Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/filmklassiker-jubilaeum-flash-a-ah-2008-149153.html    Veröffentlicht: 13.08.2020 07:34    Kurz-URL: https://glm.io/149153

Flash Gordon in 4K

Flash! A-ah

Vor 40 Jahren war Flash Gordon kein großer Erfolg, das bonbonbunte Science-Fiction-Abenteuer hat sich seitdem aber Kult-Status erobert. Am 13. August erscheint der Film in 4K.

Nicht vielen Filmen ist ein zweites Leben beschieden, wenn sie an der Kinokasse nicht die erwarteten Hits wurden. Das zweite Leben von Flash Gordon begann wenige Jahre nach seiner Kinoauswertung im Jahr 1980, als ein junges Publikum erst durch die VHS-Kassette und später durch Fernsehausstrahlungen auf den Film aufmerksam wurde. Heute ist er das, was als Begriff gerne überstrapaziert wird, aber hier stimmt: ein echter Kultfilm.

Flash Gordon hat eine ganze Generation von Künstlern beeinflusst. Seth MacFarlane (The Orville) huldigte ihm mit seiner Komödie Ted (2012), Edgar Wright (Shaun of the Dead) zählt ihn zu seinen Favoriten und gestaltete sein eigenes Werk Scott Pilgrim vs. the World visuell danach. Der Comic-Künstler Alex Ross liebt den Film ebenfalls und malte 2007 das Cover für die "Saviour of the Universe"-Edition. Flash Gordon begeistert Kinder und Erwachsene seit mittlerweile 40 Jahren.

Dabei hätte alles anders kommen können. Wenn nämlich, wie er es vorhatte, George Lucas statt Dino De Laurentiis den Flash-Gordon-Film gemacht hätte. Dieser Film wäre wohl sehr viel weniger bunt und quietschfidel gewesen wäre als die jetzige Version.

Der lange Weg nach Mongo

Erfunden wurden Flash Gordon wurde von dem Comic-Künstler Alex Raymond, der 1934 den erfolgreichen Comic-Strip schrieb und zeichnete. Er erschien immer sonntags und wurde seinerzeit in einer Vielzahl unterschiedlicher Zeitungen veröffentlicht - und das nicht nur in den USA, sondern weltweit.

Fast 70 Jahre lang wurde der Strip fortgesetzt, schon in den 1930er Jahren gab es Verfilmungen in Form der populären Serials, die mit einem guten Dutzend Kapitel Woche für Woche in den Kinos gezeigt wurden und in Deutschland in den 1980er Jahren in den dritten Programmen zu sehen waren. Buster Crabbe war der Star dreier Serials mit Flash Gordon.

Mehr als drei Jahrzehnte später wollte George Lucas den Comic, den er schon als Kind begeistert gelesen hatte, auf die Leinwand bringen. Doch als er sich um die Rechtefrage kümmerte, erlebte er eine Enttäuschung: Die Rechte waren bereits verkauft, an den italienischen Produzenten Dino De Laurentiis.

De Laurentiis versuchte über Jahre hinweg, einen Film auf den Weg zu bringen, bekam ihn aber nicht finanziert. Ironischerweise war es der Erfolg von George Lucas' Star Wars (1977), der Science-Fiction im Kino wieder erfolgreich machte - und so konnte De Laurentiis mit Universal im Rücken darangehen, aus dem Comic-Strip einen Film zu machen.

Ursprünglich sollte Nicolas Roeg (Wenn die Gondeln Trauer tragen) das Skript schreiben und Regie führen. Roeg war eine kluge Wahl. Weniger wegen seines bisherigen Schaffens, sondern weil er ein echter Fan des Comic-Strips war und diesem gerecht werden wollte, wenn auch auf seine ganz eigene Art und Weise - nämlich verkopfter, intellektueller, aber dennoch actionreich.

Roeg verbrachte ein Jahr damit, das Skript zu verfassen und die Vorproduktion zu leiten, doch dann kam es zu den gefürchteten kreativen Differenzen, für die Hollywood berüchtigt ist. Roeg wollte einen ernsthaften, mehr noch einen metaphysischen Ansatz, der weit weg vom Comic führte. De Laurentiis wollte mehr Humor.



Sergio Leone und Federico Fellini lehnten ab

So trennten sich die Wege von Regisseur und Produzent. De Laurentiis wollte auch, dass der Film mehr dem Comic gleicht. Er heuerte den Illustrator Mentor Huebner an, der Designs entwickelte, die mit der Vorlage in Einklang standen.

Ein neuer Autor wurde auch gefunden: Lorenzo Semple Jr. Er hatte zuvor schon mit De Laurentiis bei King Kong (1976) zusammengearbeitet und für die 1960er-Jahre-Serie Batman geschrieben. Knallbunter Comic-Stil lag ihm also. Er hatte die Aufgabe, den Wünschen des Produzenten zu entsprechen. De Laurentiis wollte mehr Witz, er verstand einen Comic-Film als etwas, das auch lustig sein musste - ohne anzuerkennen, dass Alex Raymonds ursprünglicher Strip vieles ist, aber nicht witzig.

Auf der Suche nach einem neuen Regisseur dachte De Laurentiis an Sergio Leone (Spiel mir das Lied vom Tod). Der lehnte jedoch dankend ab, nachdem er das Skript gelesen hatte. Es war ihm nicht treu genug im Hinblick auf Raymonds Comic.

De Laurentiis wollte dann Federico Fellini, der jedoch kein Interesse an dem Stoff hatte. Der Produzent entschied sich schließlich für den Engländer Mike Hodges, den er schon für ein Sequel ins Auge gefasst hatte. Denn eigentlich hoffte De Laurentiis, eine ganze Reihe Flash-Gordon-Filme machen zu können.



''Groß, blond und konnte ein bisschen schauspielern''

Doch wer sollte den Helden spielen? Eigentlich wollte man Kurt Russell (Die Klapperschlange), aber der lehnte ab, weil ihm die Figur zu eindimensional war. Arnold Schwarzenegger war an der Rolle interessiert, aber vor Conan, der Barbar (1981) noch kein Filmstar, weswegen man ihn auch wegen seines starken Akzents ablehnte.

Am Ende wurde es der völlig unbekannte Sam J. Jones. Er hatte zwar nicht viel vorzuweisen, war aber in einer Dating-Show dabei gewesen und dort von De Laurentiis oder einem Mitglied seiner Familie gesehen worden. De Laurentiis ließ ihn also zum Vorsprechen einladen. Der Mogul erklärte später in dem Buch Dino: The Life and Film of Dino De Laurentiis: "Er war groß, blond, sah gut aus und konnte auch ein bisschen schauspielern."

Nur die Haarfarbe passte nicht ganz. Man färbte Jones also richtig strohblond und seine blonde Kollegin Melody Anderson brünett. Anderson spielte Dale Arden, Flashs Freundin und das Mädchen, das ständig gerettet werden muss. Jones wurden auch blaue Kontaktlinsen verpasst, diese erwiesen sich aber als so unangenehm, dass er sie am Ende doch nicht tragen musste.

Weit enthusiastischer war Max von Sydow, der den Comic als Kind gelesen und ihn sehr geschätzt hatte. Die Gelegenheit, Ming den Gnadenlosen zu spielen, ließ er sich nicht entgehen. Ganz anders der spätere James Bond Timothy Dalton, der Barin, den Anführer der Waldmenschen, spielt: Für ihn war der Film nur des Honorars wegen interessant, wie die Kollegen mutmaßten.

Die Dreharbeiten erwiesen sich als schwierig, weil nicht alle demselben Ansatz folgten. Regisseur Mike Hodges hielt Jones und Anderson an, ihre Rollen so geradlinig und ernsthaft wie möglich zu spielen. Ihre Ernsthaftigkeit steht in schönem Kontrast zu dem albernen Ambiente, in dem sie unterwegs sind.

Allerdings gibt es auch Szenen, in denen die Darsteller selbst albern sein dürfen. Bestes Beispiel ist die Szene in Mings Palast, als Flash gegen Mings Wächter kämpft und sich eines der Geschenke, die dem Imperator gebracht wurden, schnappt. Es ist eine Art riesiges Ei, das Flash nun wie einen Football hält - er ist ja auch Footballspieler. Als solcher kämpft er sich an den Wächtern vorbei, während Dale Arden ihn wie ein Cheerleader anfeuert.



Männer in Steh-Kostümen

Die 27 Millionen US-Dollar teure Produktion hatte von Anfang an Probleme. Manche Szenen waren für die Schauspieler herausfordernd, weil sie auf Dinge reagieren mussten, die gar nicht da waren und erst effekttechnisch in der Postproduktion zum Leben erwachten. Manche Schauspieler waren Opfer ihrer Kostüme. Das galt vor allem für die Falkenmänner, die sich wegen der Flügel nicht setzen konnten. Wenn sie sich entspannen wollten, mussten sie sich auf den Bauch legen.

Dazu kam, dass die Sets noch entstanden, während schon gedreht wurde. Die bewegliche Scheibe, auf der Jones und Dalton kämpfen, war gerade erst silbern angemalt worden, so dass die Farbe auf die Kostüme abfärbte. Zwischen jedem Take mussten sie sauber gemacht werden.

Auf andere Sets wartete man, so dass Mike Hodges andere Szenen drehte. Er drehte dabei, was ihm beliebte, da die Italiener in der Crew nicht genug Englisch sprachen, um zu verstehen, was vor sich ging und dementsprechend auch De Laurentiis nicht erzählen konnten, wenn Hodges sich von Vorgaben entfernte.

Derweil verschlechterte sich auch das Verhältnis von Sam J. Jones zu Dino De Laurentiis. Die Hauptdreharbeiten waren vor Weihnachten fertig, dann ging die Crew in die Pause. Danach wurde Material von der Second Unit gedreht, aber Jones tauchte nicht mehr auf, weswegen man sich mit einem Double behelfen musste. Hodges suchte sogar nach einem Schauspieler, der in der Lage war, Jones' Stimme zu imitieren, weil einige Texte noch eingesprochen werden mussten.



Jones' Karriere bekam nach Flash Gordon einen Knick

Den Soundtrack lieferte die Band Queen. Das war weder Hodges' noch De Laurentiis' erste Wahl. Ersterer wollte eigentlich Pink Floyd für den Soundtrack, De Laurentiis wiederum hatte noch nie von Queen gehört. Der Manager der Band arrangierte jedoch ein Treffen und erwähnte, dass die Band den Film gerne musikalisch vertonen würde.

Brian May erklärte im Buch Queen - Uncensored on the Record: "Wir sahen 20 Minuten des fertigen Films und fanden das sehr gut und schön überzogen. Wir wollten etwas erschaffen, das ein echter Soundtrack ist. Niemals zuvor hat eine Rockband so einen Soundtrack gemacht. Wenn überhaupt, dann wurde die Musik heruntergespielt und für den Background benutzt. Uns ließ man jedoch freie Hand, solange unsere Musik den Film komplimentierte."

Besonderes am Soundtrack ist auch, dass auf dem Album Sound-Effekte und Dialoge zu finden sind. "Uns wurden schon einige Filme angeboten, aber Flash Gordon war etwas, das Brian und mich wegen der Science-Fiction-Anleihen an die 1930er Jahre sehr ansprach. Das Album war ganz und gar unter unserer Kontrolle. Es war unsere Idee, die Dialogpassagen einzubauen", sagte Roger Taylor.

Sehenswerte Doku "Life after Flash"

Viele Hintergründe zur Produktion von Flash Gordon und Sam J. Jones' Leben danach liefert die 2017 erschienene Dokumentation Life after Flash. Die wurde im Verlauf von mehr als zwei Jahren produziert und ist eine Liebeserklärung an den Film.

Die Dokumentation konzentriert sich vor allem auf Jones, der als Flash Gordon damals seine ganz große Chance erhielt, sie aber vermasselte. Weil er sich schon wie ein Star gebärdete, obwohl er nur ein Anfänger war. Die Geschichten, die über ihn erzählt werden, sind nicht schmeichelhaft. In Life after Flash kommen Beteiligte am Film zu Wort und sprechen von seiner Arroganz und Unprofessionalität.



Das weiß mittlerweile offenbar auch Jones, der Life after Flash mit produzierte. Er blickt darin auf sein Leben und spricht darüber, an welcher Stelle es entgleiste und vor allem: warum. Seine Einsicht macht ihn sympathisch: Er erzählt, wie er in sich gegangen sei und aufgehört habe, anderen die Schuld daran zu geben, dass seine Karriere missglückte.

Jones hatte unter anderem De Laurentiis wegen Vertragsbruch verklagt, da ihm zwei Fortsetzungen zugesagt waren. Er verlor aber - und galt fortan als schwierig. Zum Ende der 1980er Jahre erhielt er wieder Angebote im Filmgeschäft, zu Beginn der 1990er Jahre war seine Laufbahn aber weitestgehend vorbei.

Neuer Berufsweg: Security

Die Dokumentation zeigt jedoch, dass es sich auch lohnen kann, einen Traum aufzugeben und in der Realität anzukommen. Jones schlug im Alter von 50 Jahren einen neuen Berufsweg als gefragter Sicherheitsmann ein. Er war in jungen Jahren ein US-Marine und hatte die nötige Ausbildung.

Mit dem Film Ted (2012) kehrte Jones schließlich doch noch ins Filmgeschäft zurück, weil Seth McFarlane Flash Gordon zelebrieren wollte. Zugleich ist Jones jemand, der auf Cons sehr aktiv ist, sich dafür - natürlich - bezahlen lässt, aber dann auch bis zum Schluss für die Fans da ist und sich nicht an vorgegebene Zeiten hält.



Regisseur Hodges ist mit der 4K-Fassung sehr zufrieden

Life after Flash befasst sich aber nicht nur mit Jones. Auch das weitere Leben einiger seiner Kollegen wie Melody Anderson, Brian Blessed, Peter Wyngarde, Topol, Richard O'Brien und anderen wird gezeigt. Zudem kommen verschiedene Filmemacher wie Robert Rodriguez, aber auch Fans zu Wort, die erklären, was ihnen Flash Gordon bedeutet.

Die Dokumentation gibt Einblicke in die Produktion des Films, inklusive der Probleme, die damit einhergingen. Dabei gibt es einiges an Trivia, die nicht gar so bekannt sind. Etwa die Erklärung, die De Laurentiis Mike Hodges gab, als der fragte, warum er ihn für den Film ausgewählt hat: "Mike, ich mag dein Gesicht."

Life after Flash ist eine sehr schöne Dokumentation nicht nur für Fans des Films, der in den vergangenen fast 40 Jahren exzellent gealtert ist. Schade nur, dass nicht jeder auf den Film so positiv zurückblickt. Timothy Dalton war offenkundig nicht für ein Interview bereit.

Die Farben sind intensiver denn je

Für all jene, die sich den Film zum 40. Jubiläum noch mal ansehen möchten, gibt es bald auch eine neue Version. Denn am 13. August 2020 veröffentlicht Studiocanal den Film erstmals mit einer neuen 4K Ultra High Definition Restauration. Hierfür hat man einigen Aufwand betrieben. Das originale 35mm-Negativ wurde gescannt, um die 4K-Daten zu produzieren.

Die Restauration wurde von Regisseur Mike Hodges im Mai 2020 abgesegnet: "Ich bin Studiocanal für die brillante 4K-Restauration dankbar. Sie erfasst perfekt die lebhaften Farben der Sets, des Himmels und der Kostüme. Es wurden auch einige Probleme entfernt, die wir beim Zusammenfügen der Bildkomponenten hatten. In manchen Aufnahmen waren früher noch die Drähte zu sehen, an denen die Falkenmänner hingen. Das ist nun ein Problem der Vergangenheit."

Die Edition ist randvoll mit neuem Bonusmaterial, darunter auch Life after Flash und eine Dokumentation über Nicolas Roegs Versuch, Flash Gordon zu inszenieren. Aber auch der komplette Soundtrack von Queen und Komponist Howard Blake ist enthalten. So umfangreich die Extras aber auch sein mögen, es ist der Film, der an erster Stelle steht - und nun mit seinem Farbspiel intensiver denn je aussieht. 40 Jahre später heißt es wieder...

Flash!, a-ah
Savior of the Universe
Flash!, a-ah
He'll save everyone of us



 (peo)


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