Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0107/15008.html    Veröffentlicht: 24.07.2001 15:43    Kurz-URL: https://glm.io/15008

Spieletest: Anachronox - Adventure im Blade-Runner-Stil

ION Storm bringt stimmigen Rollenspiel-Adventure-Mix

Über die texanische Software-Schmiede ION Storm war in letzter Zeit nicht viel Gutes zu lesen, nach kommerziellen Flops wie dem Ego-Shooter Daikatana häuften sich die Gerüchte über eine mögliche Schließung der Studios. Unbeeindruckt davon erscheint nun mit Anachronox der nächste ION-Storm-Titel, der wie schon etwa Deus Ex aus gleichem Hause vor allem durch seine inneren Werten überzeugen kann.

Ein erster Blick auf die grafische Gestaltung des Endzeit-Adventures ist allerdings eher enttäuschend: Die mittlerweile technisch überholte Quake-2-Engine liefert für heutige Verhältnisse eher ungelenke Animationen und recht grobe und eckige Charaktere, die Farbarmut hingegen lässt sich mit dem tristen und düsteren, an Filme wie Blade Runner erinnernden Szenario recht gut in Einklang bringen.

Screenshot #1
Screenshot #1
Als bisher nicht gerade vom Glück verfolgter Privatdetektiv Sly Boots erhält man den Auftrag, die Herkunft einiger mysteriöser Alien-Artefakte aufzuklären. Was sich zu Beginn noch recht unspektakulär anlässt, entpuppt sich nach einiger Zeit als eine Verschwörung riesigen Ausmaßes. Mit Hilfe des Archäologen Grumpos und der Schönheit Stiletto Anyway macht man sich auf den Weg, um jene Alienform zu finden, die einst die rätselhafte Technologie namens Mystech erschuf, durch die die Artefakte nicht nur heilende, sondern zum Teil auch zerstörerische Macht bekamen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Auf der Suche nach den Erschaffern der mächtigen Technik, die in der geheimnisumwitterten Stadt Anachronox vermutet werden, begibt man sich auf eine umfangreiche Reise, die einen in die zum Teil hinterletzten und nicht immer wirklich vertrauenerweckenden Ecken der Galaxis verschlägt.

Screenshot #3
Screenshot #3
Den Großteil des Spieles verbringt man in bester Adventure-Manier mit dem Erkunden unwirtlicher, aber meist faszinierender Szenarien, dem Führen oft ausufernder Multiple-Choice-Gespräche mit oftmals recht skurrilen Charakteren und dem Lösen kleinerer Knobel-Rätsel. Die von Ego-Shootern bekannte Steuerungskombination aus Maus und Tastatur erweist sich als äußerst praktisch, die Inventarverwaltung ist trotz der vielen aufnehmbaren Gegenstände einfach und übersichtlich.

Screenshot #4
Screenshot #4
In eben diesem Punkt offenbart Anachronox dann auch noch deutliche Rollenspielanleihen, zudem verfügt Sly über eine Reihe im Spiel ausbaubarer Charaktereigenschaften. Auch die von Zeit zu Zeit unausweichlichen Kämpfe werden in einem RPG-ähnlichen System ausgetragen. So muss vor einem Angriff immer gewartet werden, bis sich ein Energie-Ring aufgeladen hat, danach darf man sich per Mausklick für normale Attacken oder, sobald man sie erlernt hat, für spezielle Aktionen entscheiden.

Screenshot #5
Screenshot #5
Die faszinierende, in sich schlüssige und oftmals vor düsterem Humor und Zynismus übersprudelnde Geschichte vermag ausnahmslos zu fesseln, allerdings sollte man über gute Englisch-Kenntnisse verfügen - weder die nur selten zum Einsatz kommende Sprachausgabe noch die Bildschirmtexte liegen in deutscher Übersetzung vor.

Fazit:
ION Storm festigt auch mit Anachronox seinen Ruf, inhaltlich faszinierende und spielerisch anspruchsvolle Programme zu entwickeln. Deutliche Abzüge gibt es leider für die etwas altbackene Grafik, wer nach einem fesselnden Adventure sucht, sollte aber dennoch unbedingt zugreifen.  (tw)


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