Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sono-motors-wie-der-e-autohersteller-durch-die-krise-kommen-will-2007-149971.html    Veröffentlicht: 31.07.2020 12:08    Kurz-URL: https://glm.io/149971

Sono Motors

Wie der E-Autohersteller durch die Krise kommen will

Die Crowdfunding-Kampagne kam zur richtigen Zeit. Mit dem Geld hat das Elektroauto-Startup Sono Motors die Coronakrise bisher gut überstanden.

Eigentlich ist das Konzept für ein Elektroauto naheliegend: die Flächen der Karosserie mit Solarzellen auszulegen, die Sonnenlicht in Strom wandeln, und in den Akku laden. Doch nur wenige Unternehmen haben sich bisher daran versucht. Eines ist Sono Motors, das den Sion entwickelt hat. Der erste Prototyp wurde vor drei Jahren vorgestellt, die Serienversion sollte in diesem Jahr auf den Markt kommen. Doch stattdessen stand das Münchener Startup Ende vergangenen Jahres kurz vor dem Aus.

Mit einem geschickten Schachzug rettete sich das Unternehmen: Es startete eine Crowdfunding-Kampagne, um 50 Millionen Euro einzusammeln, was im zweiten Anlauf zum Erfolg führte.

Der Lockdown war unproblematisch

Damit sei das Unternehmen "erst einmal safe", erzählt Laurin Hahn, einer der Gründer und Chef des Unternehmens, im Gespräch mit Golem.de - auch wenn das Geld nicht ausreichen werde, um das Auto auf die Straße zu bringen. "Wir sind in der Entwicklungsphase und hatten den großen Vorteil, dass wir kurz vor der Krise eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen hatten und deswegen relativ unberührt durch diese Krise gekommen sind."

Auch habe der Lockdown die Arbeit nicht zum Erliegen gebracht. "Die Fahrzeugentwicklung ist eigentlich ja nur noch digital, da macht man hardwaremäßig fast nichts mehr", sagt Hahn. "Wir haben Testbenches im Büro, wo wir die Komponenten miteinander verschalten. Aber da muss maximal eine Person stehen, und die konnte auch während Corona da stehen. Rein von der Inhouse-Entwicklung her waren wir nahezu nicht beeinträchtigt."

Das bedeutet: Der neue Prototyp ist vom Design her fertig und kann gebaut werden. Das übernimmt Roding Automobile, ein Autohersteller aus dem gleichnamigen Ort in der Oberpfalz. Ende Juni haben die Designer dem Produzenten die digitalen Modelle übergeben. Roding muss diese noch anpassen, um mit dem Bauen loslegen zu können.

Im Herbst soll der Prototyp einsatzbereit sein. Er werde "schicker als die aktuellen" sein, sagt Hahn. Diese Version sei "die finale Designentscheidung", die dann in Serie gehen werde. Gegenüber dem ersten sei das Aussehen noch einmal angepasst worden.

So wurde die Integration der Solarzellen verändert. Auch in der Gestaltung des Innenraums gibt es Veränderungen. Zudem werden die Komponenten verbaut, die später auch in die Serie kommen - wie der Motor vom Zulieferer Continental.

Die Prototypen werden später fertig

Coronabedingt verzögert sich aber der Bau: Wegen Problemen in der Lieferkette, etwa durch Kurzarbeit oder Sparprogramme, rechnet Hahn damit, dass die Autos erst im November fertig sein werden und nicht wie geplant im September. Auch wurde die Zahl reduziert: Gebaut werden nur zwei Fahrzeuge, nicht wie ursprünglich geplant vier.

Bis das Auto in Serie geht, wird es aber dauern, und diese Übergangszeit bereitet Hahn Sorgen.

So könnte Corona Sono Motors noch schaden

Auch wenn das Unternehmen im Moment "safe" ist: Bis zum Start der Serienproduktion wird Sono Motors nach eigenen Schätzungen noch rund 200 Millionen Euro brauchen. Hier sei derzeit nicht abzuschätzen, welche Auswirkungen die Krise noch haben wird.

Sono Motors werde entsprechend weitere Finanzierungsrunden benötigen, sagt Hahn. Aber: "Das ist während der Coronakrise alles eingefroren worden." Er befürchtet, dass Investoren sich in Krisenzeiten eher scheuen werden, neue Investments zu tätigen, und dass dieser Zustand noch länger anhalten könnte. "Das betrifft uns und alle Startups unmittelbar", sagt er. "Deswegen sind wir schon angewiesen auf die staatlichen Förderungen."

Sono Motors profitiert vom Corona- Konjunkturprogramm

Die Regierung hatte Anfang Juni ein Corona-Konjunkturprogramm in Höhe von 50 Milliarden Euro aufgelegt, mit dem Ziel, Deutschlands "Rolle als weltweiter Spitzentechnologieexporteur" zu stärken. Davon soll auch Sono Motors profitieren, obgleich Hahn die Umsetzung als "zäh" beschreibt.

Zu dem Konjunkturprogramm gehört eine weitere Erhöhung der Elektroprämie von 6.000 auf 9.000 Euro. Die Regierung hatte die Prämie 2016 eingeführt, um Elektromobilität zu fördern.

Beim Kauf eines Elektroautos gab es 4.000 Euro, je zur Hälfte vom Staat und dem Hersteller. Weil das Förderprogramm nicht wie beabsichtigt verfing, wurde sie Ende 2019 auf 6.000 Euro erhöht.

Damit stieg der Herstelleranteil um 1.000 auf 3.000 Euro. Die großen Konzerne können das verkraften. Für die Startups hingegen ist das ein Problem. Das hatte schon Günther Schuh, Chef des inzwischen insolventen Aachener Elektroautoherstellers e.Go Mobile, im Gespräch mit Golem.de beklagt.

Die Prämie ist ein gutes Signal

Auch Sono Motors hadert mit der Prämie, auch wenn das Unternehmen sie grundsätzlich begrüßt: Dass Elektromobilität und nicht die konventionelle Verbrennertechnik gefördert werde, sei ein deutliches Signal der Bundesregierung an die Industrie, sagt Hahn. "Das ist ein gutes Signal - für die Umwelt und für die Industrie, um Innovationen und Innovationskraft in Deutschland zu halten."

Allerdings schließe die Prämie die Startups aus, sagt Hahn, einfach weil ein Auto wie der e.Go Life oder eben der Sion keine Marge von 3.000 Euro biete. Mit der Erhöhung hat sich das Problem noch verschärft. "Wir haben zwei Möglichkeiten: Wir machen nicht mit, können dann nicht 9.000 Euro günstiger werden und sind teurer im Vergleich zu den Konkurrenten. Oder wir müssen den Preis um 3.000 Euro erhöhen. Beides ist nicht ideal."

Unterkriegen lassen will sich Hahn durch das alles jedenfalls nicht: "Wir werden weitermachen, wir streichen nicht die Fahne."

Sions sollen geteilt werden

Das Münchener Startup gibt sich selbstbewusst: "Wir haben es geschafft, innerhalb von vier Jahren eine Autofirma aufzubauen, die als ernstzunehmendes Unternehmen wahrgenommen wird - im Markt, bei den Zulieferern, bei der Community, bei den Menschen da draußen, die uns unterstützen, bei der Politik, weil wir gezeigt haben, dass wir auch liefern", sagt der Chef. Sono Motors biete ein stimmiges Gesamtkonzept.

Dazu gehört nicht nur das Auto selbst, sondern auch ein Sharing-Konzept inklusive der App Go-Sono. "Was wir tun: Wir verkaufen dir ein Auto, und wenn du es nicht brauchst, kannst du es vermieten und damit Geld verdienen", erläutert Hahn. Es sei ein Art "Airbnb-Modell auf Rädern".

Autos werden durch Carsharing effizienter genutzt

Autos stehen die meiste Zeit ungenutzt auf dem Parkplatz. Sono Motors will sie effizienter nutzen, indem sie dann anderen zur Verfügung stehen, die gerade kein Auto haben. Vorteil an einem solchen Peer-to-Peer-Sharing ist laut dem Unternehmen, dass es möglich wird, es eine große Flotte an Sharing-Fahrzeugen bereitzustellen, die europaweit zur Verfügung steht. Die Flotte muss aber nicht neu aufgebaut werden, was eine große Investition bedeuten würde, und es kommen nicht zusätzlich Autos auf die Straße, die Platz verbrauchen.

Einen ersten Test des Sharing-Konzepts hat das Unternehmen im Februar gestartet: Es stellte einer Münchener Hausgemeinschaft einen Zoe, den elektrischen Kleinwagen von Renault, zur Verfügung. Die Menschen sollten sich das Auto teilen und das mit der Go-Sono-App organisieren.

"Mit dem Verlauf des ersten Pilotprojekts sind wir sehr zufrieden. Wir konnten wichtige Antworten auf unsere Fragen finden und unsere Annahmen validieren", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Das Pilotprojekt verlief erfolgreich genug, dass Sono Motors inzwischen ein weiteres gestartet hat, mit einem größeren Maß an Anonymität: Ein ganzes Stadtviertel soll das Carsharing testen.

Einen sorgfältigen Umgang mit den Autos will Sono mit zwei Mechanismen sicherstellen: Zum einen seien die vermieteten Autos durch eine Vollkaskoversicherung geschützt, sagt Hahn. Zum anderen könne das Unternehmen nachvollziehen, wer ein Auto wann gemietet habe. Wenn es danach kaputt sei, werde die Person dafür zur Rechenschaft gezogen.

Noch etwa zwei Jahre hat Sono Zeit, Erfahrungen mit dem Sharing zu sammeln: 2022 soll das Auto auf den Markt kommen. Gefertigt wird es dann in einem Autowerk in Schweden - dann sind die Transportwege kürzer, als wenn es in China produziert würde. Die Umwelthematik sei dem Untenrhemen wichtig, sagt Hahn. Da sei ein Transport aus dem Fernen Osten nach Europa nicht akzeptabel. Außerdem hätten sie die Sozialstandards und die Qualität des ehemaligen Werks von Saab überzeugt.  (wp)


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