Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/chuwi-larkbox-im-test-klein-kleiner-spasskiste-2007-149510.html    Veröffentlicht: 14.07.2020 12:08    Kurz-URL: https://glm.io/149510

Chuwi Larkbox im Test

Klein, kleiner, Spaßkiste

Kompakter als ein Zauberwürfel und dennoch aufrüstbar - das ist Chuwis Larkbox, ein winziger Mini-PC.

Mini-PCs gibt es zuhauf, einen so kompakten wie die Larkbox von Chuwi allerdings nicht. Beim Auspacken waren wir überrascht, wie klein der Rechner tatsächlich ist - selbst ein Rubik's Cube hat mehr Volumen als die Larkbox. Unbedacht der winzigen Maße steckt im Gehäuse ein vollständiges x86-System, das sich für alltägliche Aufgaben, für 4K-Videos oder für einen privaten Webserver eignet.

Die Larkbox misst 61 x 61 x 43 mm, was sie zwar sehr klein, aber den Quader eben fast würfelförmig macht. Anders als die Compute Sticks (Test) von vor einigen Jahren passt der Rechner daher nicht wirklich in eine Hosentasche; im Mantel oder in einem Rucksack findet er jedoch leicht Platz. Die Larkbox steht auf vier rutschsicheren Gummifüßchen, sie ist daher nur in einer Ausrichtung verwendbar. Wer will, kann den kleinen PC auch per mitgelieferter Vesa-Platte an die Rückseite eines Bildschirms oder Fernsehers montieren.

An der Front sitzt der Power-Button mit sattem haptischen Druckpunkt, eine blaue LED zeigt an, ob die Larkbox eingeschaltet ist. An der rechten Seite befinden sich eine 3,5-mm-Klinke für Kopfhörer und ein Micro-SD-Kartenleser. Hinten hat sich Chuwi für zwei USB-A-3.2-Gen1-Buchsen entschieden, hinzu kommen ein HMDI 2.0 für 4K60-Bildschirme und ein USB-C-Anschluss.

Allerdings ist dieser weder für Daten noch für Displays geeignet, sondern dient rein der Stromversorgung - das Logo über der Buchse verdeutlicht das noch einmal. Das unserem Vorserien-Muster beiliegende 24-Watt-Netzteil wirkt mit 97 x 44 x 30 mm riesig im Vergleich zur Larkbox, weshalb Chuwi die finalen Geräte mit einem deutlich kompakteren Modell (56 x 56 x 30 mm) und gleicher Nennleistung ausliefern will.

Unseren Tests zufolge startet die Larkbox mit diversen handelsüblichen Smartphone- und Ultrabook-Netzteilen nicht, auch das der Nintendo Switch Lite (Test) versagte. Mit mehreren Powerbanks und einem USB-Hub samt Stromversorgung scheiterten wir ebenfalls, denn Chuwi hat leider auf eine Unterstützung von USB Power Delivery verzichtet.

Zur weiteren Ausstattung der Larkbox gehören Wi-Fi 5 (802.11ac) und Bluetooth 5.1 für Peripheriegeräte. Das verlötete ac-9461-Modul von Intel weist zwar nur eine 1x1-Antennenkonfiguration auf, wir erreichen im Homeoffice per 5-GHz-Band jedoch locker 200 MBit/s und damit mehr als genug für Web-Browsing oder 4K-Streaming.

Schauen wir uns an, was in der Larkbox steckt und was sie leistet.



Flott genug, zudem streamig

Der Mini-PC lässt sich über die Schrauben in den vier Füßchen leicht öffnen, wodurch der SSD-Steckplatz zum Vorschein kommt. Dieser M.2-Slot nimmt jedoch einzig Sata-Modelle mit 42 mm Länge auf, er unterstützt keine NVMe/PCIe-SSDs. Die meisten dieser kurzen M.2-2242-Drives, beispielsweise die SN520 von Western Digital, weisen eine Kapazität von bis zu 512 GByte auf.

Aufgrund des M.2-Slots ist die Larkbox grundsätzlich aufrüstbar, so muss der Micro-SD-Kartenleser nicht zur dauerhaften Speicherplatzerweiterung umgewidmet werden. Der SSD-Steckplatz befindet sich auf einer eigenen Tochter-Platine, welche auch die I/O-Funktionen wie USB übernimmt. Sie kommuniziert mit zwei Flachbandkabeln mit dem eigentlichen Mainboard: Darauf befinden sich verlötet, ergo nicht aufrüstbar, die 6 GByte LPDDR4-2133-RAM und 128 GByte ebenfalls verlöteter eMMC-Flash-Speicher. Letzterer liest mit bis zu 340 MByte/s und schreibt mit bis zu 110 MByte/s, abseits sequenzieller Übertragungen bricht die Datenrate zudem sehr ein.

Beim vierkernigen Prozessor handelt es sich um einen Celeron J4115, einen sogenannten Gemini-Lake-Chip mit Atom-Goldmont-Plus-Architektur. Das mit 1,8 bis 2,4 GHz laufende SoC ist von Intel mit 10 Watt spezifiziert sowie von Chuwi auf 12 Watt eingestellt und wird von einem kleinen Radiator samt 40-mm-Radial-Lüfter gekühlt. Der läuft selbst bei geringer Last immer wieder spontan zügig an und kann dann durch seine hochfrequente Charakteristik stören - das hängt allerdings davon ab, wo sich die Larkbox der sie nutzenden Person befindet. Wir würden uns vor allem eine sanftere Hysterese wünschen.

Hinsichtlich der Performance unterscheidet sich der Celeron J4115 nicht großartig von der eines Pentium J5005, wie er im zwei Jahre alten NUC7 June Canyon (Test) steckt. Beide Atoms sind recht flott, gerade mit genügend Arbeitsspeicher: Erst mit vielen Firefox-Tabs und parallel mehreren geöffneten Office-Dokumenten wird das System träge verglichen mit einem typischen Core-i5-Quadcore, wie er in den meisten Ultrabooks verwendet wird.

Vor allem aber eignet sich das System gut zur Medienwiedergabe, denn die Video-Beschleunigung der Intel-Grafik unterstützt abseits von AV1 alle relevanten aktuellen Codecs: So ist 4K60 mit VP9 bei Youtube problemlos möglich, die UHD Graphics 600 lässt keinerlei Frames fallen. Das gilt allerdings nur für SDR (Standard Dynamic Range), denn HDR (High Dynamic Range) verwehrt Intel den Atom-basierten Celeron/Pentium-Chips aus Gründen der eigenen Produktpolitik. Ähnlich sieht es bei Streaming-Anbietern wie Netflix aus: Wir bekommen einzig SDR zu Gesicht.

Im Leerlauf begnügt sich die Larkbox mit 5 Watt, in der Regel benötigt das System 8 bis 9 Watt und in der Spitze gelegentlich bis zu 13 Watt. Wir haben unsere Messungen primär mit Windows 10 durchgeführt, im Kurztest lief auch Ubuntu 20.04 LTS auf der Larkbox ohne Auffälligkeiten. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Intel pflegt seine Linux-Pakete und die Gemini-Lake-Chips sind grundlegend schon seit nunmehr fast drei Jahren erhältlich.



Verfügbarkeit und Fazit

Chuwi finanziert die Larkbox derzeit über Indiegogo, der Mini-PC soll ab August 2020 für 170 US-Dollar ausgeliefert werden. Ein Betriebssystem ist im Preis nicht inbegriffen.

Fazit

Mit der Larkbox, zu Deutsch Spaßkiste, hat Chuwi einen äußerst kompakten Mini-PC entworfen: Der Hersteller wirbt sogar damit, den kleinsten 4K-Rechner der Welt gebaut zu haben. So ganz stimmt das zwar nicht, denn ARM-basierte Geräte für UHD-Inhalte gibt es schon länger. Ein x86-System mit Maßen, gegen die ein Zauberwürfel groß wirkt, ist allerdings eine Seltenheit. Ältere und noch kleinere x86-Rechner wie Intels Compute Stick können 4K nur mit 30 Hz statt 60 Hz ausgeben, an UHD-Videos scheitern sie ohnehin. Ausnahmen bilden Sticks wie der Minisforum S40 mit Gemini Lake.

Die Larkbox stellt 4K60 einwandfrei dar und hat genügend Leistung für alltägliche Arbeiten im Web-Browser oder mit einer Office-Suite. Der im Inneren verlötete Celeron-J4115-Prozessor mit Atom-Architektur wird zwar von einem billigen echten Celeron locker geschlagen, ist aber sehr viel sparsamer. Mit 6 GByte RAM und einer 128 GByte fassenden, wenngleich lahmen eMMC hat Chuwi den Speicherausbau ausreichend gewählt, überdies lässt sich eine M.2-2242-Sata-SSD nachrüsten.

Aufgrund der Maße verbaut Chuwi einen Lüfter, der leider oft anspringt und dann auch noch ziemlich plötzlich. Durch seine hochfrequente Charakteristik nervt der Propeller daher teils, sofern die Larkbox nicht per Vesa-Halterung hinter dem Display verschwindet. Der zweite Kritikpunkt betrifft die USB-C-Buchse: Sie eignet sich nicht für Daten, sondern dient einzig der Stromversorgung. Mangels Power Delivery bleibt diese zudem auf das mitgelieferte Netzteil beschränkt. Wer sich damit arrangieren kann, erhält jedoch eine extrem kleine 4K-Spaßkiste.

Nachtrag vom 14. Juli 2020, 12:50 Uhr

Wir haben einen Verweis auf den Minisforum S40 integriert.  (ms)


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