Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/thinkpad-diy-wie-ich-meinen-alten-laptop-fit-fuer-die-zukunft-mache-2005-148555.html    Veröffentlicht: 25.05.2020 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/148555

Thinkpad DIY

Wie ich meinen alten Laptop fit für die Zukunft mache

Mit ein paar neuen Teilen und etwas Bastelei kann mein acht Jahre altes Thinkpad wieder mit den Laptops der Kollegen mithalten.

Ich mag mein T430: Die Tastatur des Thinkpads ist spitze, die Linux-Unterstützung gut und auch sonst hat es einige Funktionen, die ich liebgewonnen habe. Nur leider ist der Laptop acht Jahre nach der Veröffentlichung nicht mehr der schnellste. Ich wollte also einen neuen kaufen. Dann erzählte mir aber ein alter Freund auf dem Hackerkongress 36C3, dass er bei seinem in die Jahre gekommenen Thinkpad einfach den Dual- gegen einen Quadcore-Prozessor ausgetauscht hat, was den Rechner deutlich flinker machte. Ob das bei meinem Thinkpad auch funktioniert?

Dafür muss ich erst mal nachsehen, ob sich der Prozessor beim T430 überhaupt austauschen lässt. Schließlich hat mein Freund ein anderes Modell, nämlich ein T440P. Eine kurze Recherche ergibt jedoch: Es geht. Die Suche nach einem passenden Prozessor und einigen weiteren Teilen bis hin zu einem USB-C-Netzteil beginnt. Denn mein Rechner soll nicht nur fit für die nächsten Jahre werden, sondern auch sicherer und offener.

Getreu dem Motto des 36. Chaos Communication Congress, "Resource Exhaustion", suche ich also nach einem gebrauchten Quadcore-Prozessor, der den bisher verbauten Ivy-Bridge-Prozessor i5-3320M mit zwei Kernen à 2,6 Gigahertz (GHz) ersetzen soll. Zum Glück lässt sich das T430 recht einfach aufschrauben und die einzelnen Bauteile können gut erreicht und einfach gewechselt werden - bis hin zum Prozessor, der anders als bei vielen anderen Laptops nicht verlötet ist, sondern seinen eigenen Sockel besitzt. Auf Ebay finde ich einen passenden i7-3632QM für rund 100 Euro, der auf den Sockel passt. Der Prozessor taktet mit 2,2 GHz etwas langsamer, dafür hat er doppelt so viele Kerne und den gleichen Energiebedarf von 35 Watt.

Es wird heiß

Die Alternativen i7-3840QM und i7-3940XM takten mit 2,8 und 3,0 GHz zwar deutlich schneller, haben aber auch eine höhere thermische Verlustleistung (TDP) von 45 oder 55 Watt und produzieren deutlich mehr Abwärme. Ich bleibe daher beim i7-3632QM, der jedoch mit dem im Thinkpad verbauten Kühler relativ heiß wird. Im Leerlauf liegt er bei über 60° C, unter Last schnellt er auf 90° C, teilweise auch auf 100° C hoch. Ein besserer Kühler muss her.

Das Thinkpad T430 gibt es auch mit dedizierter Grafikkarte und stärkerem Kühler, der auch in die Thinkpads ohne extra Grafikkarte eingebaut werden kann. Ich suche - wieder auf Ebay - nach einem entsprechenden Kühler und werde für rund 35 Euro fündig. Der Kühler hat gute Bewertungen, kommt jedoch direkt aus China, ich muss rund einen Monat auf ihn warten.

Der Einbau gestaltet sich unkompliziert und der neue Kühler ist wider Erwarten sogar leiser als der alte. Er kühlt den Prozessor im Leerlauf auf um die 40°C, selbst unter Volllast erreicht er die 90°C selten. Doch bringt der Prozessor neben mehr Abwärme und einem höheren Energiebedarf auch deutlich mehr Leistung?



Im Benchmark zeigt der neue Prozessor, was er kann

In einem Benchmark mit Blender 2.79 tritt der i7-3632QM mit neuem Kühler gegen den i5-3320M mit altem Kühler an - und ist mit 883 zu 1.665 Sekunden ziemlich genau doppelt so schnell. Das Weniger an GHz dürfte der neue Kühler wettmachen. Die noch spannendere Frage ist jedoch: Kann der Quadcore-Prozessor auch mit aktuelleren Prozessoren mithalten?

Im Thinkpad T430 wurden noch die Prozessoren mit M-Suffix (Mobilsysteme) verbaut, die im Unterschied zu den Modellen mit U-Suffix (Ultra-Low-Power) mehr Geschwindigkeit bei einem höheren Energiebedarf bieten. Ich führe den gleichen Benchmark auf einem fünf Jahre neueren T480s mit dem Quadcore-Prozessor i5-8250U (Kaby Lake Refresh) durch.

Mit 822 Sekunden ist das Thinkpad T480s nur rund 7 Prozent flinker als mein aktualisiertes T430. Den Lenovo X1 Carbon mit Skylake-Prozessor i5-6200U meines Kollegen lässt es hinter sich. Mein alter Laptop kann wieder mithalten.

Mehr RAM, eine SSD und ein besserer Bildschirm

Natürlich dürfen bei der Generalüberholung eine SSD und genügend RAM nicht fehlen. Mit einer Samsung Evo 850 mit einem Terabyte (TB) sowie zwei 8-Gigabyte-RAM-Riegeln habe ich das schon vor einiger Zeit gemacht. Einer der beiden RAM-Riegel kann direkt auf der Unterseite des Laptops eingebaut werden, ohne dass das ganze Gerät auseinandergebaut werden muss. Hier kann in einem zusätzlichen MiniPCI-Express-Slot zudem eine weitere mSata-SSD oder eine Mobilfunkkarte eingeschraubt werden.

Als ich den Rechner vor einigen Jahren kaufte, hielt ich die Bildschirmauflösung von 1.366 x 768 Pixeln bei 14 Zoll für völlig ausreichend. Das bereue ich mittlerweile, können doch kaum sinnvoll zwei Fenster nebeneinander genutzt werden. Schon damals gab es den Rechner ab Werk mit einem Display mit 1.600 x 900 Pixeln.

Ich kaufe das Display gebraucht und baue es ein - die rund 240 Pixel mehr in der Breite machen tatsächlich einen deutlichen Unterschied. Wem das immer noch zu wenig ist, der kann auch ein Full-HD-Display in das alte Thinkpad einbauen. Dafür muss allerdings ein kleiner Adapter zwischen Displaykabel und Bildschirm geklemmt werden. Der kann jedoch den Bildschirm zum Flackern bringen.

USB-C: Ein Netzteil für alle Geräte

Was mich schon länger ein wenig nervt, ist das Rundstecker-Netzteil des T430. Dieses hat Lenovo zwischenzeitlich durch einen eckigen Stecker ersetzt, um wenig später auf USB-C zu setzen. Das bedeutete bisher, dass ich auf manchen Reisen vier Netzteile mit mir herumschleppen musste: je ein USB-C-Netzteil für meinen Arbeitsrechner und das Smartphone, ein Netzteil für meinen Privatrechner und für manches andere Gerät noch ein Micro-USB-Netzteil. Das muss doch einfacher gehen!

Kombinierte Netzteile mit mehreren USB-C- und USB-A-Anschlüssen gibt es von verschiedenen Herstellern. Mit mindestens 65 Watt können sie mit einem passenden USB-C-Kabel im Prinzip alle Geräte per Power Delivery laden, allerdings fehlt der Lenovo-Rundstecker. Ich suche nach einem USB-C-auf-Lenovo-Rundstecker-Adapter und werde tatsächlich fündig.

Ich bestelle ihn für rund 5 Euro ebenfalls direkt aus China. Mit dem Adapter und dem Netzteil kann ich per USB Power Delivery mein T430 zwar betreiben oder laden, beides gleichzeitig klappt jedoch nicht. Alle paar Minuten fällt mein Laptop auf den Akkubetrieb zurück, obwohl ich ihn am Netz habe.

Eine ausgefeiltere Lösung hat der Bastler Mike P. entwickelt: Mit einer Platine und einem Plastikadapter aus dem 3D-Drucker ersetzt er die Ladebuchse etlicher Thinkpads durch eine USB-C-Buchse.

Damit können die Laptops nativ per USB-C geladen werden - allerdings funktioniert das Bauteil nur mit einer zuvor festgelegten Leistung von 65 oder 90 Watt. Es kann für 20 US-Dollar bestellt werden. Leider gehört das T430 nicht zu den unterstützten Geräten, da dessen Ladebuchse zusätzlich durch ein Schräubchen fixiert ist. Alternativ können sich findige Elektroniker oder Bastler mit Zugriff auf einen 3D-Drucker das Bauteil jedoch selbst basteln. Meine nächste Baustelle ist jedoch nicht die USB-C-Buchse, sondern das Bios von Lenovo.

Die Zukunft: Coreboot mit Heads und eine neue WLAN-Karte

Ich möchte es durch die freie Alternative Coreboot ersetzen. Kombiniert mit dem Payload Heads und einem Nitrokey kann ich so den Bootvorgang bis hin zu meiner verschlüsselten Linux-Partition authentifizieren und absichern.

Vorgestellt hat Heads der Entwickler Trammell Hudson erstmals auf dem 33. Chaos Communication Congress als mögliche Maßnahme gegen die sogenannte Evil Maid Attack, also die Manipulation der Firmware oder des Betriebssystems in einem unbeaufsichtigten Moment, beispielsweise wenn der Rechner im Hotelzimmer liegt.

So ausgerüstet käme mein Rechner an die Sicherheit des fast baugleichen Nitropad, das auf Lenovos X230 basiert, sowie der Librem-Rechner von Purism heran. Ein weiterer Vorteil des Bios-Austausches: Ich kann die WLAN-Karte gegen ein schnelleres Modell oder eine Karte mit freier Firmware tauschen. Beides ist bisher nicht möglich, da Lenovo nur WLAN-Karten aus einer Whitelist im Bios erlaubt.

Mein fast perfektes T430

Ganz abgeschlossen ist mein Bastelprojekt also noch nicht, aber schon jetzt gefällt mir mein T430 noch besser als zuvor. Dass es im Vergleich zu aktuellen Geräten klobiger ist, lässt sich natürlich nicht wegbasteln. Dafür kann es problemlos aufgeschraubt werden und Bauteile lassen sich einfach auswechseln.

Auch an Ersatzteilen mangelt es im Internet nicht: Vom Akku über das Gehäuse bis hin zur Ladebuchse gibt es alles, was zum Reparieren und Aufrüsten des Laptops gebraucht werden könnte - inklusive etlicher Mods und gut funktionierender Docking-Stationen. Auch das T430 selbst gibt es noch gebraucht zu kaufen, für rund 200 bis 300 Euro. Mit etwas Gebastel ist der acht Jahre alte Laptop wieder fast auf der Höhe der Zeit. Es muss eben nicht immer ein neues Notebook sein.





 (mtr)


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