Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kimmy-vs-the-reverend-kimmy-schmidt-endet-interaktiv-2008-150150.html    Veröffentlicht: 10.08.2020 08:41    Kurz-URL: https://glm.io/150150

Kimmy vs. the Reverend

Kimmy Schmidt endet interaktiv

Bei The Unbreakable Kimmy Schmidt: Kimmy vs. the Reverend gibt Netflix dem Publikum die Wahl, wie die Geschichte sich entwickelt. Das führt mehr als einmal zu einem unerwartet schnellen Ende.

Nach Charlie Brookers bahnbrechendem Black Mirror: Bandersnatch zeigt Netflix seinen zweiten interaktiven Film: The Unbreakable Kimmy Schmidt: Kimmy vs. the Reverend. Dieser gibt der preisgekrönten Serie Unbreakable Kimmy Schmidt 18 verschiedene Ausgänge.

The Unbreakable Kimmy Schmidt lief vier Jahre lang bei Netflix, wurde mit einigen Emmys bedacht und gilt als erste große Sitcom des Streaming-Zeitalters. Die von Tina Fey und Robert Carlock entwickelte Serie erzählt davon, wie die 29-jährige Kimmy Schmidt sich an das normale Leben gewöhnt, nachdem sie aus den Fängen eines Kults befreit wurde.

Die Serie hatte ihr Ende, der Film baut darauf jedoch auf und gestaltet sich so als unerwartet guter Schlusspunkt, der nichts von dem negiert, was zuvor kam, sondern zu einem folgerichtigen Finale führt.

Mit einem Klick zum Entscheidungspunkt

Der schräge Humor, die Slapstick-Situationen und albernen Dialoge sind auch im Film vorhanden, auch alle wichtigen Figuren sind wieder dabei. Und: Die Zuschauer bekommen noch mehr von allem, weil jede Entscheidung eigene Konsequenzen hat. Die 18 möglichen Varianten des Endes unterscheiden sich tatsächlich deutlich.

Das Happy End ist eigentlich die Hochzeit von Kimmy mit ihrem englischen Thronfolger Frederick (herrlich von Daniel Radcliffe gespielt). Dieses Ende lässt sich über verschiedene Wege erreichen - die mal kürzer, mal länger sind. Es gibt aber auch einen gänzlich anderen Ausgang der Geschichte. Mal sind Hauptfiguren tot, dann wiederum haben völlig andere in den Bund der Ehe gefunden.

Während es bei Netflix' erstem interaktiven Film eine Herausforderung war, zum richtigen Zeitpunkt zurückzukehren, um einen anderen Verlauf zu wählen, wird dies in The Unbreakable Kimmy Schmidt: Kimmy vs. the Reverend für die Zuschauer erledigt. Ist ein Ende erreicht, spult der Film zum vorherigen Entscheidungspunkt zurück.

Der Reiz der Wahl

Auch ohne Interaktivität wäre der Film durchaus unterhaltsam - obgleich man manchmal das Gefühl hat, dass die Autoren den einen oder anderen Gag mehr lieben als das Publikum. Der Running Gag mit Titus' Faulheit und Hunger nutzt sich ab, und der klischierte Humor in Hinblick auf die britische Art des Prinzen ist auch eher mager.

Den eigentlichen Reiz macht natürlich das Wählen des Fortgangs der Geschichte aus. Die Möglichkeiten sind nicht unbegrenzt, aber vielfältig. Die kleinen Umwege machen Spaß, auch und gerade, weil die Zuschauer dabei auch auf Figuren treffen, die Fans schon aus der Serie kennen. Es gibt auch allerhand Easter Eggs zu entdecken - etwa Poster an der Wand, die noch mehr Aufschluss über die Erlebnisse der Figuren nach dem Ende der Serie geben.

Allerdings führen falsche Entscheidungen sofort zum Ende. Ansprechender wäre es gewesen, weitere Schritte zu implementieren, was die Geschichte komplexer gemacht hätte. Bei Black Mirror: Bandersnatch war das der Fall, so dass sich die Zuschauer wie bei den als Inspiration dienenden Solorollenspielbüchern tief in der Geschichte verlaufen können, bevor diese endet, und entscheiden müssen, an welchem früheren Punkt sie wieder einsteigen wollen.

The Unbreakable Kimmy Schmidt: Kimmy vs. the Reverend ist eine amüsante interaktive Erfahrung, die ausgeklügelter hätte sein können, aber dennoch reichlich Mehrwert im Vergleich zu einem normal erzählten Film bietet. Seine volle Wirkung entfaltet der Film, wenn man auch die Serie kennt. Wer nur an der interaktiven Erfahrung interessiert ist, kann aber auch ohne Vorkenntnisse einsteigen. Alles, was man über Kimmy und Co. wissen muss, wird auch im Film etabliert.

 (peo)


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