Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/prozessoren-chinesische-chiphersteller-werben-von-tsmc-und-anderen-ab-2008-150234.html    Veröffentlicht: 13.08.2020 08:59    Kurz-URL: https://glm.io/150234

Prozessoren

Chinesische Chiphersteller werben von TSMC und anderen ab

Etwa 100 Spezialisten werden künftig in chinesischen Konzernen arbeiten. Diese werden mit viel Regierungskapital unterstützt.

Die von der chinesischen Regierung unterstützten Chiphersteller QXIC und HSMC haben mehr als 100 Spezialisten vom Taiwaner Unternehmen TSMC angeworben. Diese sollen dabei helfen, eine konkurrenzfähige Chipindustrie im Land aufzubauen und sich daher weniger von ausländischen Lieferanten und anderen Konzernen abhängig zu machen. Das berichtet die Wirtschaftszeitung Nikkei Asian Review mit Bezug auf interne Quellen.

Derzeit bauen Unternehmen wie Zhaoxin etwa x86-Prozessoren, die auf TSMCs Fertigungsfähigkeiten beruhen. Golem.de konnte sich den Chip anschauen und hat festgestellt: Bis zur wirklichen Konkurrenzfähigkeit mit etablierten Marken wie Intel und AMD ist noch Arbeit nötig. Unternehmen wie QXIC und HSMC wurden allerdings erst 2019 und 2017 gegründet und haben bereits ambitionierte Pläne: Das Ziel ist es, eigene 14- und 12-Nanometer-Herstellungsverfahren zu entwickeln.

Asiatische Regierungen sollen handeln

Abgeworben wurde das TSMC-Personal wohl mit sehr guter Bezahlung, die etwa 2 bis 2,5 mal so hoch sei. Dabei habe TSMC die Befürchtung, dass durch den Wechsel nicht nur technische Expertise, sondern eventuell auch Handelsgeheimnisse nach Festland-China gelangen. "Alle asiatischen Regierungen, einschließlich Taiwans Regierung, müssen sich gute Methoden ausdenken, um Expertise zu behalten, da China seinen enormen Kapitalmarkt, Regierungssubventionen und lukrative Angebote nutzen kann, um Arbeiter anzulocken", sagt ein Manager der Chip-Industrie dem Nikkei Asian Review. Dabei seien bisher insgesamt 3.000 Menschen von chinesischen Unternehmen abgeworben worden.

Unternehmen wie Huawei hatten bis vor kurzem noch Prozessoren beim Taiwaner Unternehmen TSMC in Auftrag gegeben, neben US-Konkurrenten wie AMD und Apple. Das Problem: Durch Handelsbeschränkungen der USA darf TSMC nicht mehr ohne Weiteres für chinesische Unternehmen produzieren, solange in der Fertigung auch US-amerikanische Teile und Werkzeuge verwendet werden. Das Embargo scheint nicht für alle US-Konzerne ein Vorteil zu sein. So verliere etwa Qualcomm viel Geld an Samsung und Mediatek, die aus Südkorea und Taiwan stammen.

 (on)


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