Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nuc9-extreme-ghost-canyon-im-test-der-schnellste-5-liter-rechner-2005-148349.html    Veröffentlicht: 13.05.2020 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/148349

NUC9 Extreme (Ghost Canyon) im Test

Der schnellste 5-Liter-Rechner

Intels NUC9 Extreme leistet enorm viel und ist umfangreich aufrüstbar - das geht ins Geld und ins Ohr.

Die NUCs, kurz für Next Unit of Computing, stehen seit Jahren für kleine Mini-PCs von Intel. Der NUC9 Extreme alias Ghost Canyon bildet hierbei keine Ausnahme, im Gegenteil: Mit einem Volumen von knapp fünf Litern ist das System das derzeit kompakteste mit einer so hohen Anwendungs- und Gaming-Leistung. Im Test überzeugten uns neben der Performance vor allem Ausstattung und Aufrüstbarkeit, dem gegenüber stehen die sehr hohen Kosten für den exklusiven Formfaktor des Systems.

Bei unserem Muster handelt es sich um den NUC9i9QNX, die schnellste Version des Ghost Canyon. Mit dem NUC9i5QNX und dem NUC9i7QNX gibt es noch zwei weitere Ableger, die sich abseits des Prozessors aber nicht unterscheiden. Mit 238 x 216 x 96 mm fällt der NUC9 sehr klein aus, das Dan Cases A4-SFX ist mit sieben statt fünf Litern klar voluminöser. Zwar gibt es mit dem Lazer3D HT5 ein kompaktes 5-Liter-Gehäuse, anders als beim Ghost Canyon passt hier aber nur eine langsamere Low-Profile-Grafikkarte hinein.

Wie bei allen NUCs handelt es sich um einen Barebone, seitens Intel sind einzig die Hauptplatine samt Prozessor und ein Bluetooth/WLAN-Modul als Ausgangsbasis vorhanden. Den RAM, die SSD(s) und die optionale Grafikkarte müssen Nutzer zusätzlich kaufen. Bevor wir uns dem Aufbau widmen, ein paar Worte zu den Anschlüssen: An der Front befinden sich der blau beleuchtete Power-Button, ein SD-Kartenleser (UHS-II), eine Klinkenbuchse und zwei USB-A-3.2-Gen2-Ports. Hinten stehen vier USB-A-3.2-Gen2, zwei Thunderbolt 3 (USB-C), Dual-Gigabit-Ethernet, eine Toslink-Klinke und ein HDMI 2.0a zur Verfügung.

Um den NUC9 Extreme in Betrieb nehmen zu können, müssen wir den Barebone zuerst zerlegen, dann mit Komponenten bestücken und abschließend wieder zusammenbauen. Das klappt zwar prinzipiell gut, Nutzer sollten jedoch Fingerspitzengefühl und Geduld mitbringen. Aufgrund der kompakten Maße sind alle Bestandteile des Ghost Canyon äußerst eng gepackt, was sich auch auf die thermischen Eigenschaften auswirkt. Im ersten Schritt gilt es, die beiden Schrauben im Heck zu lösen, damit sich der Deckel mit den zwei ausblasenden 80-mm-Lüftern abnehmen lässt. Die Seitenteile aus Mesh-Gitter können dann nach oben herausgezogen werden.

Im Inneren des NUC9 Extreme befindet sich unten das mit einem 40-mm-Propeller aktiv gekühlte 500-Watt-Netzteil, ein FSP500-50FSPT, welches mit 80 Plus Platinum zertifiziert und somit sehr effizient ist. Darüber sitzt eine Tochter-Platine mit zwei PCIe-Slots, in einem davon steckt das austauschbare Compute Element und einer nimmt eine optionale Grafikkarte auf. Das Daughter-Board hat überdies einen M.2-22110-Slot samt Kühler integriert, der genauso wie der PCIe-Slot für den Pixelbeschleuniger direkt an den Prozessor des Compute Elements angeschlossen ist.

Sofern also eine Grafikkarte und eine M.2-SSD in der Tochter-Platine verbaut sind, springt ein ASM1480-Muxer an. Die dedizierte GPU kann dann nur noch auf 8 statt 16 Gen3-Lanes zugreifen, die SSD erhält vier Gen3-Lanes. Ob das Auswirkungen auf die Leistung hat, schauen wir uns gleich an.

Tolles Innenleben, nervige Hysterese

Auf dem Compute Element befinden sich der Prozessor, die beiden SO-DIMM-Slots für DDR4-2666-Arbeitsspeicher und zwei M.2-Steckplätze für NVMe- oder Sata-SSDs. Einer eignet sich für Drives mit 80 mm Länge und einer für solche mit bis zu 110 mm, beide hängen mit vier Gen3-Lanes am CM246-Chipsatz.

Obgleich nicht genutzt, ist auf der Platine ein Sata-Anschluss mit integrierter Stromversorgung vorhanden. Die zwei Gigabit-Ethernet-Chips stammen von Intel (i210 & i219), hinter den beiden TB3-USB-C-Anschlüssen sitzt ein Titan-Ridge-Controller und HDMI 2.0a wird per Converter-Chip aus Displayport 1.2 erzeugt. Für Blueooth 5 und Wi-Fi 6 (802.12ax) verlötet Intel ein AX200-Modul mit nach außen verlegten 2x2-Antennen.

Unser Muster ist mit einem achtkernigen Core i9-9980HK (Coffee Lake H Refresh) ausgestattet, den Intel wie folgt eingestellt hat: Der Chip darf 30 Sekunden lang 107 Watt aufnehmen (PL2), dann wird er dauerhaft auf 65 Watt (PL1) gedrosselt. Mit 245 Sekunden in der BWM27-Szene mit Blender 2.82a und 3.520/500 Punkten im Cinebench R20 entspricht die Leistung des Core i9-9980HK fast genau der eines sechskernigen Ryzen 5 3600 (Test). Die bis zu 5 GHz sehen wir nur beim Öffnen von Anwendungen, weil aufgrund der CPU-Temperatur von über 65 Grad der Thermal Velocity Boost weder auf einem noch auf allen Kernen bei längerer Last anspringt. Wir messen 75 Grad, wenn die 65 Watt PL1 erreicht sind, der Radiallüfter bleibt dabei angenehm.

Intel verkauft den Ghost Canyon ohne Grafikkarte, der Barebone nimmt allerdings dedizierte Modelle mit einer Länge von bis zu 203 mm auf. Wichtig ist ein nach oben zeigender Stromanschluss - ragt er nach hinten, muss die Karte einige Millimeter kürzer sein. Das Netzteil weist einen abgewinkelten 8-Pin-Stecker auf, ein zusätzlicher 6+2-Pin steht in regulärer Bauweise zur Verfügung. Theoretisch reicht das für 300 Watt, allerdings wird Intel zufolge bei 225 Watt abgeriegelt. Mit knapp 20 cm Länge existieren zwei Varianten der Geforce RTX 2070, eine von Inno3D und eine von Asus. Langsamere Geforce GTX/RTX sind ebenfalls verfügbar, von AMDs Partnern hingegen maximal die Radeon RX 5500 XT Challenger ITX von Asrock.

Bei der Dual Geforce RTX 2070 Mini hat Asus trotz expliziten Designs für den Ghost Canyon die beiden Lüfter in einen Kunststoffrahmen eingefasst, so dass ungeachtet der horizontalen Lamellenausrichtung die Abwärme nicht über die gelochte I/O-Blende ins Freie entweichen kann. Stattdessen verbleibt sie im Gehäuse und die zwei Propeller im Deckel müssen die Hitze zusätzlich zu der des Prozessors absaugen. Immerhin stehen die Grafikkkarten-Lüfter im Leerlauf still, unter Last messen wir 73 Grad bei deutlich hörbarem Betriebsgeräusch.

Steckt ein dedizierter Pixelbeschleuniger im PEG-Slot und eine NVMe-SSD im M.2-Slot der Tochter-Platine, wird der PEG nur mit acht Lanes angebunden. Die Leistung der SSD ist davon unbeeinflusst, die der Grafikkarte in vielen Fällen auch. Volle 16 PCIe-Gen3-Lanes bringen nur etwas, wenn der Videospeicher überläuft, dann stottert die Darstellung jedoch ohnehin. Stecken wir NVMe-SSD allerdings in einen der M.2-Slots des Compute Elements, reduziert sich die Leistung leicht, weil die Steckplätze am Chipsatz und nicht direkt an der CPU hängen.

Ohne Grafikkarte begnügt sich der Ghost Canyon mit 20 Watt im Leerlauf und 100 Watt bei Blender-Rendering, mit der Geforce RTX 2070 benötigt das System im idle-Zustand rund 32 Watt. Leider nervig ist Teillast: Die Hysterese der beiden ab 50 Grad CPU-Temperatur startenden Gehäuselüfter geht zu aggressiv zu Werke, weshalb die zwei Propeller beim Installieren von Windows-Updates oder dem Öffnen von etwa Adobe Premiere Pro hoch- und runterdrehen. Wir empfehlen die Quiet- statt der Cool-Voreinstellung, diese agiert zwar genauso hektisch, aber bei geringerer Drehzahl. Noch besser ist eine manuelle Lüfterkurve.

Ghost Canyon: Verfügbarkeit und Fazit

Intel verkauft den Ghost Canyon als einzelne Compute Elements und als Barebone, sprich Gehäuse samt Netzteil: Die Compute Elements gibt es als NUC9i5QNB für knapp 700 Euro, als NUC9i7QNB für rund 800 Euro und als NUC9i9QNB für etwa 1.200 Euro. Die damit ausgestatteten Barebones heißen NUC9i5QNX (900 Euro), NUC9i7QNX (1.100 Euro) und NUC9i9QNX (1.500 Euro).

Wem das Intel-Gehäuse nicht gefällt, der hat mit dem Akasa Venom QX (Facebook), dem Cooler Master NC100 und dem Razer Tomahawk andere Optionen, ein NUC9-Compute-Element zu verbauen. Diese Barebones sind größer, haben dafür aber Platz für längere Grafikkarten und mehr HDD/SSD-Schächte.

Fazit

Der NUC9 Extreme alias Ghost Canyon ist ein teures, jedoch ziemlich beeindruckendes Stück Hardware: Voll ausgestattet mit einem Core i9-9980HK und einer Geforce RTX 2070 handelt es sich um den bisher leistungsstärksten Mini-PC mit einem Volumen von unter fünf Litern, und das bei integriertem Netzteil. Hinzu kommt, dass Intel bei den Anschlüssen des Ghost Canyon trotz der kompakten Maße keine Kompromisse eingeht: USB-A/C 3.2 Gen2, HDMI 2.0a, doppeltes Gigabit-Ethernet, SD-Kartenleser, Toslink, Thunderbolt 3 - alles vorhanden.

Bei der Montage braucht es zwar Fingerspitzengefühl und Geduld, dafür lässt sich der Barebone mit bis zu 64 GByte DDR4-Speicher und gleich drei NVMe-SSDs ausstatten. Eine davon hängt auf Wunsch direkt an der CPU, was Vorteile beim Datentransfer und der Latenz hat. Unser einziger echter Kritikpunkt am Ghost Canyon ist die zu aggressive Hysterese der beiden Gehäuselüfter bei Burst-Workloads, das Problem könnte Intel per Firmware-Upgrade angehen. Aufgrund des austauschbaren Compute Elements sind wir zudem gespannt, mit welchen Barebones oder Gehäusen die Partner noch aufwarten werden und welche Upgrades es von Intel geben wird.

 (ms)


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