Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bitcoin-deals-twitter-accounts-von-elon-musk-und-bill-gates-gehackt-2007-149681.html    Veröffentlicht: 16.07.2020 00:35    Kurz-URL: https://glm.io/149681

Bitcoin-Deals

Twitter-Accounts von Elon Musk und Bill Gates gehackt

Über die Twitter-Accounts zahlreicher US-Prominenter ist Werbung für einen Bitcoin-Betrug gelaufen. Offenbar wurden interne Tools kompromittiert.

Unbekannte haben am Mittwoch zahlreiche Twitter-Accounts von Prominenten und Firmen in den USA gehackt. Dabei verbreiteten sie über die Profile Werbung für dubiose Kryptowährungs-Deals. Betroffen von dem Hack waren unter anderen der frühere US-Präsident Barack Obama, US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden und Amazon-Chef Jeff Bezos sowie Unternehmen wie Apple und Uber. Viele der Zugänge wurden zeitweise gesperrt und waren kurze Zeit später ohne die Nachrichten wieder online.

Betroffen waren auch die Profile des früheren New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg, des Rappers Kanye West, des Microsoft-Gründers Bill Gates sowie des Tesla-Chefs Elon Musk. In der über die Accounts verbreiteten Botschaft wurde versprochen, eingeschickte Bitcoins doppelt zurückzuzahlen.

Nach Angaben der Digitalwährungsbörse Gemini wurden auch die Twitter-Profile der größeren Crypto-Anbieter gehackt. Gemini-Mitbegründer Cameron Winklevoss twitterte, dass der Account mit einem zweiten Faktor und einem starken Passwort abgesichert gewesen sei.

Nutzer überweisen Geld

Einem Bericht des Portals The Verge zufolge fielen Nutzer auf die falschen Tweets herein und überwiesen tatsächlich Geld an die angegebene Bitcoin-Adresse.

Twitter hatte in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit dem Kapern von Accounts. So wurde im August 2019 sogar der Zugang von Twitter-Chef Jack Dorsey übernommen. Damals war Dorseys Telefonnummer der Angriffsvektor. Die Angreifer konnten so über den SMS-Dienst von Twitter die Tweets absetzen. Twitter schob die Sicherheitslücke auf den Mobilfunkanbieter, der Dorseys Vertrag betreut. "Die mit dem Konto verknüpfte Telefonnummer wurde kompromittiert", hieß es damals zur Begründung. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung von Twitter gilt ohnehin nicht als besonders sicher.

Nachtrag vom 16. Juli 2020, 9:28 Uhr

Twitter räumte in einer Reihe von Tweets ein, dass die Hacker sich Zugriff auf interne Systeme verschafft hätten. "Wir haben entdeckt, dass es sich wohl um eine koordinierte Social-Engineering-Attacke handelt, die sich erfolgreich auf einige unserer Mitarbeiter mit Zugang zu internen Systemen und Werkzeugen richtete." Derzeit werde geprüft, welche anderen schädlichen Aktivitäten möglicherweise ausgeführt worden seien und an welche Informationen die Hacker gelangt sein könnten.

Aus Sicherheitsgründen seien nach dem Entdecken des Angriffs auch nicht betroffene verifizierte Accounts eingeschränkt worden. Intern sei der Zugriff auf die Systeme und Tools eingeschränkt worden.

Das Portal Motherboard berichtete, nach dem Angriff von beteiligten Hackern Screenshots der internen Tools erhalten zu haben. Eine Quelle habe behauptet, einen Twitter-Mitarbeiter für den Zugang bezahlt zu haben.

Nachtrag vom 17. Juli 2020, 10:45 Uhr

Twitter hat inzwischen bestätigt, dass rund 130 Zugänge angegriffen worden seien. Darüber hinaus sei jedoch nur bei einem Teil davon die Übernahme und das Versenden von Nachrichten selbst erfolgreich gewesen. Das Unternehmen untersuche außerdem weiterhin, ob durch die Übernahme auch nicht-öffentliche Daten abgegriffenen werden konnten. Das Herunterladen der eigenen Twitter-Daten ist dabei weiterhin vorübergehend nicht möglich.

Wie das Wall Street Journal berichtet, hat mittlerweile außerdem das FBI Ermittlungen in dem Fall begonnen. Der auf IT-Security spezialisierte Journalist Brian Krebs vermutet unterdessen, dass hinter dem Angriff eine kriminelle Szene stecke, die für sogenannte SIM-Swapping-Angriffe bekannt sei. Diese ermöglichen oft die Übernahme von Accounts. Im aktuellen Fall sei die Möglichkeit zur Übernahme von Twitter-Accounts in einem Forum angeboten worden.  (fg)


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