Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/coronavirus-dorfbewohner-in-peru-kidnappen-4g-techniker-aus-angst-vor-5g-2006-149100.html    Veröffentlicht: 15.06.2020 19:11    Kurz-URL: https://glm.io/149100

Coronavirus

Dorfbewohner in Peru kidnappen 4G-Techniker aus Angst vor 5G

Das Unternehmen Gilat versorgt Landbewohner in Peru mit 3G und 4G über Satelliten-Backhaul. Aus Angst vor 5G und dem Coronavirus wurden die Techniker festgehalten.

Dorfbewohner im ländlichen Peru haben vier Tage lang Techniker des Netzbetreibers Gilat Peru festgehalten, weil sie befürchteten, 5G-Technologie sei für das Coronavirus verantwortlich. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Angaben der dortigen Polizei und des lokalen Radiosender RPP Radio. Die achtköpfige Wartungsmannschaft wurde seit Mittwoch in der Provinz Acobamba, mehr als 500 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Lima, festgehalten und am Samstag wieder freigelassen.

Einheimische in dem Dorf Libertadores Chopcca mit weniger als 400 Einwohnern hatten der Reparaturmannschaft gesagt, dass sie nicht gehen dürften, bevor sie die Antennen in Acobamba abgebaut hätten. An der Aktion waren laut dem Radiobericht 1.000 Menschen der Distrikte Paucará und Yauli beteiligt. Man habe in einem sozialen Netzwerk erfahren, dass die Techniker eine 5G-Antenne installieren werden. "Diese Herren werden getötet", sagte einer von ihnen über die Techniker. Eine der Bodenstationen von Gilat Peru wurde verbrannt.

"Alle von ihnen wurden freigelassen", sagte Leni Palacios von der Polizei in Huancavelica zu AFP. Die Arbeiter seien in guter Verfassung. Die Freilassung sei nach einem Treffen zwischen Einheimischen und einer Kommission erfolgt, die sich aus Beamten des Verkehrsministeriums, der Regionalregierung und Gilat Peru zusammensetzte. Der Sprecher des Verkehrsministeriums, Jose Aguilar, sagte RPP Radio, dass Peru keine 5G-Antennen habe und dass die Technologie nichts mit Covid-19 zu tun habe.

Im November 2019 sicherte sich Gilat Satellite Networks einen 10-Millionen-US-Dollar-Vertrag über 3G/4G-Backhaul-Dienste in Peru. Die Infrastruktur und das Netzwerk, das Gilat kürzlich in Betrieb genommen hat, bildeten nach Unternehmensangaben die Grundlage für die Mobilfunkabdeckung durch einen großen Betreiber für die ländlichen Gebiete. Mit der Infrastruktur von Gilat könne der Betreiber 4G in ländlichen Gebieten und für Tausende Peruaner in abgelegenen Regionen bereitstellen.

Gilat Satellite Networks ist ein börsennotierter israelischer Anbieter von VSAT-Satelliten-Bodenstationen und zugehöriger Ausrüstung. Gilats VSAT-Plattformen (Very Small Aperture Terminal) werden an Orten eingesetzt, an denen es nicht profitabel ist, Telekommunikationsnetze zu installieren. Gilat hat auch Ausrüstung für die Bereitstellung von Internetversorgung in Flugzeugen, Zügen und Schiffen entwickelt. Es betreibt Kommunikationsnetze in Peru und Kolumbien.

Gilat wurde im Februar 2020 für 532,5 Millionen US-Dollar an Comtech Telecommunications aus den USA verkauft.

 (asa)


Verwandte Artikel:
Huawei: USA finanzieren Brasilien 5G von Ericsson und Nokia   
(15.06.2020, https://glm.io/149093 )
Wohnungseigentumsgesetz: Anspruch auf private Ladestelle verzögert sich   
(15.06.2020, https://glm.io/149099 )
Peru will 100-Dollar-Laptop   
(03.12.2007, https://glm.io/56343 )
3G-Spektrum: Telekom beginnt breiten 5G-Test mit neuen Smartphones   
(03.06.2020, https://glm.io/148883 )
Intelsat: Ab 2001 Satelliten-Breitband-Dienste für ISPs   
(12.12.2000, https://glm.io/11293 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/