Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0107/14873.html    Veröffentlicht: 17.07.2001 11:00    Kurz-URL: https://glm.io/14873

Test: WordSmith 2.0 für PalmOS

FineType-Technik bringt TrueType-Fonts auf den PDA-Schirm

Die PalmOS-Softwareschmiede Blue Nomad bietet ab sofort die englischsprachige Textverarbeitung WordSmith 2.0 an. Die neue Version beherrscht nun den Umgang mit Lesezeichen, Textkommentaren, Fuß- sowie Endnoten und gehört damit zur besten Textverarbeitung, die es derzeit für PDAs ganz gleich welcher Plattform gibt.

Als wahres Highlight von WordSmith 2.0 erweist sich die FineType-Technik, um beliebige TrueType-Fonts auf einem PalmOS-PDA zu verwenden und damit eine deutlich größere Schriftenauswahl zu erhalten. Das funktioniert sowohl bei Doc-Dateien als auch bei Merkzetteln. Allerdings benötigt man zur Konvertierung der Fontdaten einen Windows-PC. Ein Konvertierungsprogramm für Linux und MacOS bietet BlueNomad derzeit nicht an. Unter Windows 2000 muss man zur Konvertierung den Schalter "Include Non-Western Scripts" setzen, weil die Software sonst keine Fonts zur Umwandlung anbietet.

WordSmith mit FineType
WordSmith mit FineType
Für Farbbildschirme generiert FineType die Fonts sogar hochauflösend und mit Anti-Aliasing, was jedoch einen unangenehmen Schatten bzw. Schleier bei der Schriftdarstellung und einen schlechteren Leseeindruck hinterlässt als die normale Auflösung, wie sie auch auf monochromen Geräten verwendet wird. Glücklicherweise kann man auch auf PDAs mit Farbdisplay die Version in normaler Auflösung wählen, die eigentlich monochromen Geräten vorbehalten ist. Bei der Font-Auswahl erscheint das Schriftbild sogar in einem Vorschaubereich, so dass man leicht die gewünschte Schrifttype findet. Schade, dass bei der Fontauswahl über das Kontextmenü die Finetype-Fonts nicht zur Wahl stehen.

Einzelne Fonts belegen dabei nur zwischen 10 und 15 KByte Speicher auf dem PDA. In der hochauflösenden Version für Farbdisplays kommen die Fonts auf Speichergrößen von rund 40 KByte. Man sollte aber bedenken, dass viele Fonts den Start von WordSmith 2.0 spürbar um mehrere Sekunden verlängern. Wo hier die Grenze liegt, hängt von der Taktrate des im Gerät verwendeten Prozessors ab. Für ein 16-MHz-Gerät sollten es nicht viel mehr als 15 Fonts sein, während ein 32-MHz-Gerät durchaus das Doppelte verträgt, bis der Programmstart spürbar länger dauert.



Mit WordSmith können jetzt auch Fuß- und Endnoten direkt auf einem PDA gesetzt und bearbeitet werden, was weder die Textverarbeitung in den Psion-PDAs noch PocketWord aus WindowsCE 3.0 beherrscht. Die Bedienung ist kinderleicht: Setzt man eine Fußnote, poppt ein Fenster auf, in dem man den Fußnoten-Inhalt eingeben kann und hier auch eine Fußnote in eine Endnote verwandeln kann und umgekehrt. Schade nur, dass man an den von WordSmith verwendeten Icons eine Fuß- nicht von einer Endnote unterscheiden kann.

WordSmith 2.0
WordSmith 2.0
Ähnlich wie bei Fußnoten funktioniert auch das Einfügen von Kommentaren, wodurch mehrere Personen bequem an dem gleichen Dokument arbeiten können. Will man zu einer Texpassage Anmerkungen machen, setzt man eine Kommentar-Marke und gibt hier seine Bemerkungen ein. Ein Feld mit dem Autorennamen erleichtert die Zuordnung der Anmerkungen. Hilfreich wäre hier noch eine Funktion, alle Kommentare in einer Übersicht zu zeigen. Man kann Kommentare nur etwas versteckt über den überarbeiteten GoTo-Befehl anspringen.

Schließlich beherrscht WordSmith nun auch den Umgang mit Lesezeichen und zwar nicht nur in Doc-Dateien, sondern auch in Merkzetteln, was die Text-Navigation deutlich erleichtert. Beim Aufrufen der Lesezeichen erscheinen die Wörter hinter dem Lesezeichen, so dass man die gesetzten Markierungen leichter zuordnen kann. Es fehlt leider eine bequeme Möglichkeit, sämtliche Lesezeichen zu löschen, wenn man diese nicht mehr benötigt.

Auch bei der Ausrichtung von Absätzen hat WordSmith 2.0 dazu gelernt: Diese lassen sich nach Belieben auf der linken oder rechten Seite durch Eingabe eines Zahlenwertes exakt einrücken. Für die erste Zeile eines Absatzes stehen bei Bedarf separate Einstellmöglichkeiten zur Wahl, so dass entweder diese Zeile wird oder aber der restliche Absatz stärker eingerückt wird. Wenn solche Einrückungen für eine Struktur benötigt werden, lassen sich auch Punkte vor jedem Absatz einfügen.

Außer diesen großen neuen Funktionen erhielt WordSmith 2.0 zahlreiche Verbesserungen zur leichteren Bedienung. Das Laden von Dokumenten kann man nun auf Wunsch unterbrechen und jedem Dokument lässt sich ein separates Kennwort zuweisen. Für die Textnavigation lassen sich Bilder, Tabellen, Lesezeichen, Fußnoten und Kommentare direkt anspringen.

Außerdem fragt das Programm jetzt auf Wunsch nach, ob eine Doc-Datei oder ein Merkzettel beim Beenden gespeichert werden soll, was man für beide Texttypen getrennt in den Preferences festlegt. Hier bestimmt man auch, ob sich WordSmith merken soll, ob ein Text im Vollbildmodus beendet wurde und diesen wieder herstellen soll. Zudem startet das Programm auf Wunsch immer im Merkzettel- oder Doc-Modus respektive merkt sich den gewählten Programmbereich beim Beenden und stellt diesen wieder her.



Endlich arbeitet auch die virtuelle Tastatur wie gewohnt: Eine lästige Eigenart von WordSmith 1.x war, dass bereits markierte Textteile schlicht vergessen wurden. Nun bleiben solche Markierungen in der virtuellen Tastatur erhalten und die Texte erscheinen dort zudem in der gewählten FineType-Schrift. Das funktioniert nicht nur mit der im PalmOS integrierten Soft-Tastatur, sondern auch mit alternativen Lösungen von Drittherstellern. Die überarbeitete Suchfunktion verrichtet ihre Dienste jetzt zwar besser, aber leider fehlt weiterhin die Möglichkeit, eingegebene Suchbegriffe bequem erneut zu suchen. Immer wieder muss dazu der komplette Suchdialog aufgerufen werden.

Im Zuge der neuen Funktionen wurde auch der Anzeigen-Dialog stark überarbeitet. So hat man die Wahl, ob WordSmith Lesezeichen, Kommentare, Fußnoten, Tabellen oder Bilder anzeigt. Allerdings zeigt WordSmith für Bilder nur Platzhalter und nicht die wirklichen Informationen. Hier lässt sich auf Wunsch auch die FineType-Technik deaktivieren.

Dialog zu Textausrichtung
Dialog zu Textausrichtung
Doc-Dateien lassen sich jetzt mit einer so genannten "Archived"-Markierung versehen. Derartig markierte Texte erscheinen dann nicht mehr in der Dokumenten-Übersicht, sondern werden erst auf ausdrücklichen Befehl angezeigt. Befinden sich viele Doc-Dateien auf dem PDA, erhöht das die Übersicht, indem unwichtige oder ältere Dateien ausgeblendet werden. Wenn auf dem PDA PrintBoy von Bachmann Software installiert ist, lassen sich Texte direkt aus WordSmith heraus per Infrarot-Schnittstelle an einen Drucker senden und ausdrucken.

WordSmith 2.0 kann neben den Formatbefehlen fett, unterstrichen, kursiv und durchgestrichen jetzt auch hoch- und tiefgestellten Text direkt auf dem PDA anzeigen. Diese beiden Befehle kannte die Software zwar schon seit der ersten Version, zeigte sie aber nur nach einer Konvertierung auf Desktop-PCs an.

Zur Übertragung der Doc-Dateien ins RTF-Format und zurück enthält die Windows-Version von WordSmith neben einem Konvertierungsprogramm auch eine Word-Integration, während die MacOS-Version auf Letzteres verzichten muss. Am schlechtesten ausgestattet ist die Linux-Version, die sich mit einem Kommandozeilen-Tool begnügen muss.



Bei der Konvertierung bewahrt WordSmith erstaunlich viele Textinformationen: Dazu gehören der verwendete Font in Größe, Ausrichtung und Farbe sowie die Absatzformatierung mit den eingestellten Zeilenabständen. Aber auch Einzüge, Seitenumbrüche, Tabulatoren, Kommentare, Lesezeichen, Bilder, Tabellen sowie Fuß- und Endnoten bleiben bei der Konvertierung erhalten. Nur Datenbank-Links und andere Dokument-Verknüpfungen gehen bei einer Konvertierung verloren. Bilder werden zwar auf Wunsch auf den PDA übertragen, können jedoch von WordSmith derzeit nicht angezeigt werden. Unverständlich, warum zur Übertragung von Bildern auf den PDA Microsoft Word installiert sein muss.

Font-Auswahl-Dialog
Font-Auswahl-Dialog
WordSmith 2.0 ist ab sofort ausschließlich mit englischsprachiger Oberfläche zum Einführungspreis von 29,95 US-Dollar erhältlich und funktioniert auf allen PDAs mit PalmOS ab der Version 3.0. Später soll die Software dann 39,95 US-Dollar kosten; Updates von WordSmith 1.x sind kostenlos erhältlich. Man kann die Software in Deutschland auch ohne Kreditkarte bei PalmInfo.de für 99,90 DM kaufen. Außerdem unterstützt die Software auch die maximale Auflösung des HandEra 330 bei ausgeblendetem Graffiti-Bereich. Blue Nomad bietet zudem eine Testversion zum Download an, die nach 200 Starts alle Textverarbeitungsfunktionen blockiert und nur noch als Doc-Reader und Merkzettel-Programm funktioniert.

Fazit:
Mit den Möglichkeiten von WordSmith 2.0 mutiert ein PalmOS-PDA zum besten mobilen Textverarbeitungssystem im gesamten PDA-Markt. Weder ein Psion-PDA noch ein PocketPC kann einem so ausgestatteten PalmOS-PDA hier das Wasser reichen, besonders was die Anzahl der bei der Konvertierung erhaltenen Formatierungen betrifft. Sehr erfreulich auch, dass WordSmith die von faltbare Tastatur Palm respektive die Targus-Tastatur für Visor-PDAs vorbildlich unterstützt, so dass sogar die Steuerung in den Menüs möglich ist. Trotz der vielen Erweiterungen wuchs der Speicherbedarf von WordSmith 2.0 nur minimal. Die neue Version benötigt im Unterschied zur alten Fassung mit etwa 460 KByte nur rund 50 KByte mehr RAM-Speicher.

Allerdings gibt es auch einige Kritikpunkte: So überrascht es, dass ohne eine installierte Word-Version keine Bildübertragung auf den PDA möglich ist. Schade auch, dass Mac- und Linux-Anwender bei den FineType-Fonts derzeit das Nachsehen haben, weil ein passender Konverter nicht mitgeliefert wird.  (ip)


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