Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lego-super-mario-im-test-nicht-ganz-wie-auf-dem-gameboy-dafuer-aber-in-echt-2008-150246.html    Veröffentlicht: 26.08.2020 11:59    Kurz-URL: https://glm.io/150246

Lego Super Mario im Test

Nicht ganz wie auf dem Gameboy, dafür aber in echt

Klötzchengrafik trifft Klötzchen-Bausystem, aus 2D wird 3D: Lego holt den Nintendo-Klassiker vom Bildschirm in die reale Welt. Klar, dass wir das ausprobieren mussten.

Eigentlich könnte dies die kürzeste Rezension werden, die auf Golem.de je veröffentlicht wurde. Denn: Lego Super Mario macht einfach Spaß, richtig viel Spaß. Bauen, spielen, bauen, spielen, bauen, spielen und zwischendurch lustige Münzen sammeln. Fast so wie damals auf dem Nintendo Gameboy. Aber ein paar mehr Worte wollen wir hier dann doch verlieren.

Auf dem Gameboy von Nintendo haben wir damals(tm) Super Mario kennengelernt. Ganz klassisch in 8 Bit, in vier (!) Graustufen, mit kleinem Bildschirm und quäkigem Ton. Aber es war ziemlich cool. Und jetzt? Volle Lego-Farbpalette, aber in gewisser Weise immer noch herrlich pixelig - oder sollten wir lieber "blockig" sagen?

Analog zur Videospielreihe sammelt die Lego-Mario-Figur Münzen ein - in mit Legosteinen gebauten, physischen Spielleveln. Man nimmt Mario in die Hand und läuft einen Parcours ab, springt über Hindernisse (also die Mario-Figur, nicht man selbst) und schlägt sich mit allerlei Gegnern herum.

Retro und doch modern

Dreh- und Angelpunkt des Ganzen ist also besagte Super-Mario-Figur aus dem Starterset 71360 für knapp 60 Euro. Sie ist nicht vergleichbar mit den klassischen Mini-Figuren oder anderen Gestalten aus dem Lego-Universum.

Die zusammensteckbare Figur ist in Zusammenarbeit mit Nintendo entstanden und enthält einen Kleinstrechner sowie zwei LC-Bildschirme. Einer animiert Augen und Mund, der andere sitzt auf dem Bauch und zeigt laut Lego "mehr als 100 spontane Reaktionen auf verschiedene Bewegungen".

Im unteren Teil, sozusagen zwischen den Beinen, sitzt ein kleiner optischer Sensor samt Beleuchtung, mit dem Farben und Codes erkannt werden. Außerdem steckt in der Figur ein kleiner Lautsprecher, der laut Hersteller "legendäre Geräusche und Musikstücke aus dem Videospiel abspielt". Geräusche und kurze Textpassagen können wir bestätigen (die klingen richtig authentisch!). Bis zu den Musikstücken sind wir leider noch nicht vorgedrungen. Für den Spielspaß mit der Super-Mario-Figur und den Sets ist zwingend ein Tablet oder ein Smartphone notwendig. Dabei unterstützt Lego Apples iOS, Geräte auf Basis von Android sowie FireOS-Geräte von Amazon. Die Liste der offiziell unterstützten Geräte ist allerdings noch sehr überschaubar. Der Hersteller rät, man solle versuchen, die App über den jeweiligen Appstore zu laden. Lasse sie sich installieren, dann sei wahrscheinlich, dass alles klappt.

Die Kommunikation zwischen dem Gerät und der Mario-Figur erfolgt über Bluetooth. Energie bekommt Mario über zwei AAA-Batterien, die wie üblich bei Lego nicht mitgeliefert werden.



Ohne Smartphone und Tablet wird es schwierig

Nachdem die Batterien eingelegt sind und wir den Startknopf gedrückt haben, öffnet die kleine Figur ihre Augen und begrüßt uns mit dem Ausruf: "Lego Mario Time!" Bis hierhin kommen wir ganz ohne Smartphone oder Tablet - aber nicht weiter.

Das beigelegte Heftchen enthält zwar ein paar Hinweise, wie man den Super Mario zusammenbaut und viele (wirklich sehr viele) Warn- und sonstige Hinweise. Allerdings fehlt eine initiale Bauanleitung für einen ersten kleinen Parcours.

Das ist sehr schade und trübt den ganz schnellen Spielspaß direkt nach dem Auspacken durchaus. Ohne Tablet oder Smartphone hat es fast keinen Sinn, sich die Super-Mario-Reihe zu kaufen - es sei denn, man plant sowieso nur selbstgebaute Parcours kraft eigener Kreativität. Teile dafür sind im Starterset genug vorhanden.

Alle Sets zusammen kosten fast 500 Euro



Die Super-Mario-App belegt vergleichsweise viel Speicherplatz, reichlich 1 Gigabyte muss mindestens frei sein. Grund dafür sind sicher nicht die sehr gut gegliederten interaktiven Bauanleitungen, sondern die kleinen Videos, die nach jeder Etappe zeigen, wie das, was man gerade zusammengebaut hat, eingesetzt werden kann.

Die Bauanleitungen sind sehr einfach und schnell zu verstehen und stellen wohl niemanden vor große Herausforderungen. Selbst jüngere Bastelfans - Lego empfiehlt die Sets ab sechs Jahren - sollten ohne Probleme zurechtkommen, wir Alten sowieso.

Großen Spaß macht das Ausprobieren eines gerade gebauten Teilparcours und der Figuren nach den jeweiligen Bauetappen. Dafür blendet die App ein kleines Video ein. Darin wird gezeigt, wie man diesen kleinen Parcours, den man gerade gebaut hat, mit der Super-Mario-Figur abläuft und dabei bereits die ersten Münzen sammelt. Sind alle 231 Teile des Startersets verbaut, steht das erste Level: ein Parcours, auf dem man durchaus einige Minuten seinen Spaß haben kann.

Ein ganzes Mario-Universum

Doch Lego wäre nicht Lego, wenn es nicht zusätzlich zum Starterset unzählige Erweiterungsbaukästen gäbe. Aktuell zählt das Sortiment elf Erweiterungssets, vier zusätzliche "Anzüge" für Mario und als Highlight für Erwachsene ein aus Bausteinen gebautes Nintendo-Entertaimentsystem samt "Fernseher" für stolze 229,99 Euro abzüglich der derzeitigen Umsatzsteuerermäßigung von drei Prozent.



Rechnet man die aktuelle Ermäßigung ein, summieren sich die Erweiterungssets plus Marios Hosen zusammen auf fast 480 Euro. Wem das immer noch nicht reicht, der kann die zehn Mini-Sets der Mario-Charaktere-Serie hinzukaufen, die jeweils mit knapp vier Euro zu Buche schlagen. Alle Sets sind seit Anfang August im Handel.

<#youtube id="vRag82jYJBM"> Die Empfehlung für die Sets beginnt bei sechs Jahren. Das halten wir für etwas zu hoch gegriffen. Wenn Mama und Papa ihr Smart Device hergeben und eventuell an der einen oder anderen Stelle ein bisschen helfen, können auch schon Vier- und Fünfjährige ihren Spaß mit in der Lego-Super-Mario-Welt haben. Die Altersempfehlungen der Erweiterungen variieren, was anscheinend an Größe und Schwierigkeitsgrad der Sets festgemacht wurde.



Auch Marios Freunde und Gegenspieler sind vertreten

Wir haben einige der Erweiterungen ausprobiert. Das Prinzip ist überall gleich: In der App wird auf das Bild des Sets geklickt, das man zusätzlich erworben hat, man baut die erste Figur zusammen, lernt sie per gescanntem Code mit der Super-Mario-Figur kennen und das Set wird in der App eingebucht. So entsteht nach und nach eine ganze Welt bestehend aus verschiedenen Levels aka Parcours, die natürlich, sonst wäre es nicht Lego, zusammengebaut, kombiniert und umgebaut werden kann.

Eine kleine Besonderheit ist uns bei den Erweiterungen für Super Mario selbst aufgefallen. Wir hatten den "Propeller-Mario"-Anzug in unserem Rezensionspaket. Dem liegt neben einer Handvoll Bausteine überraschenderweise auch eine kurze Bauanleitung bei. Man kann also dieses Mini-Set ganz ohne App komplett aufbauen und ausprobieren.

(Fast so viel) Spaß wie beim virtuellen Original

Neben Mario selbst kommen zahlreiche Freunde und Gegenspieler aus der Mario-Computerspielewelt in Legos Mario-Universum vor: Von Joshi und Toad über Para-Gumba, Fuzzy, Stachi, Käfer, Kugelwilli, Bob-omb, Irr-Cheep, Blooper, Igluck und Spukmatz bis hin zum Erzfeind König Bowser und viele, viele weitere.

Einer fehlt aber, und das ist Luigi, der Zwillingsbruder von Super Mario. Rein spekulativ würden wir sagen, hier halten sich Lego und Nintendo eine Tür für weitere Serien offen. Warten wir es ab. Aber wo wir bereits beim Spekulieren sind - würde sich ein Lego-Super-Mario-Computerspiel nicht auch noch hervorragend im Portfolio machen ...?

Aber zurück in die Wirklichkeit und rein in die verschiedenen Spiellevel. Die Parcours sind schon ab Werk absolut kreativ aufgebaut und begeistern uns mit lustigen Fallen und Funktionen. Zum Beispiel die Piranha-Pflanze im Erweiterungsset Bewachte Festung (Guarded Fortress, Set 71362): Ein kleiner Mechanismus reagiert auf Marios Sprünge und katapultiert die Pflanze zurück in ihren Topf.

Zusätzlich gibt es natürlich die Tunnelröhren wie im Spiel damals auf dem Gameboy, außerdem kleine Katapulte, Hammer-Plattenteller, sich drehende Plattformen und noch allerlei weitere Herausforderungen, die Mario meistern muss - zusätzlich zu den eigentlichen Verbindungswegen, die Wasser, Lava oder sonstige eher unangenehme Überraschungen für Mario bereithalten. Bei alledem sammelt Mario Punkte oder verliert auch mal ein Leben, streng getrackt vom smarten Gerät, das Erfolge und Punkte auflistet.

Allerdings bleibt unklar: Wie funktioniert das Spiel an sich, also: Was ist das Spielprinzip? Weder die App noch Super Mario noch die beigelegten Faltheftchen offenbaren, wie man oder in welcher Zeit man die Level absolvieren soll.



<#youtube id="2ylaxTIgkD0"> Welche Herausforderungen sind konkret zu meistern? Und was ist das Ziel der einzelnen Level? Es bleibt den Baumeistern überlassen, was sie mit ihren Parcours machen.

Super Mario in einer neuen Dimension

Hier besteht für die Kooperation von Lego und Nintendo noch Verbesserungspotenzial. Erst mit vergleichbaren Aufgaben und Herausforderungen ergibt es Sinn, sich wie in der App vorgesehen mit anderen Spielern zu vergleichen.

Im Grunde ist alles wie damals auf dem Gameboy und später auf den anderen Nintendo-Systemen. Nur halt in 3D statt in 2D, in kunterbunten Farben und vor allem in echt, zum Anfassen, zum Bauen. Quasi Super Mario in einer ganz neuen Dimension - und derzeit noch ganz ungezügelt regellos.

 (jar)


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