Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/integration-sap-gruender-distanziert-sich-von-ex-chef-mcdermott-2005-148605.html    Veröffentlicht: 19.05.2020 19:43    Kurz-URL: https://glm.io/148605

Integration

SAP-Gründer distanziert sich von Ex-Chef McDermott

Der Weggang von SAP-Vorstandschef Bill McDermott scheint doch nicht ohne Streit erfolgt zu sein.

SAP-Aufsichtsratschef und Gründer Hasso Plattner hat die Strategie des langjährigen Vorstandschefs Bill McDermott kritisiert. "Keine Frage: Bill McDermotts Zukaufstrategie hat der SAP kräftig Schwung gegeben", sagte er am Tag vor der virtuellen Hauptversammlung des Softwareherstellers dem Handelsblatt. Dabei sei dem US-Amerikaner aber die Integration der verschiedenen Produkte nicht gelungen.

"Die Idee, alles einfach selbständig und eigenverantwortlich laufen zu lassen, mag wirtschaftlich sogar noch Sinn gemacht haben. Das provozierte ja eine gewisse Wachstumsdynamik." Aber das reiche nicht, betonte Plattner, der noch rund sechs Prozent der Aktien hält: "Technologisch haben wir trotzdem nicht die richtige Entscheidung getroffen. Das hat uns eineinhalb bis zwei Jahre gekostet, mental aber noch weit mehr." Die einzelnen Komponenten von zugekauften Softwareprodukten seien nicht ausreichend miteinander verbunden, was Projekte erschwere.

"Die Integration, die funktioniert bei SAP immer noch nicht komplett", sagte Plattner. "Das ist leider ein Fakt." Das könne sich auch auf die Kundenzufriedenheit auswirken, hatte die deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) kritisiert.

An diesen Problemen sei auch das Führungsduo aus der US-Amerikanerin Jennifer Morgan und dem Deutschen Christian Klein letztlich gescheitert: "Die Diskussionen um die Strategie der SAP ist seit Jahresbeginn immer langsamer geworden", sagte Plattner. Da seien "zwei Kulturen aufeinandergeprallt, die sehr unterschiedlich sind". Die beiden Manager hatten im Oktober nach dem Abschied von McDermott gemeinsam die SAP-Führung übernommen.

Erst kürzlich hatte SAP die Prognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. Viele Kunden hätten wegen der Coronakrise ihre IT-Projekte vorerst gestoppt, war die Begründung.

Klein ist seit April alleiniger Vorstandssprecher des Dax-Konzerns. Der überraschende Abschied der Co-Chefin Morgan vor einigen Tagen habe nichts mit persönlichen Spannungen zu tun gehabt. Es habe aber "die eine oder andere Differenz" über die Ausrichtung gegeben.

 (asa)


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