Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/videostreaming-netflix-gewinnt-10-millionen-weitere-abos-dazu-2007-149706.html    Veröffentlicht: 17.07.2020 08:26    Kurz-URL: https://glm.io/149706

Videostreaming

Netflix hat weltweit knapp 200 Millionen Abonnenten

Allein im ersten Halbjahr sind fast schon so viele neue Netflix-Abos abgeschlossen worden wie im gesamten Jahr 2019. Anleger sind dennoch enttäuscht.

Der Onlinevideodienst Netflix profitiert weiter davon, dass viele Menschen wegen der Coronavirus-Pandemie zu Hause bleiben und Streaminginhalte schauen. Allerdings ließ der pandemiebedingte Kundenansturm wieder nach: Nach dem Aboboom zu Jahresbeginn kamen im zweiten Quartal unter dem Strich 10,1 Millionen Bezahlabos dazu, wie der Streamingmarktführer mitteilte. Die eigene Prognose von Netflix lag bei einem Plus von 7,5 Millionen neuen Abos.

Im Vergleich zum Quartal des Vorjahres ist der Anstieg deutlich, im zweiten Quartal 2019 fiel er mit 6,8 Millionen neuen Abos wesentlich niedriger aus. Im ersten Quartal dieses Jahres kamen 15,8 Millionen neue Abos aufgrund der besonderen Pandemieumstände hinzu. Dem Unternehmen zufolge wurden damit in den ersten beiden Quartalen des Jahres knapp 26 Millionen neue Abonnements abgeschlossen. Allein im gesamten Jahr 2019 waren es 28 Millionen neue Abos. Ende Juni bezifferte Netflix seine Bezahlabos auf weltweit 193 Millionen.

Das Unternehmen rechnet damit, dass der Andrang weiter abnimmt. "Wir erwarten in der zweiten Jahreshälfte weniger Wachstum als im Vorjahr", schrieb Netflix-Chef Reed Hastings in einem Brief an die Aktionäre. Das kam am Markt nicht gut an, die Aktie stürzte nachbörslich zeitweise um rund 12 Prozent ab, obwohl Netflix seine eigene Quartalsprognose und die vieler Analysten übertraf. Das Unternehmen ist in diesem Jahr bislang allerdings einer der größten Börsengewinner und machte 2020 schon mehr als 60 Prozent Kursplus.

Netflix überholt Walt Disney beim Börsenwert

Im Vorquartal hatten die Ausgehbeschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie und Serienhits wie Tiger King dem Videodienst einen ungewöhnlich starken Zuwachs an neuen Kunden gebracht, was am Finanzmarkt zu Euphorie führte. Der Aktienkurs kletterte in den vergangenen Monaten von einem Rekordhoch zum nächsten. Mit einem Börsenwert von zuletzt 232 Milliarden US-Dollar zog der Streaming-Pioneer sogar am Hollywood-Giganten Walt Disney vorbei, dem die Coronapandemie im Unterschied zu Netflix stark zusetzt, weil Kinos und Themenparks geschlossen sind.

Dass der Kundenzustrom verglichen mit dem starken Auftaktquartal abebben dürfte, hatte Netflix bereits erwartet. Erschwerend hinzu kam im zurückliegenden Quartal auch, dass die großen Blockbuster-Produktionen trotz einer neuen Staffel des Crime-Dramas Money Heist, Spike Lees neuem Film Da 5 Bloods oder der Comedy-Produktion Space Force diesmal fehlten. Geschäftlich lief es dennoch rund. Die Erlöse legten im Jahresvergleich um 25 Prozent auf 6,2 Milliarden US-Dollar zu und der Gewinn um weit mehr als das Doppelte auf 720 Millionen US-Dollar.

Ted Sarandos wird Co-Vorstandsvorsitzender von Netflix

Neben den Quartalszahlen verkündete Netflix auch eine wichtige Personalentscheidung. Der seit über 20 Jahren im Unternehmen tätige Programmchef Ted Sarandos wurde neben Hastings zum Co-Vorstandsvorsitzenden ernannt und erhält auch einen Sitz im mächtigen Verwaltungsrat, der dem Vorstand übergeordnet ist. Der Wechsel mache offiziell, was de facto ohnehin schon Realität gewesen sei - nämlich, "dass Ted und ich uns die Führung von Netflix teilen", erklärte Hastings. Sarandos soll trotz der Beförderung weiterhin die Programmauswahl des Streamingdienstes verantworten

 (ip)


Verwandte Artikel:
Videostreaming: Netflix schönt Zuschauerzahlen   
(22.01.2020, https://glm.io/146195 )
Quartalsbericht: Netflix profitiert von der Coronakrise   
(21.04.2020, https://glm.io/148014 )
Amazon: Corona-Drosselung für Prime Video wurde aufgehoben   
(03.07.2020, https://glm.io/149441 )
Streamparty: Disney+, Netflix und Prime Video virtuell gemeinsam schauen   
(02.07.2020, https://glm.io/149401 )
Interactive Video Service: Amazon bietet Twitch-Technologie für Geschäftskunden   
(16.07.2020, https://glm.io/149696 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/