable 2 eine ausgesprochen gut funktionierende OCR-Software installiert, die sogar unsere Sauklaue halbwegs fehlerfrei entziffern kann. Unsere Aufzeichnungen können wir direkt aus der Notiz heraus einlesen und per E-Mail versenden lassen, was ohne Probleme funktioniert. Wir können alternativ auch die handschriftliche Aufzeichnung versenden, ohne sie zu konvertieren.

Wie beim ersten Remarkable ist auch der Live-View wieder möglich: Ist die PC-Anwendung von Remarkable geöffnet, lassen sich die Bildschirminhalte des Tablets auf einen Computer spiegeln. Das ist praktisch, um Aufzeichnungen zu präsentieren. Für unterwegs ist das Chrome-Plugin von Remarkable praktisch: Damit können wir Webseiten als Notiz auf dem Tablet speichern und später lesen - oder auch Anmerkungen darin machen.

Remarkable hat sein Tablet so konstruiert, dass Nutzer möglichst fokussiert arbeiten sollen. Daher ist es nicht möglich, etwa über einen eingebauten Browser Internetseiten oder E-Mails abzurufen. Das Gerät nutzt WLAN, allerdings nur, um Dateien zu versenden und sich zu synchronisieren. Der Akku des Remarkable 2 hat eine Nennladung von 3.000 mAh und hält Tage, wenn nicht sogar Wochen. Dank des E-Ink-Displays sinkt der Akkustand bei Nichtbenutzung des Tablets praktisch kaum.

Verfügbarkeit und Fazit

Remarkable verkauft das Remarkable 2 aktuell auf seiner Webseite im Startangebot für 400 Euro. Das beinhaltet das Tablet, den Marker, eine Stoffhülle und kostenlosen Versand.

Wer den Marker Plus mit eingebauter Radierfunktion dazuhaben möchte, muss 40 Euro extra zahlen. Das Buch-Cover aus grauem Stoff kostet 20 Euro extra, das aus schwarzem oder braunem Leder 70 Euro.

Fazit

Für digitale handschriftliche Notizen bleibt Remarkable das Nonplusultra. Das Remarkable 2 bietet wieder eine weitgehend latenzfreie Eingabe auf einem E-Ink-Display, das stromsparend ist und sich dank der Oberfläche und den speziellen Stiftspitzen wie Schreiben auf Papier anfühlt.

Das Remarkable 2 wirkt wesentlich hochwertiger als sein Vorgänger, auch der Stift fühlt sich edler an. Mit dem Marker Plus steht zudem ein Stift zur Verfügung, bei dem wir die Radierfunktion nicht extra über die Benutzerfläche aktivieren müssen. Besonders für diejenigen, die auf dem Remarkable 2 zeichnen wollen, sollten sich die 40 Euro extra dafür lohnen.

Positiv überrascht waren wir von der Handschrifterkennung, die auch unsere eher unsaubere Schrift erkennt und transkribiert - mit kleinen und erwartbaren Fehlern. Einen derartig umgewandelten Text können wir gleich per E-Mail verschicken, was besonders bei Notizen wie Protokollen praktisch ist, die auch anderen zur Verfügung gestellt werden sollen.

Das Remarkable 2 ist wie sein Vorgänger allerdings ein "one trick pony", also ein Gerät, das tatsächlich nur für eine Sache gut ist. Als solches ist es aber gedacht: Nutzer sollen mit dem Remarkable 2 nicht Surfen oder E-Mails beantworten, sondern in Ruhe Notizen machen. Diese Beschränkung mögen manche zu strikt finden, wir halten sie für konsequent.

Etwas stört uns die Tatsache, dass wir das Gerät immer noch nicht einfach an unseren Rechner anschließen und über den Datei-Explorer Daten austauschen können. Andererseits funktioniert die Synchronisation über die Cloud problemlos und zuverlässig.

Billig ist das Remarkable 2 nicht unbedingt, wenn man bedenkt, dass es nur für Notizen gut ist. Vergleichen wir das Schreibgefühl allerdings mit dem eines Tablets, beispielsweise eines iPad Pros, so lohnt sich die Ausgabe unserer Meinung nach, besonders für Vielschreiber. Näher als Remarkable kommt kein anderer Hersteller an das Schreibgefühl auf Papier - außer, man benutzt echtes Papier.

 (tk)


Verwandte Artikel:
E-Paper-Tablet im Test: Mit Remarkable machen digitale Notizen Spaß   
(15.09.2017, https://glm.io/130062 )
Remarkable 2: Macher des E-Ink-Tablets bringen Nachfolger heraus   
(17.03.2020, https://glm.io/147305 )
E-Pad: Neues Android-Tablet mit E-Paper-Display und Stift   
(29.03.2019, https://glm.io/140346 )
E-Ink Mobius: Armbanduhr mit E-Paper-Zifferblatt   
(04.06.2013, https://glm.io/99606 )
Remarkable: Tablet mit E-Ink und Stiftbedienung   
(30.11.2016, https://glm.io/124793 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/