Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/coronavirus-intel-soll-fab-durchsatz-vor-gesundheit-gestellt-haben-2005-148368.html    Veröffentlicht: 09.05.2020 14:35    Kurz-URL: https://glm.io/148368

Coronavirus

Intel soll Fab-Durchsatz vor Gesundheit gestellt haben

Kommentar eines Mitarbeiters: Intel "schert sich einen Dreck", solange die Produktion im Halbleiterwerk weiter laufe.

In der Fab 42 in den USA soll Intel auf Kosten der Gesundheit der Mitarbeiter vorgeschriebene Sicherheitsabstände und das Tragen von Masken nicht durchgesetzt haben, um die Produktionleistung des Werks zu erhöhen. Das berichtet Bloomberg auf Basis von Beschwerden an die Gesundheitsbehörde.

Das Halbleiterwerk befindet sich bei Chandler im US-Bundesstaat Arizona, dort sollen als infiziert getestete Angestellte nicht von den gesunden Mitarbeitern isoliert worden sein. Auch bei der Fab D1X im US-Bundesstaat Oregon gab es Einreichungen, denen zufolge keine Masken verteilt wurden und Arbeiter trotz Coronavirus-Symptomen ohne Nachweis eines negativ ausgefallenen Tests weiter ihrer Beschäftigung nachgingen. In der Fab 11X im US-Bundesstaat New Mexico wurde die Cafeteria geschlossen.

Auf Nachfrage sagte Darcy Ortiz, Vice President bei Intel Manufacturing, man verstehe vollkommen, dass Mitarbeiter besorgt seien. Intel habe eine strenge Sicherheitskultur und helfe Angestellten dabei, auf Missstände hinzuweisen. Von den Beschäftigten hingegen gab es Kommentare in internen Dokumenten, wonach Intel "sich einen Dreck schert, solange die Produktion weiter läuft". Auf die Frage, warum der Ausstoß nicht gedrosselt werde, soll Intel geantwortet haben, die eigenen Chips seien "essenziell" für medizinische und Homeoffice-Geräte. "Die Formulierung der Frage passt nicht zur Art, wie wir bei Intel denken", soll ein Manager geschrieben haben.

Seit Monaten leidet Intel unter Kapazitätsproblemen bei der 14- und der 10-nm-Fertigung. Der modernere Node hatte sich über Jahre hinweg verzögert, weshalb Intel unter anderem von vier über sechs und acht auf zehn CPU-Kerne vergrößerte Prozessoren mit dem älteren Verfahren entworfen hat. Dadurch passen weniger Chips auf einen Wafer, was zu einer Verknappung führte. Neben Desktop- und Mobile-CPUs fertigt Intel auch teils riesige Server-CPUs sowie Chipsätze und LTE-Modems mit 14 nm, darunter Basebands für Apples iPhones.

 (ms)


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